Ticketkontrolle, 3G-Nachweis, Temperaturmessung und dann ab auf das Ring-Gelände: Am Freitag ist die Formel 1 in Spielberg - diesmal ohne Zuschauerbeschränkung - mit den ersten Trainings für den Grand Prix am Sonntag (15 Uhr) ins Rennwochenende gestartet. Die Öffnungen seit 1. Juli bringen schon fast vergessene Bilder mit sich: viele Menschen auf einem Fleck und das ohne Masken. Bei vielen der Fans ist daher nun auch wieder ein Lächeln zu sehen. Die Freude über ein Formel-1-Live-Rennen ist groß.

Hamilton verlängert bei Mercedes um zwei Jahre

Für die Fahrer ist derlei Aufwand freilich nichts Neues. Nach dem pandemiebedingt verspäteten Start der Vorsaison tingeln sie nun mit kurzer Winterpause schon seit ziemlich genau einem Jahr - Spielberg eröffnete damals den Reigen ebenfalls mit einem Doppelrennen - durch die Corona-Welt. Neu ist heuer lediglich, dass der siebenfache Weltmeister Lewis Hamilton - der soeben bei Mercedes um zwei Jahre verlängert hat - nicht mehr unantastbar ist. Vor dem zweiten Rennen in der Steiermark liegt er 18 Punkte hinter dem Niederländer Max Verstappen, der nach Sturm-und-Drang-Jahren vom Talent zum ernsthaften Titelkandidaten gereift ist.

Wer gewinnt den zweiten Grand Prix von Spielberg: Weltmeister Lewis Hamilton (l.), der gerade bei Mercedes verlängert hat, Max Verstappen, für den es quasi ein Heimrennen ist - oder doch ein lachender Dritter? 
- © REUTERS / FIA

Wer gewinnt den zweiten Grand Prix von Spielberg: Weltmeister Lewis Hamilton (l.), der gerade bei Mercedes verlängert hat, Max Verstappen, für den es quasi ein Heimrennen ist - oder doch ein lachender Dritter?

- © REUTERS / FIA

Der 36-jährige Titelverteidiger hat aber noch einiges vor, wie die Vertragsverlängerung zeigt. Hamiltons aktueller Vertrag wäre ja mit Jahresende abgelaufen, nun will er zumindest bis 2023 bei Mercedes bleiben. "Es ist aufregend, dass wir die Partnerschaft um zwei Jahre verlängern. Wir haben viel zusammen erreicht, aber es gibt noch viel zu erreichen. Auf und abseits der Piste", ekrlärte der 36-jährige Brite vor dem zweiten Spielberg-Rennen.

Während Hamilton damit die Spekulationen über seine Motorsport-Zukunft beendet hat, ist nach wie vor offen, wer 2022 sein Teamkollege sein wird. Denn der Vertrag des Finnen Valtteri Bottas, der am Ende der Saison ausläuft, wurde noch nicht verlängert. Ein möglicher Kandidat ist Williams-Pilot George Russell.

Ein Heimspiel für Verstappen und Red Bull

Das Wochenende in Spielberg, das für Verstappens Red-Bull-Rennstall ein Heimspiel ist, eröffnete der Sieger vom vergangenen Sonntag stilgemäß mit einer Bestzeit im ersten freien Training. Im zweiten schlug Hamilton zurück, dass dritte dominierte dann wieder Verstappen. Dass Hamilton noch lange nicht abzuschreiben sei, war Verstappen schon davor bewusst. "Die anderen werden genau hinschauen, was sie im ersten Rennen nicht so gut gemacht haben. Insgesamt wird alles viel enger hergehen, was bei Folgerennen üblich ist", hatte Verstappen nach dem ersten Rennen gemeint.

Vielen Zuschauern würde ein weiterer Sieg des Niederländers gefallen, die Tribünen dürften wieder in Orange getaucht sein. Nachdem die Niederlande bei der Fußball-EM vorzeitig ausgeschieden sind, konzentriert sich die Sportbegeisterung der Holländer nun auf die Formel 1 und die Tour de France, bei der Mathieu van der Poel die Etappe am Freitag noch als Gesamtführender in Angriff nahm (bei Redaktionsschluss noch im Gang).

Der Freitag in Spielberg lieferte jedenfalls schon einen guten Vorgeschmack darauf, auf was sich die niederländischen, einheimischen und alle anderen Gäste am Wochenende einstellen müssen. Ehe die Zuschauer auf das Gelände dürfen, hieß es zunächst einmal, einen Kontrollmarathon zu durchlaufen: Ab 8 Uhr öffneten sich die Schleusen, und zuerst hieß es den 3G-Nachweis - also getestet, genesen oder geimpft - vorzuweisen. Ein kurzes Piepsen, und das Lesegerät verifiziert den QR-Code - Zugang gestattet.

Doch wenige Schritte weiter die nächste Kontrolle: Nun muss das Ticket vorgewiesen werden sowie das zuvor erhaltene Zugangsarmband, das ebenfalls mit einem QR-Code versehen ist. Knapp vor den Zugangstreppen zu den Tribünen dann eine dritte Kontrolle: Die Temperatur der Stirn wird noch gemessen, um eventuell erkrankte Personen mit Fieber noch vor dem Ringgelände abzufangen. Danach stehen den Besucherinnen und Besuchern die meisten Wege am Gelände offen.

Spielberg rechnet mit bis zu 60.000 Fans am Sonntag

Das Projekt Spielberg rechnete am Freitag mit rund 15.000 Zuschauern, am Samstag dürften um die 30.000 kommen und am Sonntag etwa 60.000. Macht in Summe 105.000 Eintrittskarten - so viele Menschen bei einer Veranstaltung hat Österreich seit Frühjahr 2020 vor dem ersten Lockdown und vor der Corona-Pandemie nicht gesehen.

Allerdings sind in Spielberg weiterhin auch Tickets an den Tageskassen verfügbar, es könnten also auch mehr Zuschauer werden. Nur wenige Fans trugen am Freitag im Freien oder auf den Tribünen eine Maske, diese wird auch nicht mehr verlangt. Sie freuen sich auf ein fast normales Rennwochenende.(red/apa)