Innerhalb von neun Monaten 23 Rennen, so lautete das Vorhaben des neuen Formel-1-CEO Stefano Domenicali bei der Bekanntgabe des vorläufigen Rennkalenders für 2021. Seitdem hat sich einiges getan. Portugal ersetzte China, statt Kanada wurde erneut der alternative Große Preis der Steiermark in Spielberg implementiert, und die Türkei springt für das Nachtrennen Singapur ein. Nun steht der Motorsport nach dem Corona-bedingten Rückzug Australiens vor einer neuen Hürde.

"Wir haben einige Optionen, um das Rennen zu ersetzen", sagte Domenicali nach der Bekanntgabe des Melbourne-Rückzugs. Mit Strecken wie etwa Mugello gibt es auch realistische Optionen. Dabei ging man bereits im vergangenen Jahr mit zahlreichen "Triple-Headern", also drei aufeinanderfolgenden Rennwochenenden, auf dem Zahnfleisch. Rennfahrer wollen nichts anderes tun, als rennzufahren. Die Formel 1 setzt sich allerdings aus deutlich mehr Personen als den Fahrern zusammen. Mechaniker, Funktionäre, Köche, sie alle sind regelmäßig gefordert, das jeweilige Team ausreichend zu versorgen und zu unterstützen. Da tun längere Pausen, die man mit der Familie oder für Hobbys nutzen kann, gut.

Die Welt befindet sich nach wie vor in einer globalen Pandemie. Impfstoffe verhelfen weltweit zwar zu sinkenden Infektionszahlen, einige Länder sind aber immer noch mittendrin. Die Formel 1 hatte dank ihres strengen Sicherheitskonzepts kaum positive Fälle. Mit Sergio Pérez, Lance Stroll und Lewis Hamilton waren nur drei von insgesamt 20 Fahrern offiziell infiziert - ein beachtlicher Wert in der damaligen Corona-Hochphase. Nach dem Wegfallen einiger Corona-Maßnahmen konnten beim jüngsten Rennen in Österreich auch Tausende Niederländer Max Verstappen frenetisch anfeuern.

Ersatzrennen mit sportlichem Einfluss

"Ich würde es langsam aufbauen, anstatt gleich wieder Vollgas zu geben", meinte der siebenmalige Weltmeister Hamilton über die Fanmassen in Spielberg. Dass er in zwei Wochen bei seinem Heimrennen in Silverstone ebenfalls vor seinem Publikum fahren könne, freue ihn zwar sehr, dennoch mache er sich auf der anderen Seite große Sorgen.

Inwiefern die Lösung der Formel 1, den Red-Bull-Ring als zweifachen Veranstalter von Rennen auszuwählen, fair war, kann ebenfalls angezweifelt werden. Schließlich liegen bestimmte Strecken anderen Teams mehr, im Fall von Österreich hat Red Bull in Person von Verstappen klar profitiert. Der WM-Führende konnte seinen Vorsprung in den zwei Rennen komfortabel ausbauen.

Die Realität scheint nun langsam, aber sicher auch die Königsklasse des Motorsports wieder einzuholen. Über einen entkräfteten Kalender würde sich vermutlich das ein oder andere Team freuen. Von weiteren drohenden Absagen ist vorerst nicht die Rede.

Australien, wo das Rennen am 21. November stattfinden hätte sollen, hat aber gezeigt, dass diese Verkündungen oft überraschend erfolgen können. Insofern wird sich die Formel 1 wohl vorsehen müssen, um ihren Traum vom umfangreichsten Rennkalender aller Zeiten doch noch verwirklichen zu können.