Ein historischer Olympia-Sieg für Deutschland, der inoffizielle Weltmeistertitel, dazu fünf weitere Turniersiege in den vergangenen elf Monaten, zuletzt in der Wiener Stadthalle - es war ein fast perfektes Tennisjahr für Sascha Zverev. Am Sonntag bezwang er den Russen Daniil Medwedew im Endspiel des erstmals in Turin ausgetragenen World-Tour-Finales mit 6:4, 6:4 und holte sich zum zweiten Mal nach 2018 - damals im Finale gegen Novak Djokovic - den Titel der nach den Majors wichtigsten Veranstaltung im Tenniskalender. Dem 24-Jährigen gelang damit in nur 75 Minuten auch eindrucksvoll die Revanche für die knappe Niederlage gegen seinen russischen Jugendfreund in der Vorrunde.

Dementsprechend groß war auch der Respekt danach. "Ich war gegen jemanden im Finale, gegen den ich fünfmal nacheinander verloren habe", sagte Zverev. "Ich musste eines meiner besten Matches spielen und bin glücklich, dass mir das gelungen ist."

Tatsächlich scheint Zverev aus seinen Fehlern gelernt zu haben. Der im Vergleich zu den Vorjahren schon die ganze Saison über verbesserte Aufschlag sowie seine bekannt druckvollen Grundlinienschläge erwiesen sich als Schlüssel zum Erfolg, zudem ergriff er gegenüber der Vorrundenpartie mehr die Initiative und präsentierte sich insgesamt konsequenter und aggressiver.

Es war das Spiegelbild einer Saison, die für den Weltranglistendritten - Zverevs unterlegener Halbfinalgegner Novak Djokovic liegt weiterhin mit großem Abstand voran, jener des zweitplatzierten Medwedew auf den Deutschen schrumpfte aber bis auf 800 Punkte - viele Erfolgserlebnisse, aber auch eine Enttäuschung parat gehalten hatte.

Daviscup in Innsbruck

Zwar hat er noch nie so viele Turniersiege wie heuer gefeiert, zwar kam in dieser Wertung auch kein anderer an sein halbes Dutzend heran, dennoch nagt der noch immer fehlende Grand-Slam-Titel an ihm. Diese gingen heuer nämlich mit der Ausnahme der US Open, die Medwedew für sich entscheiden konnte, an Djokovic, was zeigt, welch Ausnahmeathlet der Serbe nach wie vor ist. Es ist das bereits siebente Mal, dass er eine Saison als Nummer eins der Welt abschließt.

Während es für Djokovic (und einige andere Topspieler) nun beim Daviscup, der unter anderem in Innsbruck ausgetragen wird, weitergeht, ist die Saison für Zverev beendet, der schon davor abgesagt hat. Er bereitet sich nun auf das nächste Tennisjahr vor - auf dass er seine Sammlung dann vielleicht vervollständigen kann.(art)