Die Zahlen sind alarmierend, die Gegenmaßnahmen aber durchaus beachtlich. Laut Daten der Statistik Austria, die im Winter erhoben wurden, sind aktuell 1,6 Millionen Österreicher in Sportvereinen angemeldet - 2017, als die Zahlen das bisher letzte Mal erhoben wurden, waren es noch 2,15 Millionen.

Das ist die schlechte Nachricht, die die Vertreter der Statistik Austria, der Organisation Sport Austria sowie Sportminister und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) am Montag verkündeten. Die positive: "Wir waren jetzt in einer Talsohle, aus der wir uns kontinuierlich nach oben bewegen wollen und auch werden", sagt Kogler. Zum einen sei der Mitgliederschwund, der vor allem bei Jugendlichen am stärksten ausfiel, verständlich, weil Vereinstätigkeiten aufgrund der Lockdowns nicht immer und überall möglich waren, zum anderen wurden Anreize geschaffen, um die Mitglieder, die sich abgewendet haben, zurück- und neue dazuzugewinnen.

Als "Herzstück" der Initiative #Comebackstronger, die vom Ministerium und Sport Austria als Vertreterin des organisierten Sports ausgearbeitet wurde, bezeichnet deren Präsident, der frühere burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ), den "Sportbonus", über den neue Mitglieder oder Wiedereinsteiger sich bis zu 75 Prozent der Gebühren ersparen können. Zunächst sind Vereine aufgerufen, sich unter www.sportbonus.at zu registrieren, in einem weiteren Schritt soll die Kunde mit Kampagnen verbreitet werden, sodass sich möglichst viele Österreicher anmelden. Die Abwicklung übernehmen die Vereine, das Geld stellt das Ministerium zur Verfügung.

Kogler bezüglich 1G im Sport vage

Parallel gibt es weitere Initiativen, um noch mehr Menschen für den Sport, für Niessl "die beste Medizin für die psychische und physische Gesundheit", zu interessieren, der September kommt dabei einem Aktionsmonat gleich: Am 24. dieses Monats werden Schwerpunkte im Zuge des "langen Tags des Sports" gesetzt, tags darauf haben Verbände und Vereine die Möglichkeit, ihre Angebote beim schon traditionellen "Tag des Sports" im Wiener Happel-Stadion einer breiten Masse zu präsentieren, bei dem auch ein Impfbus vorfahren wird.


Links

Allgemeine Informationen von Sport Austria

Anmeldung und Informationen zum Sportbonus

Maßnahmenkatalog #Comebackstronger

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Denn eine möglichst hohe Durchimpfungsrate sei essenziell für den Weg aus der Krise, darin sind sich Niessl und Kogler einig - "und da kann der Sport einen wesentlichen Beitrag leisten", betont Niessl.

Von einer 1G-Regel für den Sport, wie sie zuletzt angesichts der Verschärfung der Maßnahmen bei entsprechender Spitals- und Intensivbettenauslastung für viele als Schreckensszenario durch den Raum geisterte, hält Kogler aber nichts. "Also gerade für Unter-Zwölf-Jährige, für die die Impfung noch nicht einmal zugelassen ist, würde das ja überhaupt keinen Sinn machen. Auch sonst ist es natürlich das Ziel, dass möglichst viele sportlich aktiv sind", sagt er. Ein engmaschiges Testregime könne hier eine Alternative sein, meint der Sportminister - ohne entsprechenden Entscheidungen vorgreifen zu wollen. Die Wiedereinführung von Zugangs- und Abstandsregeln im Zuschauerbereich kann sich Kogler aber gut vorstellen. "Es macht eben einen Unterschied, wenn jeder seinen zugewiesenen Platz hat und Abstand hält, oder ob wir zu Tausenden zusammenstehen."

Niessl setzt auf Positivkampagnen, um Impfunwillige gerade über den Sport doch noch dazu zu bewegen. "Dazu braucht es einen nationalen Schulterschluss, der mir bei all der Polarisierung ein bisschen zu sehr untergeht", sagt er.

Verweis auf funktionierende Konzepte

Zahlen der Ages würden bestätigen, dass die Umsetzung der Präventionskonzepte im organisierten Vereinssport sehr gut funktioniert, hieß es schon vorige Woche von Sport Austria: "Zuletzt gab es in der Woche 34 nur 20 Coronafälle im Sportbereich, das ist ein Anteil von lediglich 0,5 Prozent am gesamten Infektionsgeschehen. Somit kann der Sport aktuell seinen wichtigen Beitrag für die Gesundheit der Bevölkerung leisten", betonte Niessl. "Sport Austria schlägt deshalb vor, Sportveranstaltungen - wie schon den Tag des Sports am 25. September - verstärkt für ein niederschwelliges Impfangebot zu nützen und dafür auch ein Anreizsystem - beispielsweise in Form von Gratiseintrittskarten für Sportevents - zu schaffen."

ÖFB mit eigenen Kampagnen

Grund zur Besorgnis haben zuletzt auch die Zahlen aus dem Fußball gegeben. In der letzten "Vor-Corona-Saison" 2018/19 waren beim größten Sport-Fachverband rund 279.000 Spielerinnen und Spieler gemeldet, derzeit sind es laut Noch-Präsident Leo Windtner nur noch etwa 168.000. Dieser Negativtrend soll nun mit einer Kampagne mit den Parolen "Wir lieben Leder" und "Auf die Plätze! Fußball, los" gestoppt werden.

Für die Kommunikationsoffensive nehme der ÖFB "eine mittlere sechsstellige Summe in die Hand". Das Geld dafür stamme auch aus dem Reinerlös der vergangenen EM.

Angesichts der jüngsten Entwicklung erscheinen die Sorgen des ÖFB wegen der Pandemie durchaus berechtigt. Seit Corona gibt es um vier Prozent weniger Vereine (2.218 statt 2.304), jeweils acht Prozent weniger Trainer und Schiedsrichter und drei Prozent weniger Funktionäre. Das dicke Minus bei den gemeldeten Spielerinnen und Spielern ist laut ÖFB zu 28 Prozent auf die Pandemie zurückzuführen, aber auch zu elf Prozent auf neue Berechnungsparameter, durch die zum Beispiel Doppelnennungen von Aktiven beseitigt wurden. Doch so oder so gilt: Ein bisserl was geht immer noch. Die (Corona-)müden Beine müssen nur wieder munter gemacht werden.