"Don’t stop believin‘", singt die Menge lauthals im Stadion am Mittwochabend im von Fluchtlichtern erleuchteten Stadion mit, um ihre heimischen Beachvolleyballerinnen anzufeuern. Bei erzielten Punkten seitens der Österreicherinnen bebten die Tribünen förmlich - zumindest ganz oben auf der dritten Ebene in schwindelerregender Höhe. Dies nutzt den heimischen Frauen aber nicht viel: Fehler unterliefen ihnen - auch Katharina Schützenhöfer und Lena Plesiutschnig, welche damit knapp den direkten Aufstieg ins Achtelfinale verpassten.

Donnerstagvormittag ist dies bereits wieder Geschichte, liegt der Fokus doch nun auf den Auftaktspielen der Männer. Die Menschenschlange vor dem Stadion ist verschwunden; die Ränge sind jedoch gut gefüllt.

Auftaktspiele für die Männer

Der Donnerstag stand am Heumarkt beinahe nur im Zeichen der Männer. Unter anderem fand jedoch auch das Zwischenspiel von Schützenhöfer und Plesiutschnig statt, welches die beiden mit einem fulminanten 2:0 gegen die Griechinnen Panagiota Karagkouni und Vasiliki Arvaniti für sich entscheiden konnten; das Achtelfinale wartet nun auf sie.

Stündlich spielten die österreichischen Männer ab 9.45 Uhr. Den Auftakt machten Christoph Dressler und Alexander Huber, die gegen die Niederländer Stefan Boermans und Yorick de Groot spielten und mit knappen Sätzen letztlich mit 0:2 verloren.

Eine Stunde später gelang Robin Seidl und Philipp Waller der erste österreichische Sieg des Tages gegen Adrian Heidrich und Quentin Metral aus der Schweiz mit einem 2:1. Damit heizten sie die Stimmung ordentlich für die nächsten Spieler an. Apropos anheizen: Das Spielfeld bot wenig Schatten für die Beachvolleyballer. Nach und nach verzog sich dieser ganz und in der prallen Sonne stand den Spielern der Schweiß wortwörtlich ins Gesicht geschrieben. Für die Zuschauer gibt es zur Abkühlung - typisch Wien - Wasserdampfnebel, der von Zeit zu Zeit aus den Metallrohren bei den Tribünen strömt. Der Hitze zum Trotz war das Gefühl nach diesem Sieg "richtig gut", wie Seidl nach dem Spiel meinte. Die beiden profitierten auch von der heimischen Unterstützung, wie Waller erklärte, sei das Aufsaugen der Stimmung "ein Wahnsinnspush" gewesen. Für Seidl/Waller ging es noch am selben Tag um 19.15 Uhr weiter gegen die Olympiasieger Anders Mol und Christian Sorum.

Das Feld betraten nach lautem Trommeln die EM-Dritten von 2019 Martin Ermacora und Moritz Pristauz. Für Ermacora war die EM-Teilnahme noch bis Mittwoch aufgrund seines Gesundheitszustandes unklar. Die Österreicher trafen schließlich auf Dries Koekelkoren und Tom van Walle. Die Belgier behielten die Überhand und sicherten sich mit einem 1:2 den Sieg.

Den letzten ersten Auftritt der österreichischen Männer am Heumarkt bestritten Clemens Doppler und Alexander Horst, welche unter tosendem Applaus empfangen wurden, schließlich ist dies ihr letztes gemeinsames Turnier. Die Vizeweltmeister von 2017 spielten gegen die Tschechen Ondrej Perusic und David Schweiner. Diese machten es Doppler/Horst nicht leicht. Letztlich verloren sie dieses Spiel mit einem 0:2. "Wir sind nicht wirklich reingekommen - weder im Sideout noch im Service. Da wird‘s gegen so einen starken Gegner natürlich schwer", erklärte Horst nach dem Spiel. Nichtsdestotrotz war das Gefühl im Stadion "unbeschreiblich; wir haben es früher gerne mit einem Rockstar verglichen".

Sicherheit geht vor

Rockstar hin oder her - die Sicherheitsmaßnahmen sind vor Ort strenger. Beim Eingang lautet die Devise: 3G or go home, denn die Sicherheit steht bei dieser EM an erster Stelle. Die Zuschauer müssen sich ebenso mittels QR-Code vor Eintritt ins Stadion registrieren. Anschließend bekommen sie am Eingang ein Armband für den Tag, welches für jeden Tag eine bestimmte Farbe sowie Muster hat. Genug Zeit sollte dafür abends auf jeden Fall einberechnet werden, da die Kontrolle bei hohem Andrang doch viel Zeit erfordern kann. Im Bereich des Stadions stehen auch immer wieder Kontrolleure - auch auf dem Weg zu den Tribünen sind sie postiert, um einerseits den Weg zu weisen und andererseits beispielsweise Personen mit VIP-Tickets zu kontrollieren und zu prüfen, ob diese wirklich Zutritt zu diesem Bereich haben. Masken sind am Gelände rar, vereinzelte Personen tragen sie, doch die meisten verzichten im dichten Gemenge vor Getränke- oder Essensständen darauf. Freie Sitzplatzwahl gibt es nur im Infield, also direkt am Spielfeldrand. Alle anderen Plätze werden automatisch zugewiesen.

Im Gegensatz zu den Zuschauern müssen alle Spieler, Betreuer und Mitarbeiter einmal täglich gurgeln, da sie einen PCR-Test vorweisen müssen. Dafür hat die Stadt Wien den Heumarkt in ihr Testsystem integriert, um ein sicheres Turnier zu gewährleisten. Insgesamt stehen für die EM 12.000 Testkits zur Verfügung. Aber es wird nicht nur gegurgelt, sondern auch geimpft: am Heumarkt, bei welchem ab Freitag bis einschließlich Sonntag gegenüber vom Hotel Intercontinental ein Impfbus steht, und auf der Donauinsel im bekannten Impfcontainer. Den Besuchern der EM, aber auch Passanten, soll somit ermöglicht werden, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Die nächsten Tage versprechen noch spannend zu werden - ob auch aus österreichischer Sicht, ist fraglich. Nichtsdestotrotz scheint die EM ein Erfolg zu sein, wenn auch einige Sitzplätze bisher leer blieben. Ob die Sicherheitsmaßnahmen auch Früchte tragen, sei noch dahin gestellt, Bemühungen seitens der Veranstalter waren schließlich vorhanden. Bleibt nur zu hoffen, dass Corona-Fälle ausbleiben und diese Beachvolleyball-Europameisterschaft in guter Erinnerung bleibt.