Die Fackel wurde weitergereicht, und sie ist in guten Händen." Es war niemand Geringerer als Ray Allen, der bisherige Drei-Punkte-Rekordhalter der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA, der sich als einer der ersten Gratulanten einstellte.

Dabei hatte Stephen Curry, der 33-jährige Superstar der Golden State Warriors, Allen gerade nicht nur die Fackel, sondern auch eine Bestmarke entrissen, von der man glaubte, sie würde wohl nie geknackt werden. Beim 105:96-Auswärtssieg gegen die New York Knicks in der Nacht auf Mittwoch verbesserte Curry den Rekord an Drei-Punkte-Würfen auf 2.977 erfolgreiche Versuche. Der 2014 zurückgetretene Allen hatte es in seiner Karriere auf 2.973 Dreier gebracht.

"Das hier im Madison Square Garden zu schaffen, ist etwas Besonderes. Ich kann gar nicht sagen, wie geehrt ich bin wegen der Reaktion hier auf diesen Meilenstein", sagte Curry, der in seiner Karriere schon viele Höhepunkte erlebt hatte, seit er 2009 von den Warriors gedraftet wurde. Drei Mal hat er diese zum Meistertitel geführt, selbst wurde er sieben Mal ins NBA-All-Star-Team gewählt sowie zwei Mal als Most Valuable Player der Liga ausgezeichnet.

Nach seinem Rekordwurf nahm sein Team eine Auszeit, um den nächsten Meilenstein gebührend zu zelebrieren, nach Spielende ließ sich der aus einer Basketball-Dynastie stammende Curry - Vater Dell spielte in der NBA, sein jüngerer Bruder Seth hat es ebenfalls dorthin geschafft - mit den früheren Rekordhaltern Allen und Reggie Miller fotografieren, die Menschen in der legendären Halle in Manhattan waren aus dem Häuschen.

Zahlreiche andere Granden des Basketball-Sports spendeten via Twitter Applaus. "Gerade in Dallas angekommen, um zu sehen, wie Stephen Curry den Rekord gebrochen hat, und es macht es noch größer, dass er es im Garden gemacht hat. Wow, gratuliere, Brother, unglaublich", schrieb Lakers-Superstar LeBron James, versehen mit zahlreichen Großbuchstaben und Ausrufezeichen.

Curry, der kleine, große Mann des Basketballsports

Ein solches hat Curry nun freilich nicht nur für sich, sondern auch für die Liga und den US-Sport an sich gesetzt. Denn es sind genau solche Glanzlichter, die die eher düsteren Zeiten erhellen, Schmankerl, die die Liga wie einen Bissen Brot braucht. Die Corona-Pandemie hat dem Sport arg zugesetzt, vor der Saison hatte die Debatte um die Nicht-Impfung von Brooklyn-Nets-Star Kyrie Irving die Schlagzeilen bestimmt und die Szene gespalten.

Denn eigentlich hatte sich die Liga ein besonders strenges Corona-Regime verordnet, um Spiel- und damit Einnahmenausfälle wie in den beiden Vorsaisonen zu vermeiden.

Doch von Normalität kann im Basketball wie im restlichen US-Sport noch lange keine Rede sein. In der Nacht auf Dienstag fehlten etwa Brooklyn beim 131:129 n.V. gegen die Toronto Raptors neben dem noch immer nicht eingesetzten Irving gleich sieben Spieler, die entweder als positiv auf Sars-CoV-2 Getestete oder als Kontaktpersonen Geltende im sogenannten "Corona-Protokoll" der Liga stehen und damit nicht antreten dürfen. Auch Österreichs NBA-Export Jakob Pöltl in Diensten der San Antonio Spurs hatte in dieser Saison aus diesem Grund schon einige Partien verpasst, sich zuletzt aber mit starken Leistungen zurückgemeldet.

Schmankerl wie diese sind genau das, was die Liga wie einen Bissen Brot braucht

Überstrahlt werden solche aber freilich von Spielern wie Curry. Der mit 1,88 Metern Körpergröße verhältnismäßig kleine, große Rekordmann hat das Spiel von jenseits der Drei-Punkte-Linie in den vergangenen Jahren auf ein neues Level gehoben. Das wird auch daraus ersichtlich, dass sein Vorgänger Allen für seine Ausbeute am Ende 1.300 Spiele brauchte. Curry rückte nun schon nach 789 Partien an die Spitze der Bestenliste.

"Ich bin gespannt, wo der Rekord steht, wenn er mal bei 1.300 Spielen angekommen ist. Er hat noch vier, fünf, sechs Jahre vor sich. Dieser Rekord wird nie gebrochen werden", prognostiziert TV-Experte und NBA-Ikone Shaquille O’Neal.

So bald wird Curry jedenfalls nicht bereit sein, die Fackel wieder herzugeben.