Zwei Wochen sind es noch bis zum Saisonstart in der NBA, zwei Themen dominieren: Geimpft oder nicht geimpft, das ist die eine Frage, die die Gemüter erhitzt – die NBA plant nicht nur Restriktionen, sondern auch Gehaltseinbußen für Letztere –, wer hat sich am besten verstärkt?, das ist die andere Frage. Doch an diesem Tag standen die Diskussionen plötzlich still – und das wegen eines Mannes, der schon mehr als zwei Jahre lang kein Spiel in der NBA mehr bestritten hat. Das wiederum ist Beleg genug dafür, inwiefern dieser Mann der besten Basketball-Liga der Welt in der Zeit davor seinen Stempel aufgedrückt hatte.

Am Dienstag also geschah das für viele Fans Unvorstellbare, das gleichzeitig unvermeidbar war: Pau Gasol erklärte seine Karriere für beendet. Mit 41 Jahren, nach 23 Jahren als Aktiver, davon nicht ganz zwei Jahrzehnten in der NBA, ist Schluss. "Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, aber es ist eine, über die ich lange nachgedacht habe", sagte Gasol im Liceu-Theater in Barcelona.

Auch die Wahl des Schauplatzes schien geeignet – nicht nur, weil Pau Gasol Saez in Barcelona geboren und aufgewachsen ist, hier seine ersten und seit Februar dieses Jahres seine letzten, vom ersten Meistertitel der Katalanen nach sieben Jahren gekrönten, Schritte auf dem sportlichen Parkett gemacht hatte, sondern weil er stets auch für eine Art von Basketball-Kultur stand, die ihn weit über die Grenzen Spaniens sowie seiner NBA-Stationen bekannt gemacht hatte. Gasol war nie der Lautsprecher, nie der Brachial-Rocker des Basketball, er galt vielmehr als Gentleman und Center mit enormer Übersicht und Spielwitz.

"Er hat den Lakers wieder Hoffnung und Qualität gebracht. Der Einfluss war unmittelbar zu spüren."

Trainerlegende Phil Jackson

Doch auch seine Statistiken sprechen für sich: Seit seinem NBA-Debüt 2001 bei den Memphis Grizzlies brachte er es auf 1.226 Spiele, in denen er im Schnitt mit 17,0 Punkten, 9,2 Rebounds, 3,2 Assists anschrieb. Gemeinsam mit Kareem Abdul-Jabbar, Tim Duncan und Kevin Garnett bildet er den Kreis jener Spieler, die es insgesamt auf mehr als 20.000 Punkte, 11.000 Rebounds, 3.500 Assists und 1.500 Blocks brachten.

Das alles ist freilich nicht abzusehen, als Gasol 2001 zu den Grizzlies kommt – ebenso wenig wie die Tatsache, dass er neben dem drei Jahre davor in die NBA vorgedrungenen Deutschen Dirk Nowitzki zu einem der einflussreichsten Europäer in der Liga werden soll. Rückblickend betrachtet dürfen sich Gasol und Nowitzki als Wegbereiter für viele junge Spieler des alten Kontinenten auf dem sehen.

Pau Gasol bei seinem letzten Auftritt im Nationalteam - 2021 bei den Olympischen Spielen. 
- © afp / Eric Guay

Pau Gasol bei seinem letzten Auftritt im Nationalteam - 2021 bei den Olympischen Spielen.

- © afp / Eric Guay

Dennoch nehmen ihre Karrieren einen gänzlich anderen Verlauf. Während Nowitzki in zwei NBA-Jahrzehnten nie für ein anderes Franchise als die Dallas Mavericks spielt, führt es Gasol von Mephis nach Los Angeles, nach Chicago, San Antonio und Milwaukee, ehe er nach einer Stressfraktur im linken Fuß 2019 operiert werden muss, zwar noch einen Vertrag in Portland bekommt, aber wegen der Nachwirkungen seiner Verletzung nicht mehr eingesetzt werden kann.

Seine Verdienste haben dennoch Eindruck hinterlassen, vor allem bei den Lakers, die vor seiner Ankunft in einer Phase des Umbruchs stecken, weil der Abgang von Shaquille O’Neall eine Lücke hinterlassen hat, die Kobe Bryant alleine nicht auszufüllen vermag. Gemeinsam aber schafft man es, 2009 und 2010 wieder den Titel in die Stadt der Engel zu holen.

Während Gasol bei seinem Rücktritt den Einfluss des 2020 verstorbenen Bryant auf seine Entwicklung würdigt ("Er hat mich gelehrt, ein besserer Anführer, ein besserer Wettkämpfer zu sein. Er hat mich gelehrt, ein Gewinner zu sein."); erinnert sich Trainerlegende Phil Jackson gegenüber dem US-Sender ESPN mit höchstem Lob an Gasol: "Er hat den Lakers wieder Hoffnung und Qualität gebracht. Der Effekt war unmittelbar zu spüren."

"Ein Held in Los Angeles, eine Basketball-Legende auf der ganzen Welt", heißt es auf dem Twitteraccount der Lakers.

Tatsächlich können davon nicht nur die Engel, sondern auch Wegbegleiter und Konkurrenten ein Lied singen. Mit der spanischen Nationalmannschaft gewinnt er die WM 2006 sowie drei EM-Titel, darüber hinaus Olympia-Silber 2008 und 2012 sowie -Bronze 2016. Heuer in Tokio war im Viertelfinale gegen die USA – ausgerechnet – Schluss.

Jetzt folgte der endgültige Schlusspunkt. Er wolle aufhören, noch bevor er auf Krücken gehen müsse, sagt Gasol – und gibt den Dank zurück. "Geliebter Basketball. Danke für alles", schreibt er auf Twitter.