Die Beachvolleyballer sind zurück: Vom 11. bis 15. August feiern sie ihr Comeback im Herzen Wiens. Am Heumarkt gastiert heuer die Beachvolleyball-Europameisterschaft in Wien und somit nun zum dritten Mal in Österreich. Im vergangenen Jahr konnten Corona-bedingt keine Spiele stattfinden, umso hungriger sind die Beachvolleyballer auf ein Comeback mit Zuschauern.

Im dritten Bezirk wurde am Areal des Eislaufvereins ein mobiles Stadion aufgebaut, welches Platz für bis zu 2.700 Zuschauer bietet. Es ist ein Stadion, das beeindruckt und einige Minuten fordert, um die Sinneseindrücke zu verarbeiten. Bereits am Dienstag fand vor Ort mitten am Spielfeld eine Pressekonferenz statt. Urlaubsfeeling kam dank Klappstühlen auf, der Sand unterstrich dieses Gefühl noch einmal. Menschen huschten hin und her; die letzten Arbeiten wurden noch kurz vor 10 Uhr verrichtet. Doch der Center Court ist nicht der einzige Austragungsort der Europameisterschaft: In altbewährter Tradition wird auch auf der Donauinsel gespielt; dort befinden sich drei weitere Side Courts.

Besonders ist heuer nicht nur die neue Location, sondern erstmals gibt es auch Night Sessions. Dank Fluchtlichtern können auch noch in der Nacht Spiele ausgetragen werden. Insgesamt treten 64 Teams bei diesem sportlichen Highlight in Wien an. 32 Frauenteams und 32 Männerteams kämpfen um den Sieg in insgesamt 112 Spielen. So sagte Sportstadtrat Peter Hacker am Dienstag: "Es ist einfach geil; es ist wunderbar." Darüber schmunzelten zwar die Anwesenden, jedoch hat er damit gar nicht so unrecht. Für viele ist es das erste große Event, das sie seit der Pandemie besuchen. Man stelle sich nur die gefüllten Ränge vor, jubelnde Zuschauer und eine Spannung, die förmlich in der Luft liegt - wunderbar könnte dies durchaus klingen.

Abschied für und von Doppler/Horst

Für Clemens Doppler und Alexander Horst ist die EM ihr Abschiedsturnier. Insgesamt spielte das Duo ein Jahrzehnt bei 96 internationalen Turnieren Seite an Seite. Nach ihrem letzten internationalen Turnier werden sich ihre Wege nun jedoch trennen. Doppler wolle künftig mehr für seine Familie da sein, da diese in den letzten Jahren auf Nummer zwei und somit hinter die Profikarriere gerutscht sei. Er lässt jedoch offen, ob er weiterspielen wird oder nicht - der Fokus liegt derzeit auf der Europameisterschaft. "Wir werden versuchen, ein cooles Turnier zu spielen und das Ganze zu genießen und nicht zu sehr an das Danach zu denken. Jetzt freuen wir uns einfach darauf, endlich wieder vor vollem Haus spielen zu können", meinte ebenfalls der 38-jährige Horst. Auch er hat sich noch nicht entschieden, wie seine Zukunft im kommenden Jahr aussehen wird.

Doppler/Horst haben den österreichischen Beachvolleyball geprägt wie wenige andere Teams vor ihnen. Das Highlight ihrer Karriere war wohl der Vizeweltmeistertitel 2017, welchen sie vor Heimpublikum feiern konnten. Insgesamt gewannen die beiden 13 internationale Medaillen und nahmen an den Olympischen Spielen in London 2012 und Rio 2016 teil.

Die Auslosung meinte es heuer jedoch nicht sonderlich gut mit den Österreichern: Sie spielen am Donnerstag gegen die Tschechen Ondrej Perusic und David Schweiner. Danach treffen Doppler Horst auf die Olympiavierten Martins Plavins und Edgars Tocs oder die Schweizer Marco Krattiger und Florian Breer. "Wir haben eine sehr schwere Gruppe erwischt, das Ziel ist der Aufstieg, dann werden die Karten neu gemischt", meinte Doppler. Nichtsdestotrotz könnte heuer das Heimpublikum wie im Jahre 2017 möglicherweise doch für einen Stockerlplatz sorgen: "Wir sind meistens vor Heimpublikum noch um ein paar Prozent besser", so Doppler.

Aus Sicht der österreichischen Frauen bilden Katharina Schützenhöfer und Lena Maria Plesiutschnig das Top-Duo. Die Vorfreude sei riesig, meinten sie. Plesiutschnig kann die Spiele vor Heimpublikum kaum erwarten: "Wir freuen uns extrem auf jede Minute am Court, auf die Fans." Sie haben mit den Tschechinnen Michala Kvapilova und Martina Willams am Mittwoch eine machbare Auftaktaufgabe.

Ermacoras Antritt ist nach wie vor unklar

Für Moritz Pristauz ist noch unklar, ob er mit seinem Partner Martin Ermacora starten wird. Ermacora erlitt in Folge eines Autounfalls eine Gehirnerschütterung und das Peitschenschlagsyndrom. "Es ist ein bisschen ein Wettlauf mit der Zeit. Wir hoffen, dass es sich ausgeht. Wir warten bis Mittwoch, wie wir entscheiden", erklärte Pristauz, der zusammen mit Ermacora 2019 in Moskau Bronze bei der EM holen konnte. Einen ersten, jedoch nicht so erfolgreichen, Trainingsversuch gab es bereits. Je nachdem, ob es Ermacoras Gesundheitszustand zulässt, spielt das Duo gemeinsam bei der EM oder kommt Ersatzmann Moritz Kindl zum Zug.

Auf dem Spielfeld werden auch die frischgebackenen Olympiasieger aus Norwegen zu sehen sein. Anders Mol und Christian Sörum gelten als Topfavoriten - nicht nur aufgrund ihres Olympiasieges. Seit 2017 ist das Duo ungeschlagen und ohne Satzverlust. "Wir lieben es, hier zu spielen, das ist ein sehr spezielles Turnier für uns. Wir wollen unseren vierten Titel in Serie holen, vor Fans, in dieser Arena, wir sind wirklich sehr aufgeregt", meinte Mol, während seine goldene Olympiamedaille in der Sonne noch mehr zu glänzen schien als der Pokal neben ihm. Nachdem sie ihren Olympiasieg in Tokio ohne Publikum feiern mussten, können sich die beiden bei der EM auf (nahezu) volle Ränge freuen.