Getüftelt wurde viel, die wirkliche Lösung wurde bis jetzt aber noch nicht gefunden. Daher hat das jetzige Format mit drei Qualifying-Abschnitten (Q1/Q2/Q3), in dem pro Segment fünf Fahrer ausscheiden, bis sich die besten zehn im finalen Q3 die besten Startplätze ausmachen, bereits seit 2006 Bestand. Der deutsche Vierfachweltmeister Sebastian Vettel ist dagegen ein Freund des alten Modus, wo alle Fahrer auf einmal eine Stunde am Stück um die ersten Startreihen kämpften.

Den bisher letzten Versuch einer Qualifying-Revolution wagte die Königsklasse des Motorsports 2016 mit einem Eliminierungsverfahren, in dem der letztplatzierte Pilot am Ende des jeweiligen Qualifying-Segments alle 1:30 Minuten vorzeitig die Segel streichen musste. Dieses Projekt hielt ganze zwei Rennwochenenden, ehe man wieder zum klassischen Format zurückkehrte. An diesem wurde seither auch nicht mehr gerüttelt oder ernsthaft diskutiert. Bis zum Beginn dieser Saison, als sich die Verantwortlichen auf das neue Konzept Sprintrennen einigten.

Wirklich neu ist dieser Begriff im Rennzirkus aber keinem. In der Nachwuchsserie Formel 2 setzt man bereits seit Jahren auf Sprintrennen. Das Ergebnis des ersten Rennens, das wie gehabt nach dem Qualifying in einigen Runden ermittelt wird, dreht sich vor dem kürzeren Sprintrennen um. Die Fahrer starten also in gestürzter Reihenfolge. Das sieht folgendermaßen aus: Der Sieger des Hauptrennens nimmt den Sprint von Platz zehn in Angriff, während der Zehntplatzierte des ersten Rennens von der Pole Position startet. Dieses Format soll für mehr Ausgeglichenheit sorgen und die Überholfähigkeit der kommenden Talente fördern. Dadurch finden in der Formel 2 fast an jedem Rennwochenende spektakuläre Aufholjagden statt, und es gibt zahlreiche Rad-an-Rad-Duelle zu sehen. Genau daran nimmt sich die Formel 1 nun ein Vorbild.

Ziel ist die "Intensivierung"

Das Wort "Spektakel" ist in diesem Fall der große Aufhänger. Neben dem ursprünglichen Programm bestehend aus Qualifying und Rennen kommt mit dem Sprintrennen ein weiteres Highlight hinzu. Statt drei freien Trainings gibt es vor dem Zeittraining am Freitag nur eines, bevor sich die Fahrer traditionell die Startplätze untereinander ausfahren. In dieser Reihenfolge starten die Piloten schließlich in das Sprintrennen am Samstag, nachdem davor noch ein Training stattfindet. Dieses beinhaltet ein Drittel der Distanz eines normalen Grand Prixs. Gleichzeitig dient das Sprintrennen auch als Weichenstellung für das offizielle Rennen am Sonntag, in dem die Fahrer ihre Endplatzierungen aus dem Sprint auf der Startaufstellung einnehmen.

Das zusätzliche Event beeinflusst die Fahrer-WM minimal: Die ersten Drei bekommen Punkte im Schema 3-2-1. Hauptsächlich soll das Format den Showfaktor erhöhen und die, auch für die Fahrer, oft faden freien Trainingseinheiten teilweise ersetzen. Weiters erwähnenswert ist, dass die Top-10-Fahrer am Rennsonntag ebenfalls freie Reifenwahl haben, nachdem das bisher immer nur für die Piloten außerhalb der ersten Zehn galt. Für Formel-1-Sportchef Ross Brawn soll der neue Revolutionsversuch zur "Intensivierung des Wettbewerbs" dienen. Zwei Rennen an einem Wochenende verleihen dem Sport mehr Aktion und somit mehr Attraktivität. Die Zukunft des Formats ließ Brawn offen. "Wir probieren das in diesem Jahr jetzt dreimal aus. Die anderen beiden GPs stehen noch nicht fest. Wenn es nicht funktioniert, war es ein netter Versuch, dann verwerfen wir die Idee. Davon gehe ich aber nicht aus. Ich glaube, dass es gut funktionieren wird", sagt Brawn über die Zukunft des Formats.