Die 16. Paralympischen Sommerspiele standen von Anfang an unter keinem guten Stern. Japan kämpft seit Monaten gegen eine erneute Corona-Welle: Die Krankheitsfälle verdreifachten sich binnen weniger Wochen, die Gesundheitsämter sind am Anschlag, Tokio rief den Notstand aus. Und doch entschied das Internationale Paralympische Komitee, die Spiele im Land der aufgehenden Sonne nicht untergehen zu lassen - wie schon zuvor bei Olympia. Eine mutige Entscheidung, die sich jedoch bewähren sollte. Ein umfassendes Sicherheitskonzept und leere Stadien hielten die Fallzahlen im paralympischen Umfeld niedrig, in ganz Japan sank die Zahl der infizierten Personen in den vergangenen Tagen sogar. Der alles in allem reibungslose Ablauf gibt den Veranstaltern recht. Auch das Österreichische Paralympische Komitee kann zufrieden Bilanz ziehen. Einmal Gold, fünfmal Silber und dreimal Bronze sammelten Österreichs Behindertensportler in Tokio.

China bleibt Maß aller Dinge

Für einen wahren Medaillenregen sorgte erneut das Handbike-Team: Alexander Gritsch holte in seiner Kategorie Bronze im Zeitfahren und im Straßenrennen, Thomas Frühwirt in beiden Disziplinen Silber. Thomas Ablinger sorgte für Österreichs einzige Goldene. Im Zeitfahren ließ der Oberösterreicher der Konkurrenz keine Chance, zudem gewann er am Mittwoch noch Bronze im Straßenrennen. Der 52-Jährige hält damit insgesamt bei fünf Para-Medaillen. Schon 2012 holte der Schärdinger Gold in London.

Zum sechsten Mal in seiner Karriere über Edelmetall jubeln durfte auch Josef "Pepo" Puch. Der Steirer belegte im Dressurreiten sowohl in der Einzelwertung als auch in der Kür Rang zwei. Eine weitere Silberne errang der Mühlviertler Florian Brunngraber im Triathlon. Mit insgesamt neun Medaillen nehmen die rot-weiß-roten Athleten damit genauso viel Edelmetall wie schon 2016 in Rio mit in die Alpenrepublik.

Die unangefochtene Nummer eins im Medaillenspiegel bleibt zum fünften Mal in Folge die Volksrepublik China. Bei kaum einem anderen Sportereignis kann das chinesische Regime politische Rivalen derart in die Schranken weisen. Das hat seine Gründe: Als 2001 die Olympischen und Paralympischen Spiele an Peking vergeben wurden (2008), startete China eine noch nie da gewesene Behindertensportoffensive. Seither dominiert die Volksrepublik den internationalen Para-Leistungsport. Als erfolgreichster Athlet der Spiele verließ jedoch ein Ukrainer Tokio. Schwimmer Maksym Krypak kehrte mit fünf goldenen sowie jeweils einer silbernen und bronzenen Medaille nach Hause zurück.

Spiele der besonderen Art

Zu hoffen bleibt, dass sich das diesjährige Motto der Paralympics "Entdecke das Morgen" nicht bewahrheitet und die Spiele in Tokio in der Form keine Blaupause für zukünftige Turniere bilden. Mehr als 4.500 Sportler in 22 Sportarten hätten sich wieder Wettbewerbe vor Publikum verdient. Die Paralympischen Spiele 2021 waren in vielerlei Hinsicht wohl besonders. Nicht alles muss auch 2024 in Paris beibehalten werden.