Wenn Novak Djokovic nach seinem Sieg über Jenson Brooksby in seinem nächsten Spiel auf Matteo Berrettini trifft, geht es nicht nur um den Einzug ins Halbfinale der US Open. Es geht um den nächsten Schritt hin zum historischen Grand-Slam-Titel Nummer 21. Doch der "Djoker" plant Größeres: Er will endlich den lang ersehnten "echten" Grand-Slam - Siege in Wimbledon, Paris, Melbourne und New York in einem Kalenderjahr. Der bisher letzte Mann, dem dies gelungen ist, war Rod Laver, Spitzname "The Rocket". Der Australier ist bis heute der Athlet mit den meisten Einzeltiteln im Tennissport.

Geboren wurde Laver am 9. August 1938 - in etwa einen Monat, bevor mit Donald Budge zum ersten Mal einem Tennisspieler das Kunststück gelang, alle vier Grand-Slam-Titel in einem Jahr zu holen (damals allerdings noch nicht in der offenen Profi-Ära). Früh zeigte der zierliche Linkshänder sein Ausnahmekönnen. Im Alter von 17 Jahren gewann er mit den US-Junior Championships eines der prestigeträchtigsten Nachwuchsturniere der Welt, wenige Jahre später konnte er auch auf der Erwachsenentour brillieren. 1959 stand Laver im Finale von Wimbledon, 1960 triumphierte er in Australien.

Das wundersame Jahr 1962

Er sollte das Turnier, dessen Hauptcourt heute nach ihm benannt ist, im weiteren Verlauf seiner Karriere noch zwei Mal für sich entscheiden. Es folgten Finalniederlagen in Wimbledon, Australien und New York und ein erster Titel auf dem "heiligen Rasen". 1962 kam schließlich sein "annus mirabillis". Dem erneuten Triumph bei Lavers Heimturnier ließ der Blondschopf nach einem Fünf-Satz-Krimi gegen seinen Landsmann Roy Emerson den ersten Titel in Paris folgen. Auch in Wimbledon und New York ging Laver als Sieger vom Platz. Als erst zweitem Spieler der Geschichte gelang ihm der "Grand Slam". Im Dezember 1962 holte er zudem den Daviscup mit dem australischen Nationalteam - den vierten en suite.

Mit dem Gewinn aller vier Major-Turniere entschied sich Laver dafür, den Sprung zu den Profis zu wagen, musste dadurch aber bis 1968 auf eine Teilnahme bei den ausschließlich Amateuren vorbehaltenen Grand-Slam-Bewerben warten. Die Zeit auf der Profi-Tour war geprägt von den Duellen mit seinen Kontrahenten Ken Rosewall und Pancho Gonzales, die Kultstatus erlangten. In die Zeit von 1963 bis 1968 fallen insgesamt acht Titel bei den Pro Championships in Longwood, Paris und Wembley. Durch den Beginn der Open Era und die Zulassung von professionellen Tennisspielern zu den wichtigsten Turnieren konnte Laver schließlich wieder bei Grand Slams aufschlagen.

In Jahr eins der modernen Ära musste sich der Australier noch mit einem Major-Titel in Wimbledon zufriedengeben. Das Jahr 1969 sollte indes erneut Historisches parat halten. Zum zweiten Mal in seiner Karriere und als bisher letzter männlicher Spieler überhaupt triumphierte Laver in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York - durch die Teilnahme seiner Rivalen aus der Profi-Tour ein noch prestigeträchtigerer Erfolg. Es sollten seine letzten Grand-Slam-Einzeltitel sein. Zwar galt er weiterhin als einer der konstantesten Spieler der Tour, Erfolge bei Major-Turnieren blieben jedoch aus. Die große Zeit des Rod Laver war vorbei.

Das Ende einer Ära

1973 holte er noch einmal den Daviscup nach Australien, Verletzungen zwangen ihn in weiterer Folge jedoch zu längeren Pausen. Sein letztes Einzelmatch auf der ATP-Tour absolvierte er 1979 im Alter von 40 Jahren.

Viele Bestmarken Lavers bestehen bis heute: Er ist nicht nur der einzige Athlet, der es in zwei verschiedenen Jahren vollbrachte, alle vier Grand-Slam-Turniere zu gewinnen. Auch seine 198 Turniersiege und 268 Finalteilnahmen in allen Bewerben sind bis heute unerreicht. Zudem hält er den Rekord für die meisten Matchsiege in einer Saison und die längste Serie an Major-Finalteilnahmen. In der Liste der erfolgreichsten Grand-Slam-Teilnehmer rangiert Laver mit elf Siegen auf Rang sechs - ex aequo mit Björn Borg. Und das, obwohl er ganze fünf Jahre in der Blüte seiner Karriere nicht partizipieren konnte.

Seinen Lebensabend verbringt der Australier in Kalifornien, den Australian Open wohnt der mittlerweile 82-Jährige jedoch regelmäßig bei. Für viele Experten und Tennis-Enthusiasten ist Laver bis heute der beste Spieler aller Zeiten. Eine Ehre, die ihm seit Jahren vor allem Roger Federer, Rafael Nadal und nicht zuletzt Djokovic streitig machen wollen. Nicht unwesentlichen Teil am Mythos Rod Laver tragen bis heute die Jahre 1962 und 1969. Mit dem Erreichen des "echten" Grand-Slams machte er sich unsterblich - ein Erfolg, dem die "Big Three" bis dato noch hinterherlaufen.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde nach dem Viertelfinal-Einzug Novak Djokovics aktualisiert.