Der internationale Sport reagiert uneins auf den russischen Angriff auf die Ukraine. In manchen Verbänden wird noch abgewartet, in anderen hat man bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Ein Überblick.

Fußball. Wenige Stunden nach dem Angriff russischer Truppen auf die Ukraine hat der ukrainische Fußball-Verband den Spielbetrieb der höchsten Liga ausgesetzt. Eigentlich sollte die Winterpause der Premier Liga am Freitag mit dem Spiel FK Minaj gegen Sorja Luhansk beendet werden. "Aufgrund der Verhängung des Kriegsrechts in der Ukraine wurde die ukrainische Meisterschaft ausgesetzt", teilte der Verband UAF am Donnerstag mit. Klubs wie Sorja Luhansk oder Schachtjor Donezk, die aus den bereits seit 2014 von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebieten der Ostukraine kommen, trainieren und spielen schon seit mehreren Jahren nicht mehr in ihrer Heimat.

Auch zahlreiche in Russland geplante Sportveranstaltungen stehen an der Kippe, allen voran das Champions-League-Finale, das am 28. Mai in St. Petersburg stattfinden soll. Die Uefa hat für Freitag ein Krisentreffen anberaumt, laut einer Quelle von Reuters soll dabei die Verlegung beschlossen werden.

Zuvor hatten Abgeordnete des EU-Parlaments die Uefa aufgefordert, das Spiel zu verlegen, die Zusammenarbeit mit Sponsor Gazprom zu beenden und Sanktionen gegen russische Funktionäre in Betracht zu ziehen, "die an der Verletzung des Völkerrechts mitschuldig sind", wie es in dem Schreiben heißt.

Eine erste Reaktion gibt es beim deutschen Zweitligisten Schalke 04. Das von Hauptsponsor Gazprom entsandte Aufsichtsratsmitglied Matthias Warnig habe sein Mandat niedergelegt, wie der Verein mitteilte. Der 66-Jährige hatte dem Gremium seit dem Juli 2019 als Mitglied angehört. Der österreichische Bundesligist FK Austria wird seit 2018 bis inklusive 2023 jährlich mit einer siebenstelligen Euro-Summe unterstützt. Am Mittwoch teilten die Wiener mit, man beobachte die Situation, pflege aber mit Gazprom ein "sehr gutes Zusammenarbeitsmodell".

Formel 1. Noch nicht absehbar sind die Folgen auch für das im Herbst geplante Formel-1-Rennen in Sotschi. "Die Formel 1 beobachtet die sehr fließenden Entwicklungen wie viele andere genau und hat zum jetzigen Zeitpunkt keinen weiteren Kommentar zu dem für September geplanten Rennen", hieß es am Donnerstag in einer ersten Stellungnahme der Rennserie: "Wir werden die Situation weiterhin sehr genau beobachten." Am 25. September ist in diesem Jahr der Grand Prix von Russland in Sotschi vorgesehen. Seit 2014 wird in dem Schwarzmeerort, in dem im gleichen Jahr auch die Olympischen Winterspiele stattfanden, gefahren. Eigentlich soll 2022 zum letzten Mal ein Rennen der Formel 1 in dem beliebten Urlaubsort stattfinden. Ab 2023 ist ein neuer Großer Preis vor den Toren von St. Petersburg geplant.

Ski. Die an diesem Wochenende angesetzten Weltcup-Veranstaltungen des Internationalen Skiverbandes (FIS) in Russland werden jedenfalls plangemäß stattfinden. Das teilte die FIS auf Anfrage der Austria Presse Agentur mit. "Die Sicherheit der Teilnehmer hat bei allen FIS Weltcup-Veranstaltungen höchste Priorität. Die FIS beobachtet zusammen mit allen beteiligten Stakeholdern die Eskalation im Russland-Ukraine-Konflikt genau", hieß es vonseiten des Weltverbandes. Sollte es aufgrund des Konflikts zu einer Änderung im aktuellen Weltcup-Kalender kommen, werde die FIS dies umgehend kommunizieren. "Die Teilnehmer der beiden am kommenden Wochenende stattfindenden FIS-Weltcups (Aerials und Ski Cross) sind direkt von Peking nach Russland gereist und damit vor der aktuellen Eskalation zwischen Russland und der Ukraine." Allerdings hat der ÖSV am Abend angekündigt, keine Sportler zu Veranstaltungen nach Russland oder in die Ukraine zu entsenden. Die Ski Crosser, die sich bereits dort aufhalten, würden umgehend nach Hause gebracht, hieß es in einer Aussendung.

Rodeln. Abgesagt worden ist indessen das Weltcupfinale der Naturbahnrodler in Moskau. Die Nationalteams wurden aufgefordert, Moskau sofort zu verlassen. Dies teilte Andreas Castiglioni, der Direktor des Internationalen Rodelverbandes, nach Beginn der Militäroperation Russlands in der Ostukraine den betreffenden Delegationen mit. Damit dürfte die Weltcupsaison auch beendet sein. Es führt der Südtiroler Alex Gruber, in Weltmeister Thomas Kammerlander und Titelverteidiger Michael Scheikl hätten ihn zwei Österreicher noch abfangen können. "Sportlich ist das natürlich schade, aber es gibt ganz klar wichtigere Dinge. Jetzt hoffen wir einfach, dass wir möglichst schnell gut nach Hause kommen", wurde Österreichs Nationaltrainer und Sportdirektor Gerald Kammerlander in einer Aussendung zitiert. (art/apa)