Vier Jahre hat es gedauert, nun durfte Dennis Novak zum zweiten Mal einen Matchsieg im Hauptbewerb des Wiener ATP-Tennisturniers auskosten. Seine Leistung beim 7:6, 7:6-Erfolg am Dienstagabend gegen den italienischen Qualifikanten Gianluca Mager bestätigte seinen in den vergangenen Wochen gezeigten Aufwärtstrend, ein weiterer Sieg würde ihn wohl knapp zurück in die Top 100 bringen. Dort war er zuletzt Anfang April gestanden. Sein Gegner wird heute Nachmittag zwischen Reilly Opelka und Jannik Sinner ermittelt.

Auch wenn das ein wichtiger Schritt unter anderem in Richtung Fixplatz bei den Australian Open wäre, will er sich mit dieser Weltranglistenposition nun nicht mehr zufriedengeben. Höher als auf Position 85 ist es für den Niederösterreicher bisher nicht gegangen, das soll nach seiner Vorstellung noch ordentlich getoppt werden. "Die Top 50, Top 30 sind ganz klar unser Ziel", sagte er nach seinem Sieg über das Vorhaben von sich und Trainer Günter Bresnik. "Spielerisch ist das auf jeden Fall möglich."

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Er müsse weiter hart an sich arbeiten, dann habe er mit nun 28 Jahren sicher noch fünf, sechs gute Jahre vor sich. "Deswegen werde ich alles reinhauen, was geht, und ich glaube, wenn wir so weitermachen, wird das auch aufgehen." Allmählich würde die Arbeit mit Bresnik Früchte tragen, nachdem die Rückkehr in die Südstadt nicht leicht gewesen sei. "Wir waren uns einig, dass die ersten Monate nach dem Wechsel nicht einfach werden, dass da zunächst nicht die besten Resultate rauskommen."

Nach seinem im August wegen der Geburt seines Sohnes Konstantin genommenen Papa-Monat wurden erste Erfolge der Kooperation sichtbar. Anfang Oktober verpasste Novak den Titel bei einem gut dotierten Challenger in Orleans nur durch eine Dreisatz-Finalniederlage. "Ich habe viel dazugelernt, seit ich wieder bei Günter bin. Jetzt schön langsam fängt es an, Früchte zu tragen. Aber wir sind noch lange nicht da, wo wir sein wollen."

Die neue Familiensituation treibe ihn ebenso an, das Heimkommen auch nach Niederlagen mache im Gegensatz zu früher viel Freude. "Die frischgebackene Vaterschaft tut mir sehr, sehr gut, weil die letzten Wochen habe ich auch schon sehr, sehr gutes Tennis gezeigt, gute Gegner geschlagen." Nun aber wollte er das auch vor Heim-Publikum zeigen. "Mir war es wichtig, dass ich da jetzt auch einmal ein enges Match gewinne. Weil ich habe genug enge Matches in den letzten Jahren in Wien verloren."

"Brauche die Bühne"

Umso mehr sei er über seine "sehr, sehr gute Leistung" nun mega-happy - und auch über die Unterstützung der Fans. "Das gibt mir sehr, sehr viel. Ich glaube, ich bin eher so ein Spieler, der solche Bühnen braucht, den das motiviert", erklärte der in Klosterneuburg ansässige Novak. "Ich habe es extrem genossen, die Stimmung war grandios." Das hat mir natürlich extra etwas gegeben. Innerlich habe ich das schon alles aufgesaugt. Ich glaube, dass hat mir in engen Momenten geholfen."

Selbst Bresnik hielt es dann und wann nicht mehr auf seinem Sitz, das sieht man nicht alle Tage. Novak: "Bei Günter weiß man, dass er eher die Ruhe in Person ausstrahlt. Wenn er dann aufspringt, gibt mir das dann auch ein gutes Gefühl." Aus seiner Box wirkte auch Jürgen Melzer motivierend auf ihn ein, in seiner Funktion als ÖTV-Sportdirektor. "Ich habe einen sehr, sehr guten Draht zu Jürgen, ich respektiere ihn sehr. Ich frage ihn auch immer wieder nach Tipps. Wir stehen immer im Austausch."

Gegen seinen am Mittwochnachmittag zu ermittelnden nächsten Gegner wird es in jedem Fall ein Premieren-Match, denn weder gegen den Südtiroler Sinner noch gegen den US-Amerikaner Opelka hat Novak bisher gespielt. "Ich schaue mir auf der Couch an, wer gewinnt und mache dann eine gute Taktik." Den 20-jährigen Sinner, Weltranglistenelfer, bezeichnete Novak als äußerst starken aufstrebenden Spieler. Opelka sei ein starker Aufschläger, aggressiv von der Grundlinie.

Tsitsipas, Zverev weiter

Im Achtelfinale ist Novak jedenfalls in guter Gesellschaft. Denn nach dem wiedererstarkten ehemaligen Weltranglistenersten Andy Murray haben auch die Favoriten Stefanos Tsitsipas und Sascha Zverev nach einigen Schwierigkeiten letztlich souverän die erste Hürde genommen. Am Dienstag hatte sich auf dem Center Court der Wiener Stadthalle zunächst der topgesetzte Tsitsipas gegen den Bulgaren Grigor Dimitrow 7:6, 6:4 durchgesetzt, der zweitgereihte Zverev folgte mit einem 6:2, 7:5 gegen den Serben Filip Krajinovic. Die nächsten Gegner der beiden sind der US-Qualifikant Frances Tiafoe beziehungsweise der Australier Alex de Minaur, der den früheren Wien-Sieger Kevin Anderson ausschaltete.

