Red-Bull-Pilot Max Verstappen hat sich trotz Fehler auch für den zweiten Grand Prix der Formel 1 in Spielberg die Poleposition gesichert. Der Sieger der Vorwoche fuhr am Samstag im Qualifying in 1:03,720 Minuten aber nur hauchdünn vor McLaren-Überraschungsmann Lando Norris (+0,048 Sek.) Bestzeit. Aus der zweiten Reihe starten am Sonntag (15.00 Uhr/live ORF 1, ServusTV und Sky) Verstappens Teamkollege Sergio Perez (+0,270) und Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes (0,294).

Valtteri Bottas im zweiten Silberpfeil wurde Fünfter (0,329) und unterstrich, dass man bei Mercedes wohl schon ganz auf das Rennen gesetzt hatte. Die Enttäuschung über das Quali-Ergebnis war dennoch offensichtlich. "Wir haben alles probiert, aber die Geschwindigkeit hat gefehlt", analysierte Hamilton, der zuvor mit seiner frühen Vertragsverlängerung um weitere zwei Jahre bis Ende 2023 überrascht hatte. "Ich bin stolz darauf, dass wir weitermachen. Aber es wartet viel Arbeit auf uns", sagte Hamilton.

Mercedes ist nach jahrelanger Überlegenheit derzeit in der Tat klar im Hintertreffen gegenüber Red Bull. "Wir waren nicht schnell genug, haben uns das aber zum Teil selbst zuzuschreiben", hatte Teamchef Toto Wolff rasch die Fehler in der zweiten Spielberg-Quali geortet. "Es ist alles ein bissl schlecht gelaufen für uns und wir sind sauer. Denn so weit hinten waren wir schon lange nicht mehr", sagte der Österreicher auf ServusTV. Dritter und Vierter wären Schadensbegrenzung gewesen. "Am Sonntag sollte es aber besser für uns ausschauen", hofft der Wiener.

Für WM-Spitzenreiter Verstappen war es hingegen die insgesamt siebente Pole seiner Karriere, die vierte heuer sowie die dritte in Serie. Vergangene Woche hatte Verstappen in der Steiermark einen souveränen Start-Ziel-Sieg gefeiert. Am Sonntag geht der Niederländer vor erneut zahlreichen Oranje-Fans auf seinen 15. GP-Erfolg los, es wäre sein fünfter in diesem Jahr beziehungsweise der dritte in Serie.

Der 23-Jährige wird im ersten Saisonrennen ohne Zuschauer-Beschränkungen von einem Riesenheer holländischer Fans angefeuert. "Bis auf mein letztes Outing ist alles gut gelaufen", erklärte Verstappen, warum er sich im Q3 nicht mehr zeitenmäßig verbessert hatte. "Damit war ich gar nicht zufrieden", ärgerte sich der Niederländer.

Punkte gebe es aber ohnehin erst am Sonntag. "Wir wollen möglichst viele Zähler für das Team machen. Die Fans sind unglaublich. Ich hoffe, ich kann ihnen ein gutes Rennen geben", Verstappen, der sich am Sonntag nach 2018 und 2019 sowie dem Triumph von vor einer Woche zum ersten viermaligen Österreich-Sieger machen kann. "Hoffentlich können wir das Wochenende perfekt abrunden."

Red-Bull-Berater Helmut Marko träumt angesichts der Startplätze eins und drei mit Außenseiter Norris dazwischen schon von einem Doppelsieg. "Der Abstand in der Quali war knapp, aber ausreichend. Im Rennen schaut das dann anders aus", gab sich der Österreicher äußerst zuversichtlich, dass der nächste Red-Bull-Erfolg gelingt. Denn Mercedes habe im zweiten Training falsche Hoffnungen geweckt. "Wir hatten da nicht die volle Leistung sowie Probleme mit dem weichen Reifen. Wir wussten immer, dass wir noch was in der Hinterhand haben", sagte Marko.

Von Norris, der zum ersten Mal seit Jahren einen McLaren in die erste Startreihe stellte, war auch Marko überrascht. Es macht ihm aber auch Sorgen. "Lando ist ein guter Starter. Ich hoffe, er kommt uns nicht in die Quere, denn im Rennspeed war McLaren noch nie auf Augenhöhe mit uns."

Jungspund Norris strahlte über das ganze Gesicht. Teamchef Andreas Seidl bezeichnete die Leistung des Briten als "sensationell". "Punkte gibt es aber erst am Sonntag, also ruhig bleiben", sagte der Deutsche. Seidl glaubt auch an einen erneuten Red-Bull-Triumph: "Wir werden insgesamt das gleiche Bild wie letztes Wochenende haben. Wir sind noch weit weg von Red Bull und Mercedes. Das Minimalziel für Lando ist Platz fünf."

Keinen konfliktfreien 34. Geburtstag hatte Sebastian Vettel. Der deutsche Aston-Martin Pilot wurde zwar Achter, stand im Q2 aber in der Schlusskurve Fernando Alonso im Weg, verpatzte dem Spanier damit den Aufstieg ins Q3 und wurde später von den Rennkommissaren um drei Starplätze strafversetzt. Vettel entschuldigte sich beim angefressenen Spanier. "Aber ich kann mich auch nicht in Luft auflösen."

Ob am Sonntag der viel zitierte Regen das zweite Österreich-Rennen beeinflusst, ist offen. Laut aktuellsten Wetterberichten ergibt sich genau für das Rennen ein knappes, trockenes Zeitfenster. "Wir sind auch auf nasser Piste souverän, brauchen nichts umzustellen", blieb Marko gelassen. "Wir werden die vielen holländischen Fans nicht enttäuschen." (apa)