Als bekannt wurde, dass Valentino Rossi eine eigene Pressekonferenz, in welcher es um seine Zukunftspläne gehen soll, einberufen hat, ahnten es bereits viele. Am Donnerstag gab "The Doctor" in Spielberg (Grand-Prix: Sonntag, 14 Uhr) bekannt, dass diese Saison seine Letzte als aktiver MotoGP-Fahrer ist: "Ich habe gesagt, dass ich nach der Sommerpause eine Entscheidung für nächstes Jahr treffen werde, und ich habe beschlossen, am Ende der Saison aufzuhören." Den Ort für diese Bekanntgabe konnte er nicht besser wählen, schließlich feierte Rossi seinen ersten Stockerlplatz in der 125-ccm-Klasse in der Steiermark. Nach 25 Jahren Renngeschichte ist der Abschied von der MotoGP-Legende besiegelt.

Alles begann im Jahre 1996

Vor 25 Jahren, im Jahre 1996, ging der 17-jährige Valentino Rossi mit der Startnummer 46 in Sepang, Malaysia an den Start. Doch warum ausgerechnet die 46? Mit dieser Nummer bestritt bereits sein Vater, Graziano Rossi, Rennen. Der junge Valentino Rossi wurde bald ein Konkurrent, den es nicht zu unterschätzen galt. Bereits in seinem ersten Rennen fuhr er als Sechster über die Ziellinie, eine Reihe beeindruckender Rennen folgte; alle Augen richteten sich auf den jungen Italiener. Seinen ersten Weltmeistertitel feierte er 1997 in der 125-ccm-Klasse mit elf von 15 möglichen Siegen. Im Jahr darauf schrammte er nur knapp am Gesamtsieg in der 250-ccm-Klasse vorbei. 1999 gelang es ihm schließlich doch. Darauf folgte der Sprung in die 500-ccm-Klasse: Fünf Weltmeistertitel gewann "The Doctor" hintereinander von 2001 bis 2005; die letzten vier davon bereits in der MotoGP. Zwei Gesamtsiege sollten noch in den Jahren 2008 und 2009 folgen. Die neun Weltmeistertitel waren somit besiegelt.

Mit 115 Siegen ist Rossi - hinter Giacomo Agostini - der zweiterfolgreichste Fahrer in der Geschichte der Königsklasse. Der Italiener hat Außergewöhnliches vollbracht und das nicht nur auf der Rennstrecke. Auch abseits von dieser ist sein Name ein Begriff - obwohl es in den vergangenen Jahren nicht mehr so gut für "Il dottore" lief. Die 46 kann weltweit entdeckt werden - egal, ob als Sticker auf einem Auto, als Print auf einem T-Shirt oder sonst irgendwo. Rossi hat diesen Motorsport geprägt. Mit seinem VR46-Projekt mit Ducati geht er nun nächstes Jahr auch in der MotoGP an den Start und bleibt der MotoGP mehr oder weniger erhalten. "Ich habe ein offizielles Angebot von meinem eigenen Team", scherzte Rossi noch nach der Pressekonferenz. Ein Markenwechsel sei ihm jedoch zu riskant. 2022 wird er somit Teamchef und er möchte in Zukunft mehr Autorennen fahren.

Abschied und Rückkehr

Noch zwei Mal wird der 42-Jährige in Spielberg seine letzten Runden drehen. Im Laufe seiner Karriere kamen und gingen viele Talente, wie Nicky Hayden, Marco Simoncelli oder Casey Stoner. Unter anderem fuhr Rossi auch gegen Dani Pedrosa, der dieses Wochenende in die MotoGP zurückkehrt - zwar vorerst nur für dieses Rennen, aber doch.

Dani Pedrosa verkündete 2018 das Ende seiner Karriere. - © afp / Jose Jordan
Dani Pedrosa verkündete 2018 das Ende seiner Karriere. - © afp / Jose Jordan

Dani Pedrosa, der dank Wildcard am Sonntag für KTM an den Start gehen wird, verabschiedete sich im Jahre 2018 von der MotoGP. Für ihn stand fest, er wolle keine Rennen mehr fahren. Nun ist der 54-fache Grand-Prix-Sieger doch zurück im Fahrerlager.

Bei der Pressekonferenz von Donnerstag fühlte er mit seinem ehemaligen Kollegen Rossi mit: "Es ist ein trauriger Tag, aber es ist etwas, das man nicht aufhalten kann. Früher oder später wird es jeden treffen." Sein Comeback ist für ihn selbst "ein seltsames Gefühl", schließlich haben sich einige Dinge in der MotoGP seit seinem Rücktritt verändert.

Pedrosa hat seit 2019 als Testfahrer von KTM maßgeblich am Erfolg der RC-16 beigetragen und sie auch zu einem Siegermotorrad gemacht. Den Grund seines Renneinsatzes hat er ebenso bei der Pressekonferenz erklärt: Bei den Tests können bestimmte Situationen, wie Überholmanöver, nicht richtig nachgeahmt werden und folglich auch nichts an den Schwierigkeiten verbessert werden. "Jetzt kann ich mich mehr oder weniger ihren Problemen stellen", erklärte Pedrosa. Welche Veränderungen dies am Motorrad von KTM bringen könnte, wird spannend.