Den 26. April 2021 wird Österreichs neuer Stern am Leichtathletikhimmel, Victoria Hudson, wohl nie vergessen. Als sie bei einem Einladungsmeeting in Eisenstadt zum Speer griff und diesen dann 64,68 Meter weit über den Rasen beförderte - drei Meter weiter als Elisabeth Pauer, die 2010 die nationale Bestmarke von 61,43 Meter erreicht und seither gehalten hatte. Hudsons Freude über den österreichischen Rekord wechselte rasch in Jubel, als ihr klar wurde, dass sie sich mit ihrem Wurf direkt für die Olympischen Spiele in Tokio qualifiziert hatte, ein Kunststück, das vor ihr so weltweit nur zwölf Athletinnen geschafft haben.

Diese Leistung öffnete Hudson nicht nur die Türe zu Olympia in Tokio, sondern auch zur Diamond League, einer Serie von jährlichen Leichtathletikveranstaltungen, die nur der Weltelite vorbehalten ist. Für Hudson, die bisher nur bei Junioren- und Staatsmeisterschaften reüssiert hatte, ist der Antritt am Donnerstag (18.45 Uhr) nicht nur eine Ehre, sondern eine große Herausforderung. Die Weltjahresbeste Maria Andrejczyk (Pl), die zuletzt im Europacup mit 71,40 Metern am Weltrekord von Barbora Spotakova (Cz) kratzte, führt das Bestenfeld an. Spotakova ist ebenfalls in Oslo mit dabei, genauso wie die regierende Weltmeisterin aus Australien, Kelsey-Lee Barber und die Europameisterinnen Tatsiana Khaladovich (Bel) und Kristin Hussong (D). Hudson liegt mit ihrem Eisenstadt-Rekord auf Platz acht der Weltrangliste. Dass sich bei ihr Müdigkeitserscheinungen bemerkbar machten, kümmert die 25-Jährige (noch) nicht. "Wir sind mitten in einem intensiven Trainingsblock", meinte sie kürzlich. "Die Trainingsleistungen passen super. Wir sind voll auf Schiene Richtung Tokio. Wichtig ist, dass ich dort in Top-Form bin."

Waißhaidinger ohne Druck

In Oslo und Tokio in Top-Form antreten will auch Österreichs bester Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger und sich in hochkarätigen Diamond-League-Wettkämpfen auf Olympia vorbereiten (20.30 Uhr). Vier Wochen vor Beginn der Bewerbe in Tokio ist das Turnier in Skandinavien ein guter Gradmesser. Um sich zu schonen, hatte "Lucky Luky" zuvor auf Konkurrenzen verzichtet und tritt aus dem Training heraus an. "Die Belastungen waren zuletzt noch einmal bewusst hoch. Olympia hat Vorrang", ließ er in einer Aussendung wissen. "Die Dichte ist heuer sehr groß", meinte er. "Es wird ein Gemetzel um die ersten Plätze. Nur ein paar Zentimeter können den Unterschied machen. Allzu großen Erwartungsdruck mache ich mir aber trotzdem nicht." Laut Oslo-Organisatoren war der Diskus-Bewerb in der Hauptstadt des Landes noch nie so stark wie diesmal besetzt.

Der Oberösterreicher Weißhaidinger, Weltranglisten-Dritter und mit der nationalen Rekordmarke von 69,04 Metern Vierter der Bestenliste, bekommt es zum Auftakt mit Weltmeister Daniel Stahl (Sw) und Vize-Weltmeister Fedrick Dacres (Jam) sowie mit Ex-Weltmeister Andrius Gudzius aus Litauen, U-23-Weltrekordler Kristjan Ceh (Slo), dem WM-Vierten Alin Firfirica (Rum), dem EM-Vierten Simon Pettersson (Sw) und Lokalmatador Ola Stunes Isene zu tun.

Die Stimmung ist bei Waißheidinger wie Hudson wenig überraschend gut, haben doch die Debütantin und er erst am Wochenende bei den Staatsmeisterschaften in Graz in souveräner Manier die nationalen Titel geholt. Man wird von diesem Duo wohl noch hören. Und vielleicht beschert ihm Olympia noch den einen oder anderen unvergesslichen Tag.(rel/apa)