Hätt’ i’, war’ i’ - man kennt das eher aus anderen Sportarten. In dem Fall aber trifft es auch auf Österreichs Tennis zu, das die Saison in der Gruppenphase des (Heim-)Daviscups in Innsbruck abschloss. Für den Aufstieg ins Viertelfinale reichte es trotz teilweise guten Leistungen auch in Abwesenheit von Dominic Thiem nicht, am Ende steht ein: "Ja eh schön, aber . . .", ein "Ja eh schön, aber", das sich irgendwie durch die gesamte Saison zieht.

Hätte Gerald Melzer also seine Auftaktpartie gegen Serbien gewonnen, "ganze Wochenende schaut anders aus", sagte Österreichs Daviscup-Kapitän Stefan Koubek. Und hätten die Österreicher nach Jurij Rodionovs 6:1, 7:5-Sieg über den Deutschen Dominik Koepfer am Sonntag nachgelegt, "es wäre einiges drinnen gewesen". So aber folgten dem 0:3 gegen die Serben sowie dem Sieg Rodionovs weitere Niederlagen Dennis Novaks gegen den erfahrenen Jan-Lennard Struff (5:7, 4:6) sowie des Doppels Oliver Marach/Philipp Oswald gegen Kevin Krawietz/Tim Pütz (3:6, 4:6) - und das Ausscheiden war besiegelt. Die Deutschen sind damit Gruppensieger in Pool F und spielen am Dienstag (16 Uhr) in Innsbruck gegen Großbritannien um den Einzug ins Halbfinale in Madrid. Ins Viertelfinale stiegen nur die sechs Gruppensieger in Innsbruck, Turin und Madrid sowie die zwei punktebesten Gruppen-Zweiten auf.

Trotzdem sei er "stolz" auf sein Team, sagte Koubek. "Sie haben super gearbeitet die Woche, sich gut vorbereitet und alles probiert. Es ist schade, wenn du dann mit 1:5 (Niederlagen, Anm.) rausgehst, aber am Ende des Tages war sicherlich ein bisserl mehr drinnen. Ich kann aber niemandem einen Vorwurf machen", meinte der ÖTV-Kapitän, dessen Vertrag per Jahresende ausläuft, und der noch einmal das Fehlen der Zuschauer im Gegensatz zu den anderen Schauplätzen in Turin und Madrid bedauerte. "Ich muss noch einmal öfter jammern. Ich bin wirklich, wirklich enttäuscht, weil keine Fans da sein konnten. Das hätte uns sehr geholfen."

Thiem-Comeback im Dezember

Zufrieden durfte ungeachtet des Mannschaftsergebnisses lediglich Rodionov sein. Der 22-jährige Niederösterreicher besiegte den höher eingeschätzten Koepfer nach 85 Minuten und meinte danach, aber freilich noch, bevor die Team-Niederlage feststand: "Es ist ein tolles Gefühl, ich bin den Tränen nahe." Für Rodionov war es in seinem insgesamt vierten Davis-Cup-Einzel der erste Sieg für Österreich. Gegen Koepfer war es für Rodionov sogar schon sein insgesamt dritter Sieg im dritten Duell, unter anderem hatte er den Deutschen dieses Jahr in der ersten Stuttgart-Runde auf Rasen in drei Sätzen geschlagen.

Insgesamt aber war es auch für Rodionov eine "Ja eh schön, aber"-Saison. Nachdem er schon vor zwei Jahren als Riesentalent scheinbar nur knapp vor dem Durchbruch gestanden war, liegt er jetzt als Nummer 141 der Weltrangliste weiterhin nicht dort, wo er eigentlich zu diesem Zeitpunkt sein wollte. Selbiges gilt für Dennis Novak, den Weltranglisten-118. Vorne allein auf weiter Flur liegt aus rot-weiß-roter Sicht weiterhin Dominic Thiem, allerdings ist auch er in dieser Saison erstmals seit Langem aus den Top Ten gepurzelt und bekleidet derzeit den 15. Rang. Thiem war neben den durchwachsenen sportlichen Leistungen aber auch lange am Handgelenk verletzt, er wird beim Einladungsturnier in Abu Dhabi Mitte Dezember sein Comeback geben und will bei den Australian Open wieder neu durchstarten.

Einfacher wird aber auch die kommende Saison nicht, schließlich kehrt nicht nur Thiem, sondern beispielsweise auch Rafael Nadal zurück, zudem agiert Novak Djokovic weiter in Hochform und kommen die "jungen Wilden" immer besser in Schwung. In Stein gemeißelt ist freilich nichts. Aber.(art)