Zwei Tage vor Grand-Prix-Start in Silverstone drehte sich alles nach wie vor um zwei Fragen: Wie wird das mit dem neuen Sprint-Format funktionieren? Und wird Lokalmatador Lewis Hamilton diesmal seinen großen Widersacher Max Verstappen in die Schranken, besser in die Kurven weisen können? Was den Sprint betrifft (nach Redaktionsschluss), so meldete sich am Freitag Sebastian Vettel kritisch zu Wort. Er halte es für nicht in Ordnung, sagte er, dass der Gewinner des Formel-1-Sprints die Pole Position bekommt, zumal es sich nach seinem Dafürhalten um eine "neue Disziplin" handle.

Zur Erinnerung: Die Formel 1 experimentiert in Silverstone mit einem neuen Sprint-Format. Dafür wurde das übliche Qualifying mit den drei K.o.-Runden auf Freitagabend vorgezogen und für den Samstag ein Sprint über 100 Kilometer eingeführt, der wiederum die Startaufstellung für das Rennen am Sonntag (16 Uhr/MESZ) ermittelt. Für Vettel ist die Sache klar: "Ich denke, das ist falsch", befand der Pilot von Aston Martin. Geht es nach ihm, sollte die Pole Position weiterhin an jenen Fahrer gehen, der in der Qualifikation die schnellste Runde fährt. Aber: "Wenn es eine einmalige Sache ist, so richtet es nicht zu viel Schaden an", meinte er.

Ob es bei einer einmaligen Sache bleibt, ist freilich fraglich. Die Formel 1 will heuer noch an weiteren zwei Grand-Prix-Wochenenden das neue Format testen. Insgesamt begrüßt Vettel das Experiment. "Etwas Neues kann immer aufregend sein." Auch, dass nur noch zwei einstündige Trainings bleiben, findet er positiv. "Am Ende mag ich es, weil man weniger in der Garage abhängt und mehr auf der Strecke ist", sagte Vettel.

Ganz andere Sorgen hat indessen Hamilton - und die Hauptsorge heißt Verstappen. Die drei vergangenen Grand Prix hat der Niederländer gewonnen, was ihm in Silverstone unter anderem Kritik von Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der meinte, Hamilton sei nicht mehr ganz der Kämpfer von früher, eingebracht hat. Und der Brite gab dem 90-Jährigen Recht. "Ich bin definitiv nicht mehr der Fahrer, der ich war, als ich angefangen habe", sagte Hamilton, ergänzte aber dennoch mit Gelassenheit: "Ich bin besser und kenne mich viel besser als früher."

Für Verstappen könnte es hingegen nicht besser laufen. "Natürlich waren wir mit den letzten Rennen sehr zufrieden, aber wir schauen immer auf die Dinge, die wir besser machen können", sagte Verstappen, der aber auch weiß, dass Silverstone seit Jahren Formel-1-Hoheitsgebiet von Mercedes ist. Allerdings haben die neuen Aerodynamikregeln die Silberpfeile, die im Gegensatz zur Konkurrenz mit einer tieferen Anstellung des Hecks fahren, zurückgeworfen. Nachbesserungen sollen Hamilton wieder ganz nach vorne bringen. "Es gibt eine Menge Änderungen am Auto, aber es ist kein massives Update, was die Lücke betrifft, die wir in den Rennen gesehen haben. Aber es hilft uns definitiv, diese Lücke schnell zu schließen", meinte Hamilton.

Um den angestrebten Sieg daheim zu realisieren, zählt Hamilton vor allem auf die Zehntausenden Fans. "Ich bete, dass das der Fall ist."