Tennis-Fans dürfen bei den Australian Open nun doch T-Shirts mit der Aufschrift "Wo ist Peng Shuai?" tragen. Die Veranstalter des Grand-Slam-Turniers reagierten nach der Kritik an dem Verbot und nahmen ihre Einschränkung zurück. Das bestätigte Turnierdirektor Craig Tiley am Dienstag, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. "Wenn sie das tun wollen, ist das in Ordnung", sagte Tiley demnach.

Es sei aber niemand auf der Tennis-Anlage willkommen, der die Absicht habe, die Sicherheit der Fans zu stören. Banner sollen verboten bleiben, wie die australische Zeitung "The Age" berichtete.

Zuvor hatten die Veranstalter Zuschauern untersagt, T-Shirts als Unterstützung für Peng Shuai zu tragen und darauf verwiesen, dass ihre Eintrittskartenbedingungen keine politischen Botschaften erlauben. Peng Shuai, die frühere Weltranglistenerste im Doppel, hatte Anfang November im sozialen Netzwerk Weibo Vorwürfe wegen eines sexuellen Übergriffs durch einen chinesischen Spitzenpolitiker veröffentlicht. Der Post wurde bald danach gelöscht.

WTA bezog klar Stellung

Seither äußerten Sportler, Politiker und Menschenrechtler Sorge um ihr Wohlergehen. Die Damentennis-Organisation WTA hatte stets klar Position bezogen, Aufklärung gefordert und sich mit den Turnieren aus China zurückgezogen. In öffentlichen Auftritten bestritt Peng später, Vorwürfe erhoben zu haben.

Unterstützer von Peng Shuai in Australien haben am Montag erklärt, sie wollen 1.000 T-Shirts mit dem Aufdruck der mittlerweile berühmten Frage im Melbourne Park verteilen, nachdem man auf einer Website über 10.000 australische Dollar zu diesem Zweck erhalten hatte.

Nadal mit Kampf ins Halbfinale

Sportlich bemerkenswert war am Dienstag vor allem der enorme Kampfgeist, mit dem es Rafael Nadal ins Halbfinale geschafft hat. Der 25-jährige Spanier besiegte im Viertelfinale trotz mitten im Match aufgetretener Magenprobleme den Kanadier Denis Shapovalov nach 4:08 Stunden mit 6:3, 6:4, 4:6, 3:6, 6:3. Im Halbfinale trifft Nadal, dem noch zwei Siege zum 21. Rekord-Major-Titel fehlen, auf Matteo Berrettini (ITA-7) oder Gael Monfils (FRA-17).

Nadals Glück: Das Semifinale geht erst am Freitag über die Bühne, er hat also einen zusätzlichen freien Tag. Der einzige der "big three", der dieses Jahr beim ersten Grand Slam am Start ist, steht zum siebenten Mal im Halbfinale von Melbourne. Noch zwei Siege fehlen ihm auf Major-Titel Nummer 21, der ihn von Roger Federer und Novak Djokovic (ebenfalls je 20 Titel) abheben würden.

Doch Nadal, der 2009 seinen bisher einigen Grand-Slam-Sieg "down under" geholt hat, war am Dienstag vorerst einmal froh, die fünfte Hürde im Turnier genommen zu haben. Denn nach einer 2:0-Satzführung wurde Nadal plötzlich unpräziser, der Aufschlag ließ nach und er umlief die Vorhand nicht mehr so oft: Der Grund war ein Magenproblem, das ihn im vierten Satz bei 1:4 den Doktor auf den Platz rufen ließ. Dank schnellem Check und einer Magentablette fing sich Nadal wieder und war im fünften Satz wieder voll da.

Und nun steht eine der Tennis-Ikonen der Gegenwart wieder im Semifinale, womit er nicht gerechnet hatte. "Natürlich bin ich überrascht. Vor zwei Monaten habe ich nicht einmal gewusst, ob ich auf die Tour zurückkehren werde", sprach Nadal auf dem Court seine Leidensgeschichte der vergangenen sechs Monate an.

Shapovalov zerstörte nach dem Matchball frustriert sein Racket und hatte zuvor schon mehrmals mit dem Schiedsrichter angeeckt, weil er sich eine Zeitverwarnung gegen Nadal wünschte. "Ihr Typen seid alle korrupt", entglitt Shapovalov dann, da musste er selbst froh sein, keine Verwarnung zu erhalten.

Für Nadal ist es nun jedenfalls ein großer Vorteil, dass erstmals die beiden Semifinali erst am Freitag gespielt werden. "Das ist sehr wichtig. Ich bin keine 21 mehr", meinte Nadal lachend. Doch die Zahl 21 könnte noch aus anderen Gründen eine große Rolle spielen. Dazu muss sich Nadal am Freitag in die Position bringen.

Barty hält Hoffnungen am Leben

Bei den Frauen jubeln die Tennis verrückten Australier weiter mit Ashleigh Barty. Die topgesetzte Lokalmatadorin überrollte die US-Amerikanerin Jessica Pegula mit 6:2, 6:0 und hat in fünf Matches nur 17 Games abgegeben. Die Chance, dass sich Barty am Samstag zur ersten Heim-Siegerin beim ersten Tennis-Slam des Jahres seit Chris O'Neil (1978) kürt, ist jedenfalls sehr groß.

In ihrem zweiten Major-Halbfinale vor eigener Kulisse trifft Barty nun mit Madison Keys erneute auf eine Amerikanerin. Die ungesetzte Keys überraschte mit einem glatten 6:3, 6:2-Sieg über die als Nummer 4 gereihte tschechische French-Open-Siegerin Barbora Krejcikova. Auch Keys steht zum zweiten Mal im Melbourne-Halbfinale (nach 2015).

Die Weltranglisten-Vierte Krejcikova sah bei Temperaturen um die 30 Grad mitgenommen aus. Beim Stand von 2:5 im ersten Satz ließ sie sich untersuchen und den Blutdruck messen. Keys, im Ranking lediglich 51., unterstrich mit elf Assen ihre Aufschlagstärke und überzeugte mit druckvollem Spiel.

Vor sieben Jahren hatte Keys im Semifinale gegen Serena Williams verloren. Ihr bisher bestes Grand-Slam-Resultat gelang ihr 2017 mit dem Einzug ins Endspiel der US Open gegen ihre Landsfrau Sloane Stephens.

Die Frauen spielen erstmals beide Halbfinali in der Night Session am Donnerstag, womit also den beiden weiteren Semifinalistinnen, die am Mittwoch ermittelt werden, nur ein Tag Pause bleibt. (apa/dpa/reuters)