Die Zahl 21 ist keine, die in der Mythologie jetzt eine besondere Bedeutung hätte. Im Tennis hat sie das umso mehr. Sie steht nicht nur für die 21 Grand-Slam-Siege, die Rafael Nadal gefeiert hat, und damit für einen Rekord, der lange unerreichbar schien; sie steht vor allem für Durchhaltevermögen, Kampfgeist und eines der märchenhaftesten Comebacks nicht nur im Tennis, sondern im Sport überhaupt - und ist damit Lehrbeispiel gar über dessen Grenzen hinaus.

Mit seinem 2:6, 6:7, 6:4, 6:4, 7:5-Finalsieg über den Russen Daniil Medwedew bei den Australian Open in Melbourne hat Nadal seine Langzeitrivalen Novak Djokovic und Roger Federer an Major-Triumphen hinter sich gelassen und damit Geschichte geschrieben - doch es sind die Geschichten, die dahinterstecken, die den Erfolg so besonders machten.

. . . und vor 13 Jahren bei seinem ersten Sieg in Australien. - © afp / Paul Crock
. . . und vor 13 Jahren bei seinem ersten Sieg in Australien. - © afp / Paul Crock

So war das Endspiel in der Rod-Laver-Arena vor den Augen des Namensgebers ein Spiegel der vergangenen Monate für den Spanier. Im Vorjahr laborierte er - wie schon so oft - lange an einer Verletzung, "vor wenigen Monaten habe ich nicht gewusst, ob ich auf die Tour zurückkommen kann", sagte Nadal dann auch nach dem verwerteten Matchball.

Doch während sich die ganze Welt auf Djokovic, zunächst auf das Verpassen des Golden Slams mit seiner Niederlage bei Olympia, danach bei den US Open des Ziels, alle Grand-Slam-Turniere in einem Jahr zu gewinnen, und schließlich auf seine Impfverweigerung, die Falschangaben bei der Einreise nach Australien und schließlich seine Ausweisung konzentrierte, schuftete Nadal an seiner Rückkehr zu alter Stärke.

Das und vor allem sein eiserner Wille machten ihn nunmehr in einem Turnier, in dem er zwischendurch wegen Magen- und Kreislaufbeschwerden kurz vor dem Kollaps stand, und noch mehr in einem Finale, in dem der mit 25 Jahren um zehn Jahre jüngere Medwedew lange Zeit der bestimmende Spieler war, zum Rekord-Champion. 13 Jahre nach seinem ersten Titel in Melbourne gelang dem früheren Weltranglistenersten aus Mallorca damit sein zweiter.

"Diese zwei Wochen werden ewig in meinem Herzen bleiben", sagte Nadal, der sich "super, super müde" fühlte. Doch trotz seines emotional wohl größten Triumphs denkt er nach wie vor nicht ans Aufhören. "Ich werde alles geben, dass ich nächstes Jahr wiederkommen kann."

Doch das Tennis könnte dann ein anderes sein. Bei Roger Federer steht nicht fest, ob und wann er zurückkommt, Djokovic wird - sofern er an den nächsten Major-Turnieren teilnehmen darf, was aufgrund seines unklaren Genesenenstatus und seiner Impfverweigerung unsicher ist - alles unternehmen, um Nadal den Rekord wieder abzuluchsen.

Vorerst blieb den beiden nichts als eine Respektsbekundung für den Spanier. "Aus tiefstem Herzen" beglückwünschte Federer seinen "Freund und großartigen Rivalen", schrieb Federer auf Instagram. "Vor einigen Monaten haben wir darüber gescherzt, dass wir beide auf Krücken gehen.
(. . .). Unterschätze nie einen großartigen Champion. Dein unglaublicher Arbeitsethos, deine Hingabe und dein Kampfgeist sind eine Inspiration für mich und unzählige andere." Auch Djokovic würdige die "unglaubliche Leistung" und den "immer beeindruckenden Kampfgeist" Nadals.

Es ist das, wofür die Zahl 21 steht. Und vorerst steht sie einmal in den Geschichtsbüchern.