Ein Begriff, der heftig umstritten ist, ist E-Sport. Ist das nun ein Sport oder bloße Herumklickerei? Diese Frage löste in den vergangenen Jahren zahlreiche Diskussionen aus. Währenddessen entwickelte sich das anfängliche Hobby vieler Jugendlichen zu ihrem Beruf. Einigen Profispielern ist es möglich, mit dem Spielen von "League of Legends", "Fortnite", "Fifa", "Call of Duty" und Co. über die Runden kommen, sofern sie eben erfolgreich sind. Einige verdienen sogar sehr viel Geld damit. Auf jeden Fall erfolgreich ist die E-Sport-Industrie: Es gibt mehrere Turniere im Jahr mit hochdotierten Preisgeldern - auch in Österreich -, etliche Teams und Millionen Zuschauer, welche die Bewerbe mitverfolgen, sei es live vor Ort oder online über einen Livestream. Auch hierzulande hat sich die E-Sport-Szene weiterentwickelt und scheint richtig angekommen zu sein.

In Österreich gibt es mehrere hunderte Teams und einen eigenen Verband seit 2007, den eSport Verband Österreich (esvö). Dieser zählt somit zu den ältesten der Welt im Bereich des E-Sports.

Hierzulande gibt es auch zahlreiche Wettbewerbe und Veranstaltungen: 2006 wurde die erste Game City im Wiener Rathaus abgehalten, 2009 folgten die ersten E-Sport-Staatsmeisterschaften. Die E-Bundesliga, welche es seit 2017 gibt, ist eines der virtuellen Highlights. Im ersten Jahr nahmen mehr als 6.000 Fifa-Spieler am Bewerb teil. Im selben Jahr wurde ebenso die A1 eSports League Austria ins Leben gerufen.

Genauso wie im Leistungssport gibt es Trainer, Ernährungsberater, Fitnesstrainer sowie viele weitere, welche das Team um die Spieler komplett machen.

Wer nun glaubt, dass die E-Sportler nur Fast Food essen, sich nicht sportlich betätigen und nur Energy Drinks trinken, liegt gehörig falsch. Jene E-Sportler, die das Spielen ernst nehmen, haben oftmals sogar einen eigenen Fitnesstrainer und/oder Ernährungsberater. Die körperliche Leistung steht genauso im Vordergrund wie die geistige. Sie folgen meist einem strengen Ernährungsplan und achten darauf, dass sie körperlich fit sind, denn bei einem Turnier, das meist mehrere Stunden dauert, kann es durchaus vorkommen, dass der eine oder andere Spieler mehr Kalorien als ein Fußballer verbrennt. Ein E-Sportler muss sich jedoch nicht nur gesund ernähren, sondern auch fit sein.

Bundesheer bildet ersten E-Sportler aus

Aus einer Studie aus dem Jahre 2020 mit 1.772 Teilnehmern aus 65 Ländern ging hervor, dass jene Spieler, die zu den besten zehn Prozent gehören, im Vergleich zu den anderen E-Sportlern wesentlich körperlich aktiver sind. Es wird folglich angenommen, dass die physische Fitness die Spiel-Performance beeinflussen kann. Manche verbringen mehr als eine Stunde am Tag mit körperlichem Ausgleichssport im Rahmen ihres Trainings. Außerdem haben E-Sportler eine 9 bis 21 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, ein gesünderes Gewicht zu haben, als die Allgemeinbevölkerung.

Mehrere hunderte Klicks pro Minute, äußerst präzise Bewegungen mit Maus sowie Controller im Millimeterbereich und eine Konzentrationsspanne über mehrere Stunden: All dies muss gelernt und geübt sein. Die Reaktionsfähigkeit, Schnelligkeit und Präzision gehören gefördert - wie in jedem anderen Sport auch -, die Muskulatur gestärkt, unter anderem auch im Rücken, der durch das lange Sitzen zusätzlich belastet wird. Pro Tag trainieren Profiteams fünf bis sechs Stunden zusammen und danach noch allein. Da kann es schon einmal vorkommen, dass die E-Sportler zwölf bis 14 Stunden vor dem Computer sitzen. Nichtsdestotrotz ist es vor allem Profis wichtig, sich auch körperlich fit zu halten.

Alle Sportarten haben gemeinsam, dass Strategien der Schlüssel zum Erfolg sind. Auch beim E-Sport müssen diese erprobt, vorbereitet und angewendet werden. Außerdem muss viel geübt und trainiert werden - das haben auch alle Sportarten gemein. Übung macht schließlich den Meister. Nach jedem Spiel folgt eine genaue Analyse, es werden Fehler besprochen sowie Verbesserungsmöglichkeiten gesucht.

2020 gab es ungefähr 436 Millionen E-Sport-Zuschauer. Prognostiziert ist, dass diese Zahl auf mehr als 577 Millionen im Jahr 2024 wachsen wird.

Ob E-Sport nun eine Sportart ist oder nicht - darüber lässt sich freilich in Zukunft auch noch streiten. In Frankreich, China oder Brasilien ist dies eine anerkannte Sportart. Hierzulande ist das noch nicht der Fall, jedoch könnte die Anerkennung bald folgen, schließlich bildet das Bundesheer bereits den ersten E-Sportler aus. Fabio Özelt ist der erste uniformierte E-Sportler hierzulande und war in der europäischen Rangliste im Juni auf Rang 109. "Ein verbesserter konditioneller Zustand ermöglicht mir effektivere Konzentrationsphasen während der Wettkämpfe", so Özelt, der bei nationalen und internationalen Wettkämpfen der Fifa-Fußball-Turniere teilnimmt. In einer ersten Phase soll nun bis Mitte 2022 sportwissenschaftlich geprüft werden, wie die Rahmenbedingungen einer Leistungssportförderung durch das Heeressportzentrum aussehen sollte.

Alles eine Frage der Definition

Auch Profisportler wie Christian Fuchs, ehemaliger Kapitän des österreichischen Nationalteams, greifen selbst zum Controller. Er hat sogar ein eigenes Team gegründet: No Fuchs Given. Sogar Wacker Innsbruck hat hierzulande ein eigenes E-Sport-Team gegründet. Damit sind die Tiroler in die Fußstapfen von Vereinen wie Paris Saint-Germain, dem FC Bayern München oder Real Madrid getreten. Immer mehr Sportler, Vereine und Menschen interessieren sich für E-Sport, warum sollte es nun also keine Sportart sein? Immerhin ist Schach auch eine anerkannte Sportart. Viel mehr Bewegung gibt es dabei aber auch nicht.

Es kommt letztlich darauf an, wie Sport definiert wird, aber die eine wahre Definition gibt es nicht. Der körperliche Aspekt mag hier nicht so im Vordergrund stehen, dafür ist das Gehirn jedoch umso aktiver. Leichter wäre es für die E-Sportler sicherlich, wenn es eine anerkannte Sportart wäre - immerhin könnten so die Profispieler Sportvisa beantragen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Probleme mit Visa. Das hat bereits die eine oder andere Profikarriere gefährdet.