Als die letzten Sekunden auf der Uhr verstrichen, war Milwaukee-Superstar Giannis Antetokounmpo noch voll fokussiert. Zu knapp war der Spielstand, um sich schon vorzeitig über den gewonnenen Titel in der Eliteliga des Basketballs zu freuen. Selbst als die Schlusssirene erklang und der Triumph fix war, streckte der MVP lediglich seine langen Arme in die Höhe und trabte zielgerichtet am Seitenrand des Spielfelds dahin. Während das Konfetti vom Dach fiel, suchte der Matchwinner seine Familie und Freundin und umarmte sie herzlich. Erst dann gab es auch bei Antetokounmpo kein Halten mehr. Ekstatisch und ausgelassen feierte der überragende Mann der Saison den 4:2-Sieg in der "Best of Seven"-Finalserie.

Davor entschied der 26-jährige das letzte Spiel gegen die Phoenic Suns (105:98) quasi im Alleingang. Antetokounmpo gelangen 50 Punkte, 14 Rebounds und zwei weitere Vorlagen, womit er beim Endstand von 105:98 an mehr als der Hälfte der Zähler direkt beteiligt war. Seine 50 erzielten Punktwürfe hat er sich genau für den ersten Titel der Bucks seit 50 Jahren aufbehalten. Dabei hatte es zu Beginn danach ausgesehen, als wäre der Gastgeber dem Druck nicht gewachsen. Nach souveränem Beginn bäumten sich die Suns vor der Halbzeitpause auf und lagen mit fünf Punkten vorne. Wie eng es das ganze Spiel zuging, bewies spätestens der 77:77-Zwischenstand nach dem dritten Viertel. Erst dann konnte sich Milwaukee entscheidend absetzen und gab den knappen Vorsprung nicht mehr aus der Hand. Antetekounmpo stieg mit dem Triumph in die großen Fußstapfen der Basketball-Legende Karim Abdul-Jabbar, der den Bucks 1971 den ersten und bis vor dem Finalspiel letzten Titel bescherte. Die Stars von Verlierer Phoenix, Routinier Chris Paul (mit 26 Punkten bester Werfer der Sun) und Jungstar Devin Booker, verschwanden gleich nach Spielende enttäuscht in der Kabine. Booker bekommt beim olympischen Basketballturnier eine weitere Chance, seinen Sommer doch noch zu vergolden.

Mit dem Glanz von früher

Im dritten Anlauf gelang es der Mannschaft aus Wisconsin nun, die titellose Zeit zu beenden. Nachdem man in den vergangenen beiden Spielzeiten bereits weit gekommen war (vor zwei Jahren Eastern-Conference-Finalniederlage gegen den späteren Champion Toronto Raptors, vergangenes Jahr kam das Aus im Halbfinale gegen den späteren Finalisten Miami Heat), war der Atem diesmal lang genug. Dabei hatten die Bucks in einer Saison ohne klaren Favoriten mit einem Sieganteil von 63,9 Prozent nicht die überzeugendste Hauptrunde gespielt. Doch da stärker eingeschätzte Teams wie die zwei Klubs aus Los Angeles (Clippers und Titelverteidiger Lakers) oder die im Play-off topgesetzten Philadelphia 76ers und Utah Jazz strauchelten und die Bucks vom überragenden Antetekounmpo, der sowohl im Grunddurchgang als auch in den Play-off- und Finalspielen zum wertvollsten Spieler gewählt wurde, angetrieben waren, marschierte man aber geradezu in die finale Runde. Dort trotzten die Bucks den leicht favorisierten Suns und ließen wenige Zweifel aufkommen.

Seit 1971 hatte Milwaukee zuvor nur noch einmal die NBA-Finals erreicht. Dazwischen qualifizierten sie sich öfter nicht für die Play-offs als schon oder flogen mit wenigen Ausnahmen in der ersten Runde raus. Doch seit 2018, als Cheftrainer Mike Budenholzer anheuerte und Antetekounmpos Stern endgültig aufging, gehören die Bucks wieder zu den stärksten NBA-Teams. Nun stehen sie wieder an der Spitze, und es wird schwierig werden, sie in den nächsten Jahren von dort zu verdrängen.