Sportlich dürfte es eines der spannendsten Wochenenden im Motorsport seit langem werden, hinter den Kulissen aber ist es eines der umstrittensten. Erstmals macht die Formel 1 in Saudi-Arabien Station, und hier könnte beim Nachtrennen in Jeddah am Sonntag (18.30 Uhr) auch schon der neue Weltmeister gekürt werden. Sollte der WM-Führende Max Verstappen den Grand Prix gewinnen und Lewis Hamilton maximal Platz sieben holen, wäre der Niederländer jedenfalls erstmals Weltmeister, auch andere Szenarien könnten schon vor dem letzten Rennen in Abu Dhabi eine Entscheidung herbeiführen.

Auf Rechenspiele will sich aber keiner der Beteiligten einlassen, sowohl der mit acht Punkten führende Verstappen als auch der siebenfache Weltmeister Hamilton geben sich vor dem vorletzten Rennen der Saison betont gelassen. Er werde das Rennen "so angehen wie schon die ganze Saison", sagt der 24-jährige Verstappen, der die beiden vergangenen Jahre als Dritter beendet hat. Der um zwölf Jahre ältere Hamilton indessen, der die beiden jüngsten Rennen gewinnen konnte und damit so wie mit seiner Routine einen gewissen psychologischen Vorteil hat, fühlt sich "entspannt", wie er sagt.

Fragen nach der Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien kann aber auch er sich nicht erwehren. Das Königreich versuche, ungeheuerliche Menschenrechtsverletzungen unter öffentlichen Spektakeln und Sportereignissen zu begraben", urteilt Nahost-Experte Michael Page von Human Rights Watch. Hamilton, der sich immer wieder zum Fürsprecher von Minderheiten gemacht hat, räumt dazu ein, sich nicht wirklich wohl dabei zu fühlen. Aber: "Es ist nicht meine Entscheidung, hier zu fahren."(art)