Zuerst hat es Roger Federer erwischt, dann den Österreicher Dominic Thiem. Als wäre das noch nicht genug, folgten schließlich noch Rafael Nadal und Serena sowie Venus Williams. Sie haben alle eines - abgesehen davon, dass sie alle Topstars im Tennis sind - gemeinsam: Verletzungsbedingt werden sie nicht an den US Open teilnehmen können. Für viele Fans war die Enttäuschung groß, doch die Vernunft siegt, schließlich könnte eine nicht auskurierte Verletzung zu weitaus Schlimmeren als einem verpassten Turnier beziehungsweise einer verpassten restlichen Saison führen. Wer nun glaubt, dass Novak Djokovic, der nun als Anwärter auf den Grand-Slam-Titel in New York gilt, leichtes Spiel hat, irrt sich gewaltig. Abgesehen von ihm gibt es noch weitere Tennis-Asse, die sich derzeit auf dem Weg nach oben befinden und mitunter auch um die zehn Jahre jünger als die 34-jährige Nummer eins in der Weltrangliste sind. Aber auch bei den Frauen gibt es einige Titelanwärterinnen.

Zu diesen gehören die Williams-Schwestern heuer jedenfalls nicht. Erstmals seit 2003 finden die US Open ohne die beiden statt. Grund sind auch hier Verletzungen. Somit wird die Jagd auf den Rekord von Margaret Court, welche 24 Major-Titel gewonnen hat, für die bald 40-jährige Serena Williams immer schwieriger. Auch die Siegerin der Australian Open im vergangenen Jahr, Sofia Kenin, musste ihre Teilnahme absagen. Bei ihr ist jedoch nicht eine Verletzung der Grund, sondern eine Coronavirus-Infektion, wie sie am Donnerstag auf Twitter mitteilte. Die 22-Jährige ist derzeit Weltranglistenfünfte und wollte, nach einer Fußverletzung und der folgenden Spielpause von zwei Monaten, in New York ihr Comeback geben. Kenin erklärte ebenso in ihrem Tweet, dass sie geimpft sei und daher nur milde Symptome habe. Obwohl die Enttäuschung groß ist, geht die Gesundheit - wie bei ihren Kollegen - vor.

Drei Topfavoritinnen

Nachdem nun die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber wegen diverser Gründe zwangsweise dezimiert wurde, sehen sich alle nun nach den Topfavoritinnen bei den Damen um.

Die Australierin Ashleigh Barty ist auf jeden Fall eine von ihnen, schließlich ist sie derzeit die Nummer eins in der Weltrangliste der Frauen. Zuletzt hatte sie sich beim Turnier in Cincinnati ihren fünften Titel - zu welchem unter anderem auch jener von Wimbledon zählt - in der diesjährigen Saison gesichert. Sie wird am Montag beim Auftakt der US Open auf die Russin Vera Zvonareva treffen.

Auf Nina Stojanovic wird die Weißrussin Aryna Sabalenka warten. Sabalenka ist seit Kurzem die zweitbeste Tennisspielerin der Welt, damit hat sie Naomi Osaka auf den dritten Platz verdrängt. In Wimbledon stand Sabalenka im Halbfinale - was die US Open nun für sie bereithalten, könnte spannend werden. Abgesehen von der Nummer eins und zwei in der Weltrangliste könnten auch Karolina Pliskova sowie die heurige Olympiasiegerin Belinda Bencic für Überraschungen sorgen.

Nichtsdestotrotz gehört die japanische Titelverteidigerin Osaka jedenfalls zu den ganz klaren Favoritinnen. Vielleicht erfüllt sie sich den Grand-Slam-Traum in Amerika heuer noch einmal. Die 23-Jährige trifft am Montag auf Marie Bouzkova aus Tschechien. Man könnte annehmen, dass dies für Osaka durchaus eine leicht zu bewältigende Aufgabe ist, jedoch hat die Japanerin in der jüngsten Vergangenheit weniger Spielpraxis gehabt. Nach den French Open hatte sie eine längere Pause eingelegt, bei den Olympischen Spielen war sie überraschend im Achtelfinale gegen Bouzkovas Landsfrau Marketa Vondrousova ausgeschieden.

Zuletzt hatte Osaka längere Depressionsphasen öffentlich gemacht. Nun werden auch bei den heurigen US Open entsprechende Angebote zur Verfügung gestellt. Der Veranstalter gab auf seiner Webseite bekannt, dass es psychische Hilfe gebe, welche die Athleten in Anspruch nehmen könnten, sowie eigene Ruheräume und weitere Unterstützungen. Das Thema der psychischen Erkrankungen wird nach wie als ein Tabuthema im Sport angesehen. Zuletzt hatten sich die Meldungen von Sportlern, die eine Erkrankung haben, gehäuft.