Ein Abschluss war es nicht, krönend allemal. Denn nach den Erste Bank Open in Wien, die von Zuschauern wie Spielern euphorisch aufgenommen worden waren - Sieger Sascha Zverev sprach von einer der "schönsten Wochen des Jahres", der unterlegene Finalist Frances Tiafoe gar von der "besten Woche meines Lebens" -, geht das Tennis-Jahr nun nicht nur wetterbedingt in einen heißen Herbst.

Schon in dieser Woche lädt Paris zum Masters-1000-Turnier, an dem auch die US-Open-Finalisten Daniil Medwedew und der Weltranglistenerste Novak Djokovic teilnehmen, gleichzeitig findet in Prag erstmals der Billie-Jean-King-Cup als Nachfolger des Fed Cups der Damen statt. Am 14. November startet das Saisonabschlussturnier der besten acht männlichen Spieler in Turin, ab 25. November ist Innsbruck einer der Schauplätze des Finalturniers im Daviscup.

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Für den Wiener Turnierdirektor Herwig Straka geht es daher von der Nachbetrachtung des Stadthallen-Turniers fließend in die nächste Vorbereitung über. Das Finalturnier mit zwei Gruppen sowie einem Viertelfinale vom 25. bis 30. November geht mit Novak Djokovic, aber ohne den verletzten Dominic Thiem und ohne Zverev in Szene. Bisher wurden für die Österreich-Spiele gegen Serbien (26. November) und Deutschland (28. November) 3.500 Karten abgesetzt. "Wir haben ursprünglich nicht mehr aufgelegt, wir hätten damals wesentlich mehr verkauft", berichtet der Steirer. Hätte man damals, ähnlich wie in Wien, schon gewusst, dass es eine 2G-Regel geben wird, hätte man auch für die Olympiaworld in der Tiroler Hauptstadt besser planen können. "Es ist für Innsbruck ein einmaliges Event, diese Weltstars zu sehen."

Sieger Sascha Zverev schwärmt von Wien und kündigt ein Wiedersehen an. - © apa / Georg Hochmuth
Sieger Sascha Zverev schwärmt von Wien und kündigt ein Wiedersehen an. - © apa / Georg Hochmuth

Problematisch wird nun in Bezug auf die steigenden Corona-Zahlen die Anreise internationaler Fans. "Ja, wir schielen eher auf die Einreisethematik, weil der Westen in Österreich ja alles andere als rosig ist. Es wird Probleme mit der Einreise geben, was internationale Gäste betrifft, das trifft uns hart", sagt Straka. Daher wolle man in der Vermarktung verstärkt in die regionale Schiene umschwenken. Theoretisch gäbe es nun die Möglichkeit, dank 2G ähnlich wie in Wien ein volles Haus zu haben. "Aber praktisch werden wir nicht voll werden, weil die internationalen Zuschauer fehlen werden."

"Bis nächstes Jahr"

Zufrieden konnte Straka indessen mit dem Turnier in der Stadthalle und - erstmals - auf dem Heumarkt als zweitem Schauplatz sein, der gut angenommen wurde. Die 2G-Regel hat der Stadthalle beim Finale 7.600 Gäste beschert, die beim 7:5, 6:4-Sieg Zverevs gegen Tiafoe für großartige Stimmung sorgten. "Ich habe es oft gesagt, der Sport hat Zuschauer vermisst. Es war unglaublich besonders, tausende Menschen wieder zu sehen. Ihr habt uns gezeigt, wie schön es sein kann, vor vollen Stadien zu spielen. Ich bin überglücklich, dass ich gleich diese Trophäe hochheben kann, bis nächstes Jahr", sagte Zverev in Richtung des Publikums.

Der Weltranglistenvierte steht neben Djokovic, Medwedew, Stefanos Tsitsipas, Andrej Rublew und Matteo Berrettini bereits als Teilnehmer des ATP-Finalturniers fest; die besten Chancen auf die verbleibenden zwei Plätze haben in Abwesenheit der rekonvaleszenten Rafael Nadal, Thiem und Roger Federer nun Casper Ruud und Jannik Sinner, der mit seinem Halbfinale in Wien erstmals in die Top Ten der Welt einzog. Thiem indessen rutschte erstmals seit seinem erstmaligen Eintritt im Jahr 2016 aus diesem Kreis hinaus und ist nun Zwölfter.

Das immer stärker werdende Feld junger, nachrückender Spieler könnte es ihm noch eine Spur schwieriger machen, wieder den Status von einst und vielleicht auch mehr zu erreichen. Zverev sieht darin aber kein Problem. "Ich weiß, was er für ein Champion ist, ich weiß, dass er einer der besten Tennisspieler der Welt ist. Das weiß jeder."

An eine Handgelenksverletzung müsse man aber "mit Vorsicht rangehen", zumal Thiem mit einer einhändigen Rückhand und "extrem viel Power" spiele. "Es muss gesundheitlich gut für ihn laufen." Für Zverev selbst jedenfalls läuft’s. Und noch ist die Saison ja nicht zu Ende.(art/apa)