Die Luft wird dünner. Und dünner. In der Höhe von Mexiko-Stadt finden Max Verstappen und Lewis Hamilton keine Zeit für eine Atempause im rasanten Formel-1-Titelkampf. Auf mehr als 2.250 Metern über dem Meeresspiegel will Mercedes-Pilot Hamilton am Sonntag (20 Uhr MEZ/Servus-TV) als Verfolger zurückschlagen. Besser stehen allerdings die Vorzeichen für eine Verstappen-Fiesta in der Mittelamerika-Metropole. Der Grand Prix gilt wegen seiner atmosphärischen Ausnahmebedingungen als Wohlfühlstrecke von Red Bull Racing.

"Wir alle im Team sind zuversichtlich, dass wir einen wirklich guten Job machen können. Aber wir müssen an den Details arbeiten und in Mexiko noch einmal von vorne anfangen, um das Beste aus unserem Gesamtpaket herauszuholen", sagte Verstappen, der zwei der jüngsten drei Rennen auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez für sich entscheiden konnte.

Der spektakuläre Kurs sollte Red Bull liegen, aber was heißt das schon in dieser so umkämpften WM-Saison 2021? Fakt ist: In dünner Luft dreht der Honda-Motor auf. Er besitzt einen etwas größeren Turbolader als die Konkurrenz, dadurch kann Leistung besser freigesetzt werden. Zudem wirkt sich die Höhenluft auch auf die Aerodynamik aus. Teams können mit maximalem Abtrieb fahren, weil der Luftwiderstand deutlich geringer ist, was den Red-Bull-Boliden in der Vergangenheit ebenfalls zugutekam. Vor allem Mexiko und auch das folgende Rennen in Brasilien könnten die WM vorentscheiden. Der Trumpf liegt vorerst also bei Red Bull. "Auf solche Leistungsvorhersagen kann man nichts geben", meinte Teamchef Christian Horner. "Zwischen beiden Teams geht es sehr eng zu. Ich hoffe, dass Mexiko wieder eine gute Strecke für uns sein wird."

Hamiltons Fiesta Mexicana 2017 und 2018

Sie war es aber auch schon für Mercedes. Hamilton feierte in Mexiko jeweils vorzeitig 2017 seinen vierten und 2018 seinen fünften WM-Titel. Der siebenfache Weltmeister stapelte im Vorfeld aber wieder einmal tief: "Die nächsten Strecken sind sehr starke Kurse für Red Bull. Das wird hart. Ganz sicher." Auf Mexiko-Stadt und São Paulo folgt Katar als Abschluss des letzten Tripleheaders (drei Rennen an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen) in dieser Saison. In der Fahrerwertung liegt Hamilton zwölf Punkte hinter Verstappen. An Gesetzmäßigkeiten glaubt der Brite aufgrund der jüngeren Erfahrungen nicht. Mercedes-Teamchef Toto Wolff erst recht nicht, nachdem Verstappen vor zwei Wochen in den USA gewinnen konnte. Austin galt vorher als Silberpfeil-Territorium. "In diesem Jahr ist alles möglich, und Strecken, auf denen man bisher schwächer gewesen ist, zählen plötzlich zu deinen Stärken und umgedreht", sagte Wolff.

Mercedes will gegen das so starke Red-Bull-Team eine WM-Entscheidung bis zum Ende offen halten. "Ziel muss sein, dass wir zum letzten Rennen kommen und absolut eine Chance haben zu gewinnen", sagte Wolff bei RTL/ntv. Die Chancen auf Hamiltons historischen achten WM-Titel seien "absolut intakt".

Vorhersagen? Unmöglich. Rennfahren sei "doch oft anders, als man plant. Deshalb ist die Meisterschaft erst zu Ende, wenn man mathematisch nicht mehr gewinnen kann", konstatierte Wolff.

Und Hamilton beteuerte, dass er es in dem immer hitziger werdenden Titel-Duell sicher nicht darauf anlegen werde, per taktischem Crash zu gewinnen. "Wir haben nie eine Weltmeisterschaft auf diese Art gewonnen, ich habe nie eine Weltmeisterschaft auf diese Art gewonnen. Ich bin hier, um auf die richtige Art zu gewinnen", sagte der Brite.