Deutschlands Daviscup-Team hat auch schon bessere Zeiten erlebt. Dreimal holte man den Pokal vulgo die hässlichste Salatschüssel der Welt, doch das ist lange her. 1988, 1989 und 1993 war das, die ersten beiden Male mit Boris Becker (und Carl-Uwe Steeb) und das bisher letzte Mal mit Michael Stich im Finale.

Jetzt hat Deutschland keinen Becker und keinen Stich, dafür in Sascha Zverev einen amtierenden Olympia- und Masters-Sieger. Doch ausgerechnet der fehlt dem DTB-Team von Michael Kohlmann beim Finalturnier, was die Chancen der Deutschen auf einen vierten Triumph eher nicht fördert.


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Doch unterschätzen sollten vor allem die Österreicher, die in ihrem zweiten Gruppenspiel am Sonntag (ab 16 Uhr/ServusTV) in der leeren Olympiahalle in Innsbruck auf sie treffen, die Deutschen nicht. Zum einen hat man bisher alle fünf Duelle mit dem großen Nachbarn verloren - auch wenn vom 2:3 in Unterpremstätten vor allem Thomas Musters Siege gegen Marc-Kevin Göllner und Stich in Erinnerung blieben -, zum anderen liegen alle drei potenziellen Einzelspieler Kohlmanns in der Weltrangliste vor dem besten Österreicher.

Daviscup-Veteran Jan-Lennard Struff führt das Team als Nummer 51 der Welt an, dicht gefolgt von Dominik Koepfer als 54. Dazu kommt Peter Gojowczyk als 85., der sieben Jahre nach seinem bisher letzten Daviscup-Auftritt vor Extra-Motivation nur so sprüht. "Wir wissen von der Tour, wie stark sie sind. Dazu sind alle drei Spieler, die über die Emotion kommen und für Deutschland sicher über sich hinauswachsen können", sagt Kohlmann vor dem Auftakt gegen Serbien am Samstag.

Das hofft freilich auch sein Pendant Stefan Koubek von seinem Team, in dem Dennis Novak in Abwesenheit Dominic Thiems als Nummer 118 der Welt der am besten platzierte Spieler ist. Für das zweite Einzel kommen Jurij Rodionov und der erfahrenere Gerald Melzer in Frage (die Aufstellung kann bis eine Stunde vor Spielbeginn gemacht werden).

Erfahrung und Kompaktheit

Novak hat sowohl gegen Struff (0:2) als auch gegen Koepfer (0:1) eine negative Bilanz, alle diese Spiele fanden aber nicht auf ATP-Ebene, sondern bei darunter angesiedelten Turnieren statt. Gojowczyk musste er sich heuer beim ATP-Turnier in Montpellier ebenso geschlagen geben, auf der Challenge-Tour hat er in diesem Jahr aber auch schon einen Sieg gegen den 32-Jährigen gefeiert.

Dennis Novak hat gegen die Deutschen eine negative Bilanz. 
- © apa / Georg Hochmuth

Dennis Novak hat gegen die Deutschen eine negative Bilanz.

- © apa / Georg Hochmuth

An Erfahrung und Kompaktheit haben die Deutschen den Österreichern jedenfalls einiges voraus, ob das aber ausreicht beziehungsweise ob es sie im Turnier weiterführen wird, bleibt allerdings abzuwarten. Die Gruppensieger haben ihr Tickets für das Viertelfinale sicher, die besten zwei Gruppenzweiten noch eine Chance, via Restplatzbörse nach Madrid in die nächste Turnierphase zu gelangen.

Titelverteidiger hart getroffen

Angesichts der Konkurrenz auch in den anderen Gruppen wird das kein einfaches Unterfangen, wenngleich nicht nur Deutschland und Österreich, sondern vielen Nationen Topspieler fehlen und ergo Überraschungen nicht ausgeschlossen sind. Besonders hart getroffen hat es ausgerechnet den Titelverteidiger: Spanien muss nicht nur den langzeitverletzten Rafael Nadal vorgeben, sondern auch den Ausfall von Roberto Bautista Agut verkraften. Unmittelbar vor Turnierbeginn sagte auch noch Jungstar Carlos Alcaraz ab. Der 18-Jährige wurde positiv auf das Coronavirus getestet und kann die Veranstaltung nur daheim vor dem Fernseher verfolgen.

Zumindest das hat er mit den österreichischen Tennisfans gemein, die Lockdown-bedingt nicht in die Innsbrucker Halle dürfen. Auch der Daviscup in Österreich hat schon bessere Zeiten erlebt. Damals, in Unterpremstätten zum Beispiel.