Zuerst waren es zwei, nun sind es bereits sieben. Corona-Fälle im polnischen Team haben den Auftaktgegner Österreichs bei der Handball-EM am Freitag (20.30 Uhr/ORF Sport+) am Tag vor dem Spiel erschüttert. Von einer Schwächung will ÖHB-Teamchef Ales Pajovic aber nicht sprechen. "Ich habe mich isoliert von Fragen wie ,spielt jetzt der oder der‘. Wir sind auf alles vorbereitet, aber vor allem auf unser Spiel fokussiert", sagt Pajovic.

Betroffen sind Adam Morawski, Piotr Chrapkowski, Jan Czuwara, Kacper Adamski und Damian Przytula, sie müssen nun in Quarantäne.

Das Quintett gehört allerdings nicht zur ersten Reihe der Polen, die außerdem nicht das einzige Team sind, das im Vorfeld des Turniers mit Corona-Fällen konfrontiert ist. Neben Kroatien des - inzwischen wieder "negativen" - Regisseurs Domagoj Duvnjak und Dänemark sind auch Schweden, Frankreich, Serbien, Montenegro und Portugal betroffen.

Aus den Reihen der weiteren Gegner der Österreicher in Gruppe D, Deutschland (Sonntag) und Belarus (Dienstag), sind noch keine derartigen Meldungen eingegangen.

Piotr Chrapkowski (r.) wird gegen Österreich fehlen. - © afp / Anne-Christine Poujoulat
Piotr Chrapkowski (r.) wird gegen Österreich fehlen. - © afp / Anne-Christine Poujoulat

Auch die österreichische Equipe, die sich seit 2. Jänner in Stockerau und nun auch in einer eigenen Etage am Spielort Bratislava abgeschottet, diese nur zum Training und für kleinere Spaziergänge verlassen und auf die geplant gewesenen Testspiele verzichtet hat, ist bisher von unliebsamen Überraschungen verschont geblieben. Umso größer ist nun die Vorfreude, dass es endlich losgeht - und das alles andere als in einem Spiel "zum Aufwärmen", sondern vielmehr mit einem, das bereits ein Schlüssel für den angepeilten Aufstieg in die Hauptrunde der besten Zwölf sein könnte. Von null auf hundert muss daher die Devise der österreichischen Handballer sein.

Turniererfahrene Polen

Von Lagerkoller oder Differenzen innerhalb der Mannschaft könne zwar keine Rede sein, betonen die am Donnerstag noch sichtlich gut gelaunten Teamspieler rund um den von einer langen Verletzungspause zurückgekehrten Kapitän Nikola Bilyk - "aber natürlich war die Zeit etwas eintönig. Wir haben versucht, das Beste rauszuholen, denn für die Spiele, die jetzt kommen, trainiert man. Jetzt hoffen wir, dass wir auch zeigen können, was wir trainiert haben." Vor allem an der Defensive, in den vergangenen Jahren immer wieder die Achillesferse im rot-weiß-roten Team, habe man intensiv gearbeitet.

Das wird auch nötig sein, schließlich handelt es sich bei den Polen wie auch bei den anderen Gegnern um eine - Corona hin oder her - starke Mannschaft, deren Herzstück laut Bilyk die kompakte Abwehr ist, und die auch schon viel Erfahrung bei großen Turnieren sowie eine deutlich positive Bilanz gegen Österreich mitbringt.

Polen hat 2007 den Vizeweltmeistertitel geholt und ist dreifacher WM-Dritter, zuletzt 2015. Das bisher beste Ergebnis bei Europameisterschaften war Platz vier bei der Euro 2010 in Österreich, als man unter anderem Deutschland, Schweden und Spanien bezwang. Von bisher 22 Spielen gegen Österreich gingen bei einem Remis 15 Siege an die Polen, sechs an die Österreicher.

Allerdings sind diese Begegnungen lange her, viele der Stars von einst nicht mehr dabei, während Österreichs Mannschaft mittlerweile gereift ist. Und wie schnell sich die Dinge in (Corona-)Zeiten wie diesen ändern können, erleben nicht zuletzt die Polen schon vor dem Turnier.