Das Leben von Extrembergsteiger Reinhold Messer war stets ein "Leben am Limit". Und es ist wohl kein Zufall, dass er den Titel seiner im September 2004 erschienenen Autobiografie genau mit diesen Worten gewählt hat. Und das einzige Limit, das der heute 77-Jährige je akzeptiert hat, war jenes, das ihm sein Körper und die Natur vorlegten. Und vielleicht war es für ihn rückblickend ja auch ein Glück, dass es nicht mehr als 14 Achttausender auf dieser Welt gibt - angesichts der tödlichen Gefahren, die jenseits der "Todeszone" von 8.000 Metern lauern.

Aber Messner hat sie dennoch alle bezwungen: Am 16. Oktober 1986, also vor genau 35 Jahren, setzte er gemeinsam mit Landsmann Hans Kammerlander seinen Fuß auf den 8.516 Meter hohen Gipfel des Lhotse in Nepal und ging damit in die Geschichte ein. Der Südtiroler komplettierte damit nicht nur seine private Achttausender-Liste, der Erfolg 1986 machte ihn auch zum ersten Menschen überhaupt, der alle 14 Achttausender der Erde besteigen konnte, und das noch dazu ohne Flaschensauerstoff.

Nach seiner Rückkehr aus dem Himalaya wurde Messner in seiner Heimat frenetisch gefeiert. Im Südtiroler Regionalfernsehen erreichte die Berichterstattung über den bis dato einzigartigen Erfolg Traumeinschaltquoten von fast 100 Prozent. Insgesamt hatte Messner 16 Jahre benötigt, um die 14 höchsten Berge dieser Welt zu erklimmen. Was 1970 mit der tragischen Expedition am Nanga Parbat in Pakistan, bei der Messner seinen höhenkranken Bruder Günther verlor, seinen Ausgang genommen hatte, endete mit dem Triumph am Lhotse.

Dabei war es nicht so, dass der Extremalpinist damals ganz ohne Konkurrenz angetreten wäre. Was in den 1970er Jahren noch als eine Aneinanderreihung von Einzelerfolgen wahrgenommen wurde, wuchs sich bald zu einem "Achttausender-Sammeln" und einem Wettstreit um einen Titel, der so gar nicht ausgeschrieben worden war, aus. Zu Messner "Rivalen" zählten der Pole Jerzey Kukuczka und Erhard Loretan aus der Schweiz. Sie erreichten ihren 14. Gipfel 1987 beziehungsweise 1995.

Bei den Frauen sicherte sich diesen Titel übrigens die Südkoreanerin Oh Eun Sun, allerdings ist ihr Rekord von 2010, nachdem sie Hubschrauber für die Anreise, Sherpas, Vorspurer und Flaschensauerstoff benutzte, umstritten. Aus dem Grund gilt daher die Oberösterreicherin Gerlinde Kaltenbrunner als die eigentliche Erstbesteigerin aller Achttausender.

Ohne Hilfsmittel am Everest

Für Messner selbst war der Triumph in dieser 8.000er-Rallye nicht der einzige Meilenstein. 1978 glückte ihm - gemeinsam mit dem Zillertaler Peter Habeler - die Erstbesteigung des Mount Everest ohne Verwendung von Flaschensauerstoff, und noch im selben Jahr meldete er am Nanga Parbat die erste Alleinbegehung eines Achttausenders überhaupt. Sein persönliches "Limit" suchte Messner im Übrigen nicht nur in Höhenmetern, sondern auch in den Mühen der Ebene. 1989/90 durchquerte er mit einer Expedition die Antarktis, drei Jahre später Grönland und 2004 die Gobi.

Allerdings fiel Messner nicht nur mit Rekorden, sondern auch mit irritierenden Berichten - etwa über Yetis - und Provokationen auf, womit er so manchen "Bergfreund" gegen sich aufbrachte. Seine Leistungen sind bis heute dennoch unerreicht, und sie finden bisweilen auch Eingang in die Kunst. So stellte der Kabarettist Josef Hader schon vor Jahren launisch fest: "Imma weitta auffi, wie da Reinhold Messna. Die hechstn Berg in da kirzestn Zeit, oba nur auf an Fuaß hupfn und vo dem nu de Zechan oschneidn, damits Leistung is." Ob Messner diese Zuschreibung teilt, ist nicht überliefert.