Die Schnellsten werden die Ersten sein? Das mag auf den ersten Blick einleuchtend klingen, vor allem, wenn es ums Rennfahren geht. Dass diese Weisheit so nicht immer stimmt, davon weiß Kimi Räikkönen, der erst vor wenigen Tagen angekündigt hat, seine Formel-1-Karriere nach dieser Saison zu beenden, ein Lied zu singen. Vor 16 Jahren hatte der Finne im Antodromo Nazionale di Monza (heute Monza Eni Circuit) mit dem Erreichen einer Geschwindigkeit von 370,1 Stundenkilometer einen bis heute - auch dank neuem Motorenreglement - unerreicht gebliebenen Rekord aufgestellt. Nur den Grand Prix am 5. September 2005 gewann aber Juan Pablo Montoya.

Dass Räikkönen in Monza, wo am Sonntag der Grand Prix von Italien in 99. Auflage ausgerichtet wird (15 Uhr/ORF1), trotz des Geschwindigkeitsrausches, in den er sich mit seinem McLaren damals regelmäßig versetzte, kein einziges Mal gewinnen konnte, lag ironischerweise an seinem eher unzuverlässigen Auto und nicht etwa am Kurs. Monza gilt mit seinen langen Geraden und einem Vollgasanteil von 70 Prozent als letzte Hochgeschwindigkeitsstrecke der Moderne, was aber nicht bedeutet, dass hier die Schnellsten immer auch die Ersten waren und sind. Im Vorjahr etwa siegte sensationell der Franzose Pierre Gasly (Honda), 2019 sorgte der Monegasse Charles Leclerc (Ferrari) für Furore und verwies den mittels Zeitstrafe verdrängten Lewis Hamilton, der die vorigen Male gesiegt hatte, auf die Plätze. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Das Prinzip Hoffnung

Dass im Monza Eni Circuit eigene Gesetze gelten, weiß nicht nur Hamilton, der hier am Sonntag seinen 100. Grand-Prix-Triumph einfahren will, sondern auch sein Rivale Max Verstappen, der zuletzt in Spa und Zandvoort gewinnen konnte und im WM-Ranking drei Punkte vor dem Briten liegt. "Traditionellerweise war Monza noch nie die beste Strecke für unser Chassis und Antriebspaket", sagte der Holländer. "Sie ist schnell, und die Bremszonen sind wichtig und ziemlich schwierig, aber ich mag es, hier zu fahren, und hoffentlich kommt sie uns dieses Mal besser entgegen." Angesichts der Tatsache, dass Verstappen hier nie aufs Stockerl gerast ist, ist das Prinzip Hoffnung nicht ganz unangebracht. Was man sie so reden hört, auch bei der Konkurrenz. Jedenfalls schieben sich Mercedes-Chef Toto Wolff und Red-Bull-Boss Christian Horner schon gegenseitig die Favoritenrolle zu. Auch Serienweltmeister Hamilton besitzt keine Glaskugel: "Ich weiß echt nicht, wie es ausgehen wird."

Wird es wieder eine Sensation geben? Die größten Außenseiterchancen werden den beiden Ferraris mit Leclerc und Carlos Sainz eingeräumt. Vielleicht werden sie ja, wenn nicht von den Motoren, so von den 16.000 zugelassenen Ferraristas ins Ziel getragen?(rel)