Wenn heute Abend der Puck zum ersten Bully der neuen Eishockeysaison eingeworfen wird, heißt der große Gejagte KAC. In der um drei Mannschaften aufgestockten ICE Hockey League haben die Klagenfurter auch heuer die Favoritenrolle gepachtet. Die Rotjacken sind nicht nur amtierender Meister, sondern auch Rekordchampion im österreichischen Eishockey. Auf Platz zwei der ewigen Bestenliste rangiert allerdings keiner der übrigen Erstligisten. Der Wiener Eislauf-Verein (WEV) kann sich mit 13 gewonnenen Titeln bis heute Vizerekordmeister nennen - und das, obwohl die Eishockeyabteilung des Traditionsvereins für fast 40 Jahre nicht existierte. 2021 will man über 100 Jahre Eishockeytradition am Wiener Heumarkt wiederbeleben und steigt mit einer neuformierten Mannschaft in der kürzlich reformierten, bundesweiten 3. Liga ein.

Die ersten Jahre

Eishockey blickt in Wien auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Bereits vor Ende des 19. Jahrhunderts kam es auf Boden der Bundeshauptstadt zu ersten Spielen - damals allerdings noch mit einer kleinen, roten Kugel, der Puck sollte sich erst zwei Jahrzehnte später in Österreich durchsetzen. 1914 formierte sich auch innerhalb des Wiener Eislauf-Vereins eine Abteilung für Eishockey. Der WEV sollte in den folgenden Jahren zur dominanten Größe im heimischen Hockey aufsteigen.

1923 kam es zur Austragung der ersten offiziellen Meisterschaft der Alpenrepublik - auch wenn fast ausschließlich Vereine aus Wien daran teilnehmen konnten. Der WEV triumphierte und verteidigte den Titel in den Folgejahren erfolgreich. Von 1923 bis 1931 holten die Cracks aus dem dritten Gemeindebezirk durchgehend die Meisterschaft. Dazu gesellten sich mehrere Erfolge im sogenannten Schlesinger-Cup, der zwischen 1928 und 1932 ausgespielt wurde. Das österreichische Eishockeynationalteam - immerhin 1927 und 1931 Europameister - bestand zu dieser Zeit überwiegend aus Spielern des WEV. Nach dem "Anschluss" an Deutschland fusionierte man mit dem Lokalrivalen EK Engelmann, die neu geschaffene Wiener Eissportgemeinschaft WEG errang 1940 den gesamtdeutschen Meistertitel. Nach Kriegsende führte man die Liga noch weitere sechs Mal an - drei davon als WEG. Doch die Rahmenbedingungen im österreichischen Eishockey hatten sich geändert: Die Vereine aus den Bundesländern eroberten sukzessive die Vormachtstellung. Vor allem der KAC und der Innsbrucker EV erwiesen sich ab den 1950er-Jahren meist als zu stark für die Wiener Klubs. 1961 gewann der WEV seinen letzten Titel. Der schleichende Niedergang nahm seinen Lauf.

Die Wiederbelebung

In den Sechzigern gab man das traditionelle Areal am Heumarkt auf und übersiedelte in die Donaustadt. Zwar blieb man bis in die 1980er eine der führenden Kräfte in der heimischen Liga, ein erster Platz war dem Eislauf-Verein jedoch nicht mehr vergönnt. 1982 gliederte sich die Eishockeysektion aus dem Stammverein aus. Der Nachfolgeklub CE Wien, der sich in den Neunzigern aus Marketinggründen wieder WEV nannte, spielte nach mehreren Umbenennungen und einer Fusion mit dem WAT 2000 seine letzte Saison in der Bundesliga. Ein Jahr darauf entstand mit den Vienna Capitals ein neuer Profiklub in Wien.

2021 will man nun an die Traditionen des 13-fachen Meisters anknüpfen. Die wieder formierte Abteilung des Eislauf-Vereins, die sich aus Spielern des ehemaligen Regional-League-Klubs WEV Lions speist, nimmt ab Oktober am Betrieb der österreichweiten dritten Liga teil. Dort trifft man in der Gruppe Nord-Ost auf weitere Traditionsvereine wie Kapfenberg oder ATSE Graz. Mit einem Freiluftspiel am Wiener Heumarkt soll Eishockeynostalgikern ein besonderes Highlight geboten werden. Ziel für die Premierensaison sei ein Platz im Play-off, Ambitionen auf eine baldige Teilnahme an der ersten Liga hegt man dennoch nicht.

Eishockeyliga startet

Die Cracks aus der ICE Hockey League starten indes heute in die neue Spielzeit. Modus und Teilnehmerfeld sind neu, die Favoriten auf den Titel bleiben die alten. KAC, Salzburg und Vizemeister Bozen unterstrichen bereits bei vielversprechenden Auftritten in der Champions League die Topform der Vorsaison. Am Dreigespann wird wohl auch 2021 kein Weg zur Meisterschaft vorbeiführen. Die Capitals gehen mit einem rundum erneuerten Kader in die Saison, die Vorbereitung verlief für die Wiener eher mäßig. In Linz will man nach einem turbulenten vergangenen Jahr mit einigen internen Unruhen zu alter Stärke zurückfinden - helfen soll dabei vor allem Routinier Raphael Rotter, der aus Wien nach Oberösterreich wechselte. Neu in der Liga sind der Südtiroler Vertreter Pustertaler Wölfe und die Rückkehrer Orli Znojmo und Olimpija Ljubljana, zudem wartet mit dem Pre-Play-off ein neues Format auf die Fans. Puls 4 überträgt das Schlagerspiel KAC - Capitals heute live ab 19.15 Uhr.