Was war das doch nicht für ein Auftakt für die MotoGP nach der Sommerpause in Spielberg: Brennende Motorräder, Restart, wechselnde Wetterverhältnisse, Abschiedsverkündungen sowie Comebacks und ein Überraschungssieger in der Königsklasse. Dieses Wochenende hatte es durchaus in sich.

Bereits am Samstag outete sich Jorge Martin als nicht zu unterschätzender Rookie in der MotoGP. Der 23-Jährige raste im Qualifying zur zweiten Pole-Position in dieser Saison, und das auch noch mit einem neuen Streckenrekord. 1:22,994 Minuten - so lange dauerte Martins schnellste Runde am Red-Bull-Ring. Damit stellte er den Rekord von Marc Marquez aus dem Jahre 2019 ein und ist nun auch der einzige Fahrer mit einer Rundenzeit von unter 1:23 Minuten in Spielberg. Martin galt daraufhin mit seiner Ducati als klarer Favorit.

Siegreiches sechstes Rennen

Die Erwartungen bestätigten sich schließlich auch am Sonntag: Martin bewies nach einem Neustart starke Nerven, startete von seiner Pole-Position besser als zuvor und feierte an jenem Tag seinen ersten Sieg in der MotoGP. Zweiter wurde Noch-Weltmeister Joan Mir, hinter ihm fuhr WM-Leader Fabio Quartararo über die Ziellinie.

Dieser Sieg ist für Martin ein besonderer, schließlich stürzte er noch vor dreieinhalb Monaten in Portugal so schwer, dass er wegen acht gebrochener Knochen sowohl an den Armen als auch an den Beinen operiert werden musste. Dieser Sturz, bei dem "Martinator" mitunter auch Kräfte von über 26 G einstecken musste, war einer der längsten und schlimmsten Stürze in der jüngsten Vergangenheit der MotoGP. "Wahnsinn. Ich kann es nicht glauben", sagte der Spanier nach seinem ersten Sieg bei seinem sechsten Rennen in der Königsklasse. Sein Erfolg war zugleich auch der sechste Sieg in sieben Rennen für Ducati in Spielberg. Künftig könnte Jorge Martin den WM-Titel jagen. Dieser Sieg sei für ihn schließlich ein weiterer großer Schritt auf dem Weg zu seinem großen Ziel, Weltmeister zu werden, gewesen. In Zukunft sollte der Rookie von seinen Konkurrenten wohl nicht unterschätzt werden. Denn nun weiß der Pramac-Ducati-Fahrer, wie süß ein Sieg in der MotoGP ist: "Beim nächsten Mal will ich gleich wieder um den Sieg mitfahren."

Neustart wegen brennender Motorräder

Auch dieses Jahr blieb das Rennen nun bereits zum dritten Mal von einem Neustart nicht verschont. Grund war ein Sturz in der vieldiskutierten Kurve drei von Dani Pedrosa, welcher als Testfahrer für KTM dank Wildcard an den Start ging. Lorenzo Savadori prallte daraufhin gegen die RC-16 und schlitzte dabei den Tank dieser auf. Beide Motorräder fingen Feuer aufgrund des ausgetretenen Benzins. Die Fahrer blieben weitgehend unversehrt, nach einer halben Stunde konnte das um eine Runde verkürzte Rennen - unter anderem auch wieder mit Pedrosa - neu gestartet werden.

Jedoch erinnert der Sturz an vergangenes Jahr, als Valentino Rossi und Maverick Vinales unkontrolliert durch die Luft fliegenden Motorrädern in jener Kurve ausweichen mussten. Grundsätzlich wurde diese Kurve sowie die Kurven eins und zehn im Vorjahr adaptiert. Nichtsdestotrotz ist die Forderung seitens der MotoGP-Fahrer nach einer Entschärfung jener Kurve, beispielsweise mittels einer Schikane, nach wie vor da. Eine Schikane könnte jedoch bedeuten, dass Spielberg möglicherweise nicht mehr die schnellste MotoGP-Strecke der Welt ist. Mit einem Rundenschnitt von 187,3 km/h ging dieser Titel nämlich an den Red-Bull-Ring. Die Frage ist nur, ob es das wirklich wert ist ...

Aus der Sicht von KTM war dieses Wochenende eine Achterbahnfahrt. Nachdem sich Miguel Oliveira am Freitag bei einem Highsider in Kurve drei eine Handverletzung zugezogen hatte, musste er das Rennen am Sonntag aufgrund der starken Schmerzen abbrechen. Dani Pedrosas RC-16 ging in Flammen auf. Nach dem Neustart ging er letztlich als Zehnter über die Ziellinie. Und Brad Binder? Der Südafrikaner legte eine spektakuläre Aufholjagd hin. Er startete von Platz 16 und kämpfte sich vor bis zum vierten Platz. In der letzten Runde überholte er schließlich noch sowohl Johann Zarco als auch Takaaki Nakagami. Somit beendete der KTM-Fahrer das Rennen als Vierter und folglich auch als bester Fahrer von KTM. Positive Nachrichten gibt es auch von Oliveira: Seine Hand könnte möglicherweise wieder bis nächsten Sonntag fit sein.

Einen Lichtblick aus österreichischer Sicht gab es in der Moto3. Maximilian Kofler erreichte erstmals ein Top-Ten-Ergebnis, und das auch noch als erster Österreicher seit Michael Ranseder in China im Jahre 2008. Zuvor hatte der 20-jährige Oberösterreicher eine zweimonatige Verletzungspause einlegen müssen, da er sich in Mugello an den Rückenwirbeln schwer verletzt hatte. Bei seinem Comeback-Rennen konnte er sich nun durchsetzen, da einige Fahrer auf die falschen Reifen, nämlich Slicks, welche für trockene Bedingungen gedacht sind, gesetzt hatten. Insgesamt kämpfte sich Kofler von seiner Startposition, Platz 22, nach vorne auf den neunten Platz. "Ich bin megahappy aber auch sehr fertig. Es war körperlich und mental ein sehr anstrengendes Rennen", so Maximilian Kofler.

 


Am kommenden Sonntag geht es in Spielberg in die zweite Runde. Dies bedeutet unter anderem auch, dass KTM noch eine Chance hat, sich vor Heimpublikum zu beweisen und dass Valentino Rossi sein letztes Rennen am Red-Bull-Ring als MotoGP-Fahrer bestreitet. Bereits am vergangenen Wochenende pilgerten 26.210 Fans nach Spielberg; insgesamt waren es an jenem Wochenende 45.060 Menschen. Für das nächste Wochenende werden nun mehr Zuschauer erwartet.