Im Moment der Niederlage wollte Tom Brady nicht über die Zukunft sprechen. "Ich denke nur an dieses Spiel. Ich denke nicht daran, was nächstes Jahr sein könnte", sagte der sichtlich geknickte Quarterback der Tampa Bay Buccaneers, nachdem diese in der zweiten Play-off-Runde der nordamerikanischen Football-Liga NFL mit 27:30 gegen die Los Angeles Rams gescheitert waren. Brady und Co. haben sich damit für diese Saison aus der NFL verabschiedet - ob es ein Abschied für immer ist für einen der größten Stars, den dieser Sport je hervorgebracht hat, kann derzeit niemand vorhersagen. Nicht einmal und schon gar nicht der 44-Jährige selbst.

Brady hat zwar bereits mehrfach betont, sich vorstellen zu können, auch mit 45 Jahren noch Profi-Football zu spielen. Doch das war in Augenblicken des Triumphs, in denen alles möglich schien. Beispielsweise vor fast genau einem Jahr, als er die Buccaneers zum Titel führte. Für ihn persönlich war es der siebente Super-Bowl-Gewinn, nachdem er sie sechsmal mit den New England Patriots geholt hatte. Abgesehen davon hat der Ehemann von Gisele Bündchen, der sich auch auf den roten Teppichen Hollywoods zu Hause fühlt, zahlreiche Rekorde aufgestellt und persönliche Auszeichnungen abgestaubt, in seiner Karriere aber auch für Kontroversen gesorgt: mit seiner (später etwas relativierten) Bewunderung für den früheren US-Präsidenten Donald Trump oder mit der Deflategate-Affäre, mit der sich die Patriots 2015 - unter Beteiligung ihres Superstars - mutmaßlich zum Titel geschwindelt hatten.

Chiefs nach Kampf weiter

Das alles tat den Huldigungen der Fans für Brady keinen Abbruch. Nun aber sind neue Superstars in den Startlöchern oder bereits daraus hervorgeschlüpft; die Chancen, dass Brady einen weiteren Super-Bowl-Triumph feiern kann, werden nicht besser - selbst wenn er seine Karriere fortsetzen könnte. Für die NFL würde ein Ende derselben freilich einen weiteren Verlust bedeuten. (Auch) Ben Roethlisberger wird nach dem Ausscheiden der Pittsburgh Steelers in der ersten Play-off-Runde gegen die Kansas City Chiefs im kommenden Jahr wohl nicht mehr dabei sein.

Für Brady war die Niederlage in der Nacht auf Montag jedenfalls besonders bitter, blieb doch eine bemerkenswerte Aufholjagd, bei der er seine Klasse ein weiteres Mal unter Beweis stellte, unbelohnt. Die Entscheidung brachte ein Field Goal von Rams-Kicker Matt Gay mit Ablauf der Spieluhr. Brady hatte Tampa zuvor nach einem 3:27-Rückstand Mitte des dritten Viertels 42 Sekunden vor Schluss noch zum Ausgleich geführt. Die Rams schlugen aber noch einmal zurück. Quarterback Matthew Stafford fand zweimal seinen Top-Passempfänger Cooper Kupp, Gay versenkte den Ball aus 30 Yards.

Die Rams wechseln nun ins eigene Stadion. Im Finale der National Football Conference empfangen sie nächsten Sonntag (0.40 Uhr in der Nacht auf Montag) die San Francisco 49ers. Auch die Super Bowl LVI geht in ihrem neuen SoFi Stadium in Inglewood über die Bühne. Unterdessen sind die Kansas City Chiefs nur noch einen Sieg von der dritten Super-Bowl-Teilnahme in Serie entfernt. In einem dramatischen Duell mit den Buffalo Bills gewannen die Chiefs nach Verlängerung 42:36 und spielen im Conference Final der AFC am kommenden Sonntag gegen die Cincinnati Bengals. Tom Brady wird dabei nur noch Zuschauer sein - und das möglicherweise bereits als Sport-Pensionist.(art)