Nach fünfwöchiger Pause geht der Kampf um die Krone in der Königsklasse weiter: Die MotoGP gastiert an den nächsten beiden Wochenenden in der Steiermark für das Spielberg-Doppel. Dieses Jahr sind auch wieder Zuschauer erlaubt - unter anderem auch zugunsten von KTM, das seine zwei Heimrennen sowie einen Heimsieg letztes Jahr ohne Fans fahren sowie feiern musste. Derzeit liegt KTM auf Platz drei in der Hersteller- und Platz vier in der Teamwertung; den Saisonauftakt hatte sich das Team ganz anders vorgestellt.

"Wir haben einen sehr harten Saisonauftakt gehabt", erklärt Pit Beirer, KTM-Sportdirektor. Die Leistung konnte nicht wie gewünscht abgerufen werden, und der Lieblingsvorderreifen wurde vom Hersteller für diese Saison verändert. "Wir hoffen natürlich, dass wir an die jüngsten Vorstellungen und ans Vorjahr anknüpfen können", so Michael "Mike" Leitner, Teamchef von KTM. "Wir müssen aber den Ball flach halten und auf der Hut sein, denn wir wissen nicht, was die anderen nach der Pause so bringen", warnt er. "In der MotoGP machen mittlerweile sehr kleine Unterschiede sehr viel aus. Zwei Zehntel sind wie Tag und Nacht."

Für KTM war die Saison bisher eine "Achterbahnfahrt", wie Beirer es gegenüber der "Wiener Zeitung" bezeichnet. Kurz vor der Sommerpause konnte das Werksteam jedoch wieder eine bessere Leistung vorweisen, schließlich begann die Aufholjagd des Portugiesen Miguel Oliveira kurz vor der Sommerpause: Er fuhr mit einer 2-1-2-Serie und einem fünften Platz in Assen vom 20. Platz auf den siebten Platz in der Gesamtwertung. "Das hat gezeigt, du kannst dich auf nichts ausruhen in der Klasse. Du musst permanent neue Kleinigkeiten liefern", so Beirer.

Miguel Oliveira gilt es derzeit nicht zu unterschätzen, da er doch in der Gesamtwertung einige Plätze aufgeholt hat. Der MotoGP-Fahrer feierte im vergangenen Jahr seinen ersten Sieg in der Königsklasse in Spielberg. Demnach sind seine Erinnerungen an den Red-Bull-Ring "gut, aber nicht perfekt". Es gibt Dinge, die er verbessern möchte. Gegenüber der "Wiener Zeitung" zählt er diese genauer auf: "Qualifying-Position, Rundenzeit und Kontinuität." Die Sommerpause hat er genutzt, um fitter zu werden und sich auf sich selbst zu fokussieren: "Ich bin wieder hungrig, ein MotoGP-Bike zu fahren." Ob er glaubt, in Spielberg wieder siegen zu können? "Ja, zwei Mal", scherzt der Portugiese. "Wir müssen uns darauf fokussieren, was wir wissen und uns bewusst sein, dass unsere Konkurrenten auch sehr stark sind. Also müssen wir sehr gut analysieren." Sein Ziel ist auf jeden Fall, näher an die Top Fünf in der Weltmeisterschaft zu rücken.

Sein Teamkollege Brad Binder hat ebenso ein klares Ziel: wieder siegen. Seit seinem ersten Sieg in der Königsklasse 2020 in Brünn hat er keinen Stockerlplatz mehr erzielt. Bisher war sein bestes Ergebnis der vierte Platz am Sachsenring, ansonsten war Binder mal mehr oder weniger weit vom Stockerl entfernt. "Ich habe das Gefühl, ich habe ein starkes Package. Unser Motor ist wirklich schnell, die Strecke bietet sich an und unser Bike bremst sehr gut", sagt der gebürtige Südafrikaner.

Schnell ist sein Motorrad offensichtlich, schließlich teilt sich Binder seit Mugello den Topspeed-Rekord in der MotoGP von 362,4 km/h mit Johann Zarco. Dies ist schneller als ein Passagierflugzeug beim Abheben. Seine Erwartungen sind, in der zweiten Saisonhälfte besser zu sein und in Spielberg um einen Platz am Stockerl mitkämpfen zu können. "Es ist eine tolle Möglichkeit zu zeigen, welche Verbesserungen wir gemacht haben. Wir sind bereit dafür."

Rückkehr von Pedrosa

Bereit sind ebenso viele für die Rückkehr Dani Pedrosas, was mitunter für eine sehr große Überraschung gesorgt hat. Der Testfahrer für KTM wird dieses Wochenende per Wildcard mit dem Bike für 2022 am Rennen teilnehmen. Im Jahr 2018 hat der Spanier und 54-fache Grand-Prix-Sieger seine Karriere beendet und - auch bei der Vertragsunterzeichnung 2019 bei KTM - eigentlich verdeutlicht, dass er keine Rennen in Zukunft mehr fahren würde. Nun kehrt der Spanier doch zurück an die Strecke - dieses Mal jedoch ganz ohne Druck.

Ob KTM bei Ducati und Yamaha mit WM-Leader Fabio Quartararo mitmischen kann, zeigen die kommenden Wochenenden.