Australian Open ohne Novak Djokovic? Ja, die gibt es. Und andere Topstars, die sich dort in Szene setzen können, die gibt es auch. Am ersten Tag des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres haben diese sich auch wenig Blöße gegeben. Rafael Nadal, wie Djokovic, der am Wochenende nach seinem Einreisestreit unfreiwillig das Land verlassen musste, und der verletzungsbedingt fehlende Roger Federer 20-facher Grand-Slam-Sieger, besiegte den US-Amerikaner Marcos Giron am Montag in der ersten Runde glatt 6:1, 6:4, 6:2.

Die australische Weltranglistenerste Ashleigh Barty ließ der ukrainischen Qualifikantin Lesia Zurenko mit 6:0, 6:1 nicht den Hauch einer Chance. Auch Titelverteidigerin Naomi Osaka kam souverän weiter. Die Japanerin setzte sich gegen Camila Osorio aus Kolumbien 6:3, 6:3 durch. Alexander Zverev erledigte die Pflichtaufgabe gegen seinen deutschen Landsmann Daniel Altmaier mit einiger Mühe in drei Sätzen. Der als Nummer drei gesetzte Olympiasieger gewann 7:6, 6:1, 7:6, sein nächster Konkurrent ist der Australier John Millman.

Nadal, der das Turnier 2009 für sich entschieden hatte, ist der einzige frühere Australian-Open-Champion im Männer-Feld. Der Weltranglistenfünfte hatte wegen einer komplizierten Fußverletzung im vergangenen Jahr mehrere Monate pausiert. In der Vorbereitung auf die Australian Open gelang dem 35-Jährigen mit einem Turniersieg in Melbourne ein perfektes Comeback. Beim dortigen Grand-Slam-Turnier könnte er vom Fehlen des Weltranglistenersten Djokovic profitieren. Sein Zweitrundengegner ist der deutsche Qualifikant Yannick Hanfmann. Lokalmatadorin Barty bekommt es nach ihrem eindrucksvollen Auftakterfolg auch in der zweiten Runde mit einer Qualifikantin zu tun. Sie trifft auf die Italienerin Lucia Bronzetti. Osaka spielt gegen Madison Brengle (USA). Die Japanerin hatte sich nach den US Open im September vom Tennis zurückgezogen und eine längere Pause eingelegt. Zuvor hatte sie ihre Depressionen öffentlich gemacht.

French Open in Gefahr?

Djokovic war am Sonntag aus Melbourne abgereist, nachdem das Bundesgericht Australiens seinen Einspruch gegen die Annullierung des Visums wegen seiner fehlenden Corona-Impfung abgelehnt hatte, und Montagmittag nach einem Zwischenstopp in Dubai in der serbischen Hauptstadt Belgrad gelandet. Dem zuvorgegangen war ein wochenlanger Streit um seinen Impfstatus. Djokovic verweigert die Impfung gegen das Coronavirus und machte bei seiner Einreise offenbar eine überstandene Infektion vom Dezember geltend. Nachdem sich Politik und Justiz zunächst nicht einig waren, ob dies eine Ausnahmegenehmigung rechtfertigt, wurden widersprüchliche Angaben in Djokovics Einreisedokumenten publik. Zudem steht der Serbe in der Kritik, weil er sich - wenn die Angaben stimmen - nach Erhalt seines positiven Testergebnisses nicht an die Quarantäneauflagen gehalten und bei seiner Ankunft in Melbourne nicht bekannt gegeben hatte, in welchen Ländern er sich in den 14 Tagen davor aufgehalten hatte.

Novak Djokovic droht auch bei den French Open Ungemach. - © afp / Martin Bureau
Novak Djokovic droht auch bei den French Open Ungemach. - © afp / Martin Bureau

Nun droht ihm neues Ungemach: Denn nach Angaben der französischen Sportministerin Roxana Maracineanu dürfen aufgrund neuer Gesetzesbestimmungen künftig in- und ausländische Sportler nur an Bewerben teilnehmen, wenn sie geimpft oder genesen sind - was heißt, wenn Djokovics Status nicht bei den French Open einwandfrei festgestellt ist, könnte er auch dort die Teilnahme verpassen. Australien hatte er indessen "extrem enttäuscht" verlassen müssen. Dem 34-Jährigen droht nun ein dreijähriges Einreiseverbot in Australien. Der australische Regierungschef Scott Morrison sprach zwar von einer "sehr klaren Botschaft", deutete aber auch an, dass Djokovic Australien "unter gewissen Umständen" vor Ablauf der üblichen Dreijahresfrist wieder betreten könnte. Und dann könnte es doch auch wieder Australian Open mit Novak Djokovic geben.(apa/red)