Für Tsitsipas war sein Sieg eine gelungene Revanche für die im Vorjahres-Achtelfinale gegen Dimitrow erlittene Niederlage. Sein 30-jähriger Kontrahent schien auch diesmal auf einem guten Weg, war früh einige Male knapp am Break, ließ aber alle Chancen inklusive einer 6:3-Führung im Tiebreak aus. Tsitsipas hingegen nutzte seinen ersten Satzball. Ähnlich der zweite Durchgang, in dem der Weltranglistendritte seinen ersten Breakball nutzte und damit nach 93 Minuten das Match gewann.

Auch Topstar Stefanos Tsitsipas durfte jubeln. 
- © apa / expa / Florian Schroetter

Auch Topstar Stefanos Tsitsipas durfte jubeln.

- © apa / expa / Florian Schroetter

"Es war ein hochklassiges Spiel, Grigor ist ein starker Gegner", meinte Tsitsipas danach. "Ich musste alles auf dem Platz lassen, um zu gewinnen." Er habe seinen Plan, die Vorhand-Volleys im Aufsteigen zu nehmen und das Spiel zu diktieren, gut verfolgt. Gegen den über den Serben Dusan Lajovic siegreich gebliebenen Tiafoe hat Tsitsipas auf der Tour eine 2:1-Bilanz, zuletzt besiegte er den 23-Jährigen aus Florida in der ersten Runde der Olympischen Sommerspiele von Tokio.

Ruud über seine Steigerung

Der French-Open-Finalist hat bisher sieben ATP-Titel gewonnen, fünf davon auf 250er-Ebene. Dazu kommt jener heuer beim Masters-1000-Event in Monte Carlo. Vor zwei Jahren blieb Tsitsipas beim World-Tour-Finale erfolgreich, im Finale gegen Dominic Thiem. Was dem 23-Jährigen aber noch fehlt, ist ein ATP-500-Titel. Denn gleich sieben seiner zehn Finalniederlagen passierten ihm auf dieser Ebene. Seine nächste von noch vier Hürden auf dem Weg zur 500er-Premiere gilt es am Donnerstag zu nehmen.

Zverev hielt sich vor den Augen seiner Freundin Sophie Thomalla mit Krajinovic vorerst nicht lange auf, nach einer guten halben Stunde war der erste Satz in der Tasche. Nach dem 1:1 im zweiten Satz riss aber der Faden beim Olympiasieger, plötzlich sah sich der Hamburger mit einem 2:5-Rückstand konfrontiert. Seinen Unmut darüber verwandelte der Weltranglistenvierte freilich in positive Energie, mit fünf Gamegewinnen in Folge hatte er die Partie nach gesamt 82 Minuten in der Tasche.

"Ich dachte, schlechter als da beim 2:5 kann nicht mehr spielen", sagte  Zverev über das Umstellen des mentalen Schalters. "Ab 3:5 habe ich dann wieder viel besser gespielt, ein Match kann sich schnell drehen." Die Unterstützung der Zuschauer genoss der 24-Jährige sichtlich: "Das Publikum gibt die Emotionen, die wir als Sportler brauchen." Gegen den 24-jährigen de Minaur hat dieser seinen einzigen Sieg in fünf Duellen zu Beginn 2020 beim ATP Cup gefeiert.

Den Auftakt am Center Court am Nationalfeiertag hatte Casper Ruud gemacht. Der heuer schon fünffache ATP-Turniersieger setzte sich gegen den Südafrikaner Lloyd Harris nach 105 Minuten 7:5, 7:6 durch. "Ich bin jetzt fähig, meine Chancen zu nutzen, die meisten wichtigen Punkte sind zu meinen Gunsten ausgegangen", erklärte der Weltranglistenachte nach seinem 50. Match-Sieg 2021. Der Kitzbühel-Sieger hat die Chance, wie Dominic Thiem 2019 das Österreich-Titeldoppel zu holen.

Für dem im Vorjahr zum Auftakt an Sinner gescheiterten Ruud war es ebenso der erste Wien-Sieg wie für Auger-Aliassime. Die 21-jährige Nummer sechs des Turniers gab dem Litauer Ricardas Berankis 6:3, 6:2 das Nachsehen, trifft nun auf Cameron Norrie. Der britische Indian-Wells-Sieger hatte den Ungarn Marton Fucsovics mit 7:6, 6:1 im Griff. Ruud, Sinner, Norrie und auch Auger-Aliassime sind Anwärter auf die beiden noch zwei freien Plätze für die ATP-Finals im November.

Die Aktiven des Erste Bank Open dürfen sich über eine Preisgelderhöhung auf zumindest knapp mehr als 1,95 Millionen Euro freuen, die Gesamtdotation beträgt nun etwa 2,09 Millionen Euro. Für den Turniersieger fallen demnach aktuell 275.074 Euro ab. Möglich ist die Änderung durch eine in der Corona-Zeit gültige Ausnahmeregelung, wonach das Preisgeld von der Zuschauerauslastung abhängig gemacht werden kann. 6.000 Zuschauer kamen am Dienstag in die Stadthalle, 1.000 zum Neben-Court am Heumarkt. (red/apa)