Lewis Hamilton ist zurück in dem Modus, für den ihn seine Gegner gewöhnlich fürchteten. Man habe "den Löwen in ihm geweckt", konstatierte Mercedes-Boss Toto Wolff mit Blick auf den siebenmaligen Formel-1-Weltmeister. Durch Hamiltons Sieg in Katar steuert das packende Titelduell auf den ultimativen Höhepunkt zu. Nach einigen Jahren der vorverlegten WM-Entscheidungen spricht derzeit einiges für Drama beim Saisonfinale in Abu Dhabi. Zuvor geht es noch zu einer weiteren Formel-1-Premiere - nach Saudi-Arabien.

Lewis Hamiltons jüngster Doppel-Sieg kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Nach seiner furiosen Fahrt in Brasilien war der Erfolg in Katar kaum gefährdet. Hamilton kontrollierte die Spitze wie zu besten Zeiten auch dank des perfekt abgestimmten Wagens. "Die letzten beiden Wochen waren fantastisch. Aber es gibt noch keinen Grund für Party. Ich halte meinen Kopf unten und bleibe dran", sagte der Pilot. Wenn er Max Verstappen überholt, wäre er mit dann acht Titeln künftig alleiniger Rekordweltmeister und hätte Michael Schumacher übertrumpft.

Erstes enges Duell seit 2016

Schon am Tag nach seinem Katar-Triumph wollte Hamilton das Training fortsetzen, um beim Rennen am 3. Dezember in Saudi-Arabien bereit zu sein. Wenn Verstappen auf dem neuen Kurs in Jeddah gewinnt und Hamilton maximal Siebenter wird, würde das bereits für einen Machtwechsel reichen. Das ist aber nur eines von mehreren Szenarien. Acht Punkte liegt der Titelverteidiger immerhin gegenüber Verstappen im Hintertreffen. Ein Ausfall wäre für Hamilton klarerweise desaströs.

"Wir geben nicht auf, aber sicher hat uns das Wochenende die Geschwindigkeit gefehlt", meinte Verstappen, der in der Wüste nahe Doha mit Platz zwei maximale Schadensbegrenzung betrieb. Dabei hatte ihn eine Startplatzstrafe fünf Plätze zurückgeworfen, allerdings machte er diesen Rückstand gekonnt wieder wett. Nur der souveräne Hamilton blieb für ihn zu jeder Zeit unerreichbar. "Es bleibt ein Kampf bis zum Ende", sagte der 24-jährige Herausforderer. Als Team hätte Red Bull "dieses Jahr einen unglaublich Job gemacht im Vergleich zu den Vorjahren."

Hochspannung bis zum Ende gab es in der Formel 1 schon lange nicht mehr. Seine jüngsten vier WM-Titel holte Hamilton alle vorzeitig. Den einzigen engen Kampf bis zum diesjährigen verlor er in Abu Dhabi 2016 gegen Teamkollege Nico Rosberg. Dass sich Piloten aus verschiedenen Teams bis zum Schluss duellierten, gab es in der Formel 1 zuletzt 2012.(apa)