Der Fußball-Weltverband FIFA und die Europäische Fußball-Union UEFA haben am Montag Russland wegen des Angriffs auf die Ukraine von allen Wettbewerben suspendiert. Das bedeutet unter anderem, dass die russische Auswahl nicht am WM-Play-off Ende März teilnehmen kann. Außerdem steht RB Leipzig im Viertelfinale der Europa League, weil Spartak Moskau der Achtelfinal-Gegner gewesen wäre.

Zudem teilte die UEFA mit, dass die Zusammenarbeit mit Gazprom mit sofortiger Wirkung beendet wird. Der russische Ölkonzern zahlte seit 2012 kolportierte 40 Millionen Euro pro Jahr an die UEFA. Die Entscheidung betreffe alle bestehenden Verträge, einschließlich der Champions League, der Nationalmannschafts-Wettbewerbe und der EURO 2024 in Deutschland, hieß es.

Die Beschlüsse waren die logische Folge, nachdem das Internationale Olympische Komitee zuvor allen Weltverbänden und Ausrichtern von Sportveranstaltungen empfohlen hatte, russische und belarussische Sportler und Funktionäre nicht mehr an internationalen Wettbewerben teilnehmen zu lassen.

"Der Fußball ist hier vereint und in voller Solidarität mit allen betroffenen Menschen in der Ukraine. Beide Präsidenten hoffen, dass sich die Situation in der Ukraine deutlich und schnell verbessern wird, damit der Fußball wieder ein Faktor für Einheit und Frieden zwischen den Menschen sein kann", hieß es in der gemeinsamen Mitteilung von FIFA und UEFA.

Der ÖFB begrüßte das Vorgehen

Zustimmung gab es seitens des ÖFB. Man begrüße die Sanktionen und trage sie vollinhaltlich mit, hieß es in einer Aussendung am Montagabend. "Der ÖFB hat ein gemeinsames Vorgehen mit UEFA und FIFA angestrebt, da dies aus unserer Sicht am nachhaltigsten und sinnvollsten ist. Eine gemeinsame Stimme ist am lautesten und hat die größte Signalwirkung. So wird die Position des Weltfußballs einheitlich vertreten. Der Fußball steht in dieser schweren Zeit zusammen und zeigt sich solidarisch mit der ukrainischen Bevölkerung. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine verstößt gegen alles, wofür die Werte des Sports und der Menschlichkeit stehen", teilte ÖFB-Präsident Gerhard Milletich mit.

Den Entscheidungen waren zahlreiche Boykottdrohungen von Nationalverbänden vorangegangen. Wenige Stunden vor der FIFA- und UEFA-Entscheidung verkündeten die Fußballverbände von Dänemark, Norwegen und der Schweiz, vorerst nicht mehr gegen Russland antreten zu wollen.

Zuvor hatten Polen, Schweden und Tschechien angekündigt, dass sie in den Play-offs zur WM-Qualifikation nicht gegen Russland spielen werden. Polen war im Play-off-Halbfinale als Gegner von Russland gelost worden und hätte Ende März in Moskau antreten sollen. Polen hat nun als kampfloser Sieger Heimrecht gegen den Gewinner der Begegnung Schweden-Tschechien.

Eishockey schickt Russland und Belarus auf die Strafbank

Das Council des internationalen Eishockeyverbandes IIHF hat Russland und Belarus am Montagabend wegen des Krieges gegen die Ukraine bis auf weiteres von sämtlichen Bewerben ausgeschlossen. Schon zuvor hatten zumindest acht Landesverbände den Ausschluss Russlands von der A-WM im Mai in Finnland gefordert. Und Ausrichter Finnland hatte der IIHF mitgeteilt, dass es Russland und Belarus für die WM nicht ins Land lassen will.

Daraufhin zog das Council - auch mit der Rückendeckung des IOC, das seinen angeschlossenen Verbänden nahegelegt hatte, den Sportbetrieb mit Russen einzustellen - die Konsequenzen: Alle russischen und belarussischen Teams aller Altersklassen werden bis auf weiteres ausgeschlossen. Die U20-WM Ende des Jahres, die in Nowosibirsk hätte stattfinden sollen, wurde Russland entzogen. Wie sich die Ausschlüsse auf Auf- und Abstieg auswirken werden, entscheidet die IIHF später. Diskussionsbedarf gibt es auch über die A-WM 2023, die ebenfalls an Russland (St. Petersburg) vergeben ist. Offenbar laufen hinter den Kulissen Bestrebungen, Russland und Belarus bei der A-WM 2022 im Mai in Finnland durch Österreich und Frankreich zu ersetzen.

Unterdessen hat die NHL die Geschäftsverbindungen nach Russland gekappt. "Die National Hockey League verurteilt die Invasion Russlands in die Ukraine und drängt auf eine friedliche Lösung so schnell wie möglich", teilte die nordamerikanische Profi-Eishockey-Liga am Montag mit. Alle Beziehungen zu Geschäftspartnern in Russland seien ausgesetzt, zudem sollen auch die russisch-sprachigen Seiten der NHL und in den sozialen Netzwerken pausieren. Überlegungen, Russland in Zukunft als Ort für Wettkämpfe mit NHL-Verbindung zu nutzen, gebe es nun nicht mehr.

Zu den zahlreