Ich bin nicht Michael Jordan!" Giannis Antetokounmpo hatte am Sonntagabend, kurz nachdem er seine Milwaukee Bucks in der laufenden Best-of-Seven-Finalserie der amerikanischen Basketball-Liga zum ersten Sieg über die Phoenix Suns geführt hatte, seine liebe Not, sich den Lobbekundungen seiner Fans und vor allem der Presse zu erwehren. Und dennoch waren die Vergleiche, die da zwischen ihm, dem Ausnahmespieler mit dem ungewöhnlichen (nigerianischen) Namen, und dem besten Basketballer aller Zeiten in den Medien und auf den Stammtischen gezogen wurden (und werden), nicht einmal so abwegig.

Immerhin ist der in Athen geborene Antetokounmpo bei dieser Serie drauf und dran, Jordans Rekord von 1993, als die Basketball-Legende der Chicago Bulls in den NBA-Finals gegen die Suns in vier aufeinanderfolgenden Spielen jeweils mehr als 40 Punkte erzielte, einzustellen, wenn nicht zu übertreffen. Nach 42 Zählern im zweiten Spiel der Finalserie legte Antetokounmpo am Sonntag mit 41 Punkten nach und führte die Milwaukee Bucks darüber hinaus mit einigen klugen Aktionen, 13 Rebounds und 6 Vorlagen zu einem 120:100-Sieg. Damit verkürzte er nicht nur im Gesamtscore auf 1:2, sondern hielt auch die Chance auf einen zweiten Meisterschaftssieg in der Geschichte der Bucks am Leben. Zum Titelgewinn brauchen die Bucks vier Siege und könnten in Spiel vier in der Nacht zu Donnerstag (3 Uhr MESZ/Dazn) vor heimischem Publikum als Gestgeber auf 2:2 ausgleichen.

Von der Gosse zur NBA

Gesetzt den Fall, dass Antetokounmpo wieder liefert. Nach den zwei Niederlagen zum Start in die Serie bei den Auswärtsspielen in Phoenix spielten die Bucks bei ihrem ersten Auftritt vor den eigenen Anhängern tatsächlich besser als zuletzt. "Wir wussten, was das für ein Spiel werden würde, dass wir so hart wie möglich kämpfen müssen, dass wir aggressiv sein müssen von Beginn an", sagte Antetokounmpo. "In Spiel vier müssen wir es wieder bringen. Es ist alles eine Kopfsache." Den Bucks half zudem, dass Suns-Star Devin Booker keinen allzu guten Abend erwischte und nur auf zehn Punkte kam. Bester Werfer war Chris Paul mit 19 Zählern. Bucks-Coach Mike Budenholzer weiß daher nur zu gut, was er an Antetokounmpo, der noch dazu 13 seiner 17 Freiwürfe traf, hat. "Wenn er bewusst von allem etwas macht, dann ist er am besten", lobte der Coach die Qualitäten seines Stars - allen voran beim Punkten, aber auch bei Blocks, Pässen und Rebounds. "Er macht, was auch immer nötig ist, um uns zu helfen.

Für Budenholzer, seine Spieler und die Fans ist klar, dass die Bedeutung des 26-Jährigen für die Milwaukee Bucks mindestens so groß ist wie die der Basketball-Legende in den 90ern für die Chicago Bulls. Ein Glück für die Bucks, dass der Grieche im vergangenen Dezember einen neuen Fünf-Jahresvertrag im Gegenwert von 228 Millionen US-Dollar unterschrieben hat. Und tatsächlich scheint der NBA-All-Star, der zuletzt zwei Mal zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt wurde, jeden einzelnen Cent wert zu sein. Auch freilich, was sein Gehalt, das aktuell auf 27,53 Millionen US-Dollar pro Jahr taxiert wird, betrifft. Das war angesichts der Tatsache, dass Antetokounmpo als Sohn ausgewanderter nigerianischer Eltern unter ärmlichen Verhältnissen in Athen aufwuchs, keineswegs vorgezeichnet gewesen. Umso mehr begeistert die Geschichte des Stars, der im Alter von zwölf Jahren auf der Straße entdeckt worden war, zunächst in griechischen und europäischen Klubs Karriere machte, um dann 2013 von den Bucks gedraftet zu werden, bis heute.

So gesehen hat Antetokounmpo mit Michael Jordan in dem Punkt etwas gemeinsam, als er sich wie der Chicago-Bulls-Superstar, der noch in der zehnten Klasse an der Aufnahme ins Basketballteam gescheitert war und erst dank eines Sportstipendiums weiterkam, den Weg nach oben selbst erkämpfen musste. Um unsterblich zu werden, fehlt allerdings noch etwas - jeweils mehr als 40 Punkte in den kommenden beiden Spielen zum Beispiel.(rel/apa)