Handball ist jetzt nicht unbedingt der erste Sport, den man mit China assoziiert. Und qualifiziert haben sich die Chinesinnen ja auch nicht für diese WM, also nicht so richtig. Denn über die Asienmeisterschaft, bei der wegen des kleinen Teilnehmerfeldes nur fünf anstatt wie vorgesehen sechs Plätze für die Welttitelkämpfe ausgespielt wurden, schafften die Chinesinnen, die wegen der Corona-Pandemie abgesagt hatten, den Sprung dorthin nicht; stattdessen war die Equipe des dänischen Teamchefs Heine Jensen auf eine Wild Card angewiesen. Stichwort: neue Märkte und so. Man kennt das.

Dennoch trifft Österreichs Frauen-Team bei der WM in Spanien am Donnerstag (18 Uhr/ORF1) in ihrem Auftaktspiel nicht nur auf die "die große Unbekannte", wie der derzeit wegen einer Coronavirus-Infektion in Österreich festsitzende ÖHB-Trainer Herbert Müller sagt, sondern auf eine starke Truppe, die in Gruppe H, in der außerdem noch Gastgeber Spanien und Argentinien warten, nicht zu unterschätzen sein wird. "Wir reden hier nicht von Fallobst, das du einfach so wegräumen kannst", sagt Müller. Seit 1986 sind die Chinesinnen mit - inklusive dieser - 17 Teilnahmen Dauergast bei Weltmeisterschaften. Bei Asienmeisterschaften konnte die Truppe bereits neun zweite Plätze feiern. Und mit dem sechsten Platz bei Olympia 2008 sowie der Heim-WM 2009 - übrigens dem bis dato letzten Großereignis, bei dem auch Österreich dabei war - ging noch einmal ein Schub durch den chinesischen Frauen-Handballsport - auch wenn die jüngsten Ergebnisse zu wünschen übrig ließen. Vor zwei Jahren blieb nur der 23. Platz, seitdem hat das Team kein großes Turnier bestritten.

Corona-Schock überwinden

Die Bilanz ist jedenfalls allemal besser, als es die Ergebnisse der Österreicherinnen zuletzt waren. Diese konnten sich seit 2009 für kein Großereignis mehr qualifizieren, dass es diesmal klappte, war schon ein erster Erfolg. Der Aufstieg in die Hauptrunde war bei der Abreise das erklärte Ziel von Routinier Sonja Frey und Co. - auch wenn die jüngsten Ereignisse die Planungen etwas durcheinanderbrachten.

Anstatt Herbert Müllers, der wie sein Co. Erwin Gierlinger und Legionärin Katarina Pandza unmittelbar vor der Abreise am Dienstag positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden ist, wird das Team nun vorerst von Müllers Bruder und Nachwuchs-Teamchef Helfried betreut. Dass der Schock bei den abschließenden Tests spurlos an den ÖHB-Frauen vorbeigegegangen wäre, könnte man nicht behaupten; ÖHB-Generalsekretär Bernd Rabenseifner sagte, man sei "aus allen Wolken gefallen", als man davon Kenntnis erlangt hatte. "Dass trotz PCR-Tests vor Anreise, Bubble-Konzept, 100 Prozent Impfquote und mehreren zusätzlichen Covid-Tests der gesamten Delegation, am Ende der WM-Vorbereitung positive Test-Ergebnisse auftreten, ist wirklich bitter."

An den Zielen ändere sich aber nichts, betonte Sportdirektor Patrick Fölser. "Alle im Team haben lange auf dieses Turnier hingearbeitet, und so liegt es in unser aller Verantwortung, jetzt unbeirrt weiter alles zu investieren, um unsere Ziele zu erreichen." Helfried Müller kenne die Spielerinnen und das System sehr gut. Fölser: "Das Team ist dazu zu 100 Prozent bereit".

Das wird auch notwendig sein, schließlich gilt es, sich nicht zu sehr mit den Gegnerinnen oder der Corona-Situation zu beschäftigen, sondern in erster Linie mit sich selbst. "Wir müssen die Basics besser machen als die Chinesinnen", sagt Herbert Müller. "Wir dürfen uns nicht zu sehr an die Mannschaften anpassen. Wir haben gezeigt, dass wir uns an Große anpassen können, aber auch gezeigt, dass wir uns an Kleine anpassen. Wir müssen über Entschlossenheit und Geschlossenheit kommen und besser und mehr kämpfen als alle anderen."(art)