Als Andrea Dovizioso seinen bisher einzigen Weltmeistertitel feierte, 2004 in der 125ccm-Klasse, war Fabio Quartararo fünf Jahre alt. Geboren wurde er in jenem Jahr, als Valentino Rossi sogar schon zum zweiten Mal in der Motorrad-WM triumphierte. Alle drei werden sie am Wochenende beim Grand Prix von San Marino (MotoGP am Sonntag, 14 Uhr) in Misano auf die eine oder andere Weise im Mittelpunkt stehen: Der Franzose Quartararo als überlegener WM-Führender, die beiden Italiener Dovizioso und Rossi als Lokalmatadore; der eine auf seiner Abschiedstour, der andere als Rückkehrer.

Dass sie nicht für ein italienisches Fabrikat fahren, weil sich sowohl Rossi vor Jahren als auch Dovizioso in der vergangenen Saison mit Ducati zerkracht haben, trübt die Freude der Tifosi nicht. Zu Zehntausenden werden sie an die nach dem 2011 in Malaysia tödlich verunglückten Marco Simoncelli benannten Strecke pilgern, um ihren Idolen bei den Rad- an Rad-Kämpfen zuzusehen - oder einfach, um der Nostalgie zu frönen.

Denn die allerbesten Zeiten des italienischen Motorsports liegen schon länger zurück. 2009 hat Rossi seinen siebenten WM-Titel in der Königsklasse (500ccm beziehungsweise MotoGP), seinen neunten insgesamt, geholt; seitdem wartet Italien auf einen Weltmeister auf der höchsten Ebene, auf der die Spanier dominierten. Zehn der jüngsten elf WM-Titel gingen an sie, sechs alleine auf das Konto von Marc Marquez, ehe im Vorjahr Joan Mir triumphierte.

Erster MotoGP-Erfolg für Bagnaia

Dovizioso war in der jüngeren Vergangenheit aber dreimal nahe dran, in den Jahren 2017 bis 2019 musste er sich in der Endabrechnung nur Marquez geschlagen geben. Österreichischen Motorrad-Fans sind die packenden Duelle, die die beiden sich auch in Spielberg geliefert haben, noch in bester Erinnerung.

Nun, da Marquez nach seiner langwierigen Verletzung keine Rolle in der WM spielt, scheint Quartararo das Maß aller Dinge zu sein - auch wenn es zuletzt in Aragonien nicht nach Wunsch für ihn gelaufen war.

Dort wiederum konnte ein Italiener jubeln: Francesco Bagnaia kam auf seiner Ducati zu seinem ersten MotoGP-Erfolg und liegt in der WM-Wertung nun an der zweiten Stelle. Doch mit der Popularität eines Rossi und eines Dovizioso kann der 24-jährige Turiner bei weitem noch nicht mithalten. Auf Instagram ist er von 556.000 Menschen abonniert, Dovizioso von 1,4 Millionen und Rossi noch einmal von zehn Millionen mehr.

Schnee von gestern und ein Sprung ins kalte Wasser

Diese Zahlen veranschaulichen auch, was der Motorrad-WM fehlen wird, wenn der 42-jährige Rossi sein Bike mit Ende dieser Saison unwiderruflich in die Ecke stellt. Dass es nun nicht nur "junge Wilde" gibt, die um die Punkte kämpfen, sondern auch ein erfahrener Pilot zurückkommt, begrüßt er daher ausdrücklich. "Ich freue mich, dass Dovizioso zurück ist", sagte er, nachdem dieser einen Vertrag als sein Teamkollege beim Yamaha-Privatstall Sepang Racing für die letzten fünf Rennen dieser Saison und das kommende Jahr unterschrieben hatte. "Wir haben eine gute Beziehung und hatten immer auch eine gute Rivalität. Seit 2008 haben wir uns viele gute Fights geliefert. Er ist ein wichtiger Name für die MotoGP, in den vergangenen Jahren war er immer einer der Topfahrer", betonte Rossi.

Andrea Dovizioso freut sich über seine Rückkehr. 
- © afp / Andreas Solaro

Andrea Dovizioso freut sich über seine Rückkehr.

- © afp / Andreas Solaro

Doch für Dovizioso ist auch das Schnee - oder besser: Asphalt - von vorgestern. Er legte 2021 eine künstlerische Schaffenspause ein, ehe ihn nun der Ruf des Sepang Racing Teams ereilte, weil Franco Morbidella als Ersatz für Maverick Vinales ins Yamaha-Werksteam befördert wurde. "Ich habe nie die Türen verschlossen", sagte der 35-Jährige anlässlich der offiziellen Bekanntgabe seines Engagements.

Es sei zwar eine Rückkehr, aber auch ein Sprung ins kalte Wasser, meinte er. Seit seinem bisher letzten Rennen im Herbst des vergangenen Jahres habe sich viel verändert, vor allem, was die Reifen betreffe. Er selbst müsse vieles neu kennenlernen: das Team, das Bike, die Arbeitsweise. "Aber vielleicht kann mir meine Erfahrung helfen." Die Tifosi - pro Tag rechnet man mit 10.000 Menschen - könnten das Übrige dazu beitragen.