Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. Das ist nicht nur eine (mittlerweile eher un-)gern gehörte Floskel in der Coronavirus-Pandemie, sie trifft auch auf die Tennisszene und da im Speziellen auf Dennis Novak zu. In Abwesenheit von Österreichs Topstar Dominic Thiem will sich der aktuell in der Weltrangliste auf Platz 116 stehende Niederösterreicher von Woche von Woche, von Turnier zu Turnier nach vorne arbeiten - auch, um eine Qualifikation für die Australian Open zu umgehen, aber vor allem, um seinem Ziel, die Top 50 der Weltrangliste zu erreichen.

Beim Heimturnier in Wien hat das Vorhaben freilich eher mittelgut funktioniert, doch allzu sehr wollte sich Novak nicht mit der Enttäuschung über die 4:6, 2:6-Niederlage gegen Jannik Sinner im Achtelfinale aufhalten. Novak ist damit in guter Gesellschaft: Auch der als Nummer eins gesetzte Grieche Stefanos Tsitsipas schaffte es durch eine 6:3, 3:6, 4:6-Niederlage nicht in die Runde der letzten Acht.

Sinner, der heute im Viertelfinale auf Casper Ruud trifft, ist nicht nur die Nummer elf der Welt, sondern auch aktuell einer der beständigsten und erfolgreichsten Spieler auf der Tour. Und Matches gegen genau solche Spieler würden ihm weiterhelfen, betont Novak. Er habe in den vergangenen fünfeinhalb Monaten trotz einer kleinen Auszeit nach der Geburt seines Kindes Fortschritte gemacht, sagt der seit Mitte April wieder von Günter Bresnik betreute Novak, daran gelte es aufzubauen. "Mein Ziel sind die Top 50 und weiter nach vorne, ich habe hart zum Arbeiten", sagt der 28-Jährige. Dass er gegen Sinner keine seiner sechs Breakchancen verwertete, ärgerte ihn, doch auch daraus will er seine Lehren ziehen. "Ich hätte mich mehr trauen, mehr riskieren müssen. Ich habe beim Breakball ja nix zu verlieren."

Auf der Tour verlor Novak auch sein fünftes Spiel gegen einen Top-15-Spieler. "Mehr Matches auf dem Niveau gegen solche Spieler bringen mehr Erfahrung. Ich hatte schon genug Matches, aber das Ziel ist, mich Woche für Woche zu verbessern, mit (starken/Anm.) Leuten zu trainieren und auch Matches gegen sie zu spielen." Im Wien erhielt er auch die Chance auf Trainings mit Weltklassespielern.

Vorfreude auf Djokovic

Eine Gelegenheit auf ein nächstes Topmatch wird er schon beim Daviscup Ende November in Innsbruck bekommen, wenn er in Abwesenheit von Dominic Thiem als Österreichs Nummer eins auf die Nummer eins der Welt, den Serben Novak Djokovic trifft. "Degen Djokovic mag keiner gerne spielen, aber ich freue mich sehr drauf. Es ist eine Chance, die ich habe, dass ich zeige, was ich kann. Ich hoffe, ich kann ihn bestmöglich ärgern. Im Daviscup ist immer alles möglich. Ich erwarte aber nicht, dass ich ihn in zwei Sätzen wegschieße. Ich habe nichts zu verlieren, kann locker drauflos spielen. Dann werden wir eh sehen."

Zum Grand-Slam-Turnier nach Australien werde er - ob es sich mit einem Fixticket für den Hauptbewerb ausgeht oder nicht - auf alle Fälle reisen; wie die meisten, aber eben nicht alle Spieler auf der ATP-Tour, ist er gegen Covid-19 geimpft. Zur mittlerweile auf politische Ebene gehoben und etwas aufgebauschten Debatte um den noch nicht geimpften Dominic Thiem will er sich nicht äußern. "Ich habe dazu nicht zu sagen. Dominic wird wissen, was er macht."