Vielleicht hatte man sich ja auch zu sehr auf den schwierigsten Gegner dieser EM-Vorrundengruppe D konzentriert? Und schwierig heißt in diesem Falle wirklich schwierig. Wie ein kurzer Blick in die Statistik zeigt, hat Österreichs Handball-Nationalmannschaft seit 1952 nicht weniger als 31 von insgesamt 37 Pflichtspielen gegen (West-)Deutschland verloren. Gegen die DDR setzte es überhaupt nur Niederlagen (18). Dabei war die Leistung, welche die Mannen von Teamchef Ales Pajovic beim jüngsten 29:34 am Sonntag gegen die Deutschen in Bratislava gezeigt haben, so übel nicht. Nur wird diese Sternstunde, als man den großen Nachbarn erstmals seit Jahren zumindest ein wenig an der Rand einer Niederlage brachte, eine sportliche Anekdote bleiben.

Denn das Drama spielte sich bereits beim Auftakt gegen Polen, das man eigentlich hatte bezwingen wollen (und sollen), ab. Statt mit einem Erfolg die Basis für den Aufstieg zu legen, setzte es am Freitag eine 31:36-Pleite, und das, obwohl die polnische Mannschaft von Corona-Ausfällen stark dezimiert war. Dass man es aufgrund des dichten Spielplans innerhalb von weniger als 50 Stunden gleich mit Deutschland zu tun bekam, machte die Erfüllung der Mission EM nicht gerade leichter. Dementsprechend kritisch fielen daher auch die Kommentare der Spieler aus. "Ich finde es einfach extrem schade, dass wir es vorgestern nicht einmal annähernd geschafft haben, so eine Leistung zu zeigen wie heute", sagte etwa Flügelspieler Sebastian Frimmel, mit neun Toren Österreichs Topwerfer. "Ich habe gedacht, das ist der Tag, an dem wir Deutschland schlagen", ergänzte Pajovic enttäuscht.

Sieg soll Setzung verbessern

Damit Österreich eine Chance auf den Aufstieg gehabt hätte, hätten die Polen gegen den dritten Gruppengegner Belarus verlieren müssen - was sie freilich nicht taten. Das heißt aber nicht, dass das Abschlussspiel am Dienstag gegen die Weißrussen (20.30 Uhr/ORF Sport+), wie Kritiker argwöhnen, deswegen nur Trainingsspielcharakter haben muss. Nicht nur bietet dieses Spiel der jungen und hungrigen Nationalelf die Gelegenheit, sich erhobenen Hauptes von dieser EM zu verabschieden, auch geht es darum, die Head-to-Head-Bilanz gegen die Osteuropäer etwas aufzupolieren. Seit dem ersten Zusammentreffen anlässlich eines EM-Qualifikationsspieles im März 1994 in Linz - das Österreich übrigens 28:17 gewann - hat das heimische Nationalteam "nur" 11 von 21 Partien verloren, immerhin endeten die jüngsten Spiele mit einem Sieg und einem Remis. Weiter denkt indessen Pajovic. "Es geht um die Platzierung und darum, dass wir in der weiteren WM-Qualifikation eine bessere Ausgangsposition haben", erklärte er.

Konkret peilt die ÖHB-Auswahl eine Setzung im Qualifikations-Play-off für die WM 2023 an, die vieles tendenziell leichter machen würde. Aller Voraussicht nach ist dafür neben einem Sieg über Weißrussland der Sprung unter die drei besten Gruppendritten erforderlich - also zumindest Platz 15. Dies hängt freilich von anderen ab, immerhin wird man zum Zeitpunkt des Anpfiffs abschätzen können, welches Torverhältnis man braucht. "Wir sind bereit", betonte Pajovic. Diesmal muss er sich aber wirklich nur auf einen Gegner konzentrieren. (rel/apa)