Neuerliche Aufregung um das Nike-Projekt "Oregon": Die 25-jährige Mary Cain, ehemaliges Aushängeschild der US-Leichtathletik, verklagt Medienberichten zufolge ihren früheren Trainer Alberto Salazar und dessen ehemaligen Arbeitgeber Nike wegen Missbrauchs auf 20 Millionen Dollar (17,31 Millionen Euro). Nike habe von dem jahrelangen psychischen und emotionalen Missbrauch im zu dem Leichtathletikprogramms "Oregon Projekt" des Sportartikelherstellers gewusst und nicht eingegriffen, führt Cain in der Klageschrift an.

Cain wurde 2013 als Wunderkind ins Nike Oregon Projekt aufgenommen. Bereits 2019 erklärte sie in der Zeitung "New York Times", dass sie von Salazar wiederholt zur Gewichtsabnahme gedrängt worden sei. Ihre Karriere sei daran gescheitert und sie habe Selbstmordgedanken gehegt. Nike erklärte, dass das Unternehmen sich nicht zu laufenden Rechtsstreitigkeiten äußere. Cains Anwalt reagierte nicht sofort auf eine Bitte um Stellungnahme.

Salazar ist schon länger gesperrt

Für Nike ist es jedenfalls ein weiterer Rückschlag, nachdem der Abschlussbericht der Welt-Anti-Doping-Agentur vor genau einer Woche noch für ein kurzes Durchschnaufen gesorgt hatte. Denn nach der Bestätigung der Sperren gegen Salazar und den Arzt Jeffrey Brown wurde bekanntgegeben, dass es in der Doping-Affäre keine weiteren Verfahren gegen beteiligte Personen geben werde, wie Chefermittler Günter Younger erklärte.

Nach vollständiger Prüfung aller verfügbaren Informationen sei man überzeugt, "dass die US-Anti-Doping-Agentur Usada alle angemessenen Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um Verstöße gegen die Anti-Doping-Bestimmungen gegen die am Nike-Oregon-Projekt Beteiligten festzusetzen", sagte Younger in einer Mitteilung der Wada. Die Überprüfung habe ergeben, "dass es nicht genügend Beweise gab, um ein Verfahren gegen eine andere Person zu rechtfertigen".

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte im September die Berufung des ehemaligen Chefcoaches des Nike-Oregon-ProjektesSalazar, abgewiesen und die Vier-Jahres-Sperre bestätigt. Salazar war 2019 von der Usada gesperrt worden. Diese war aufgrund von Doping-Verfehlungen von Salazar in den Jahren von 2009 bis 2012 gegen ihn vorgegangen. Der gebürtige Kubaner, der auch den britischen Olympiasieger Mo Farah trainiert hat, soll Dopingproben manipuliert haben und im Besitz von verbotenen Mitteln wie Testosteron gewesen sein. (apa/dpa/reuters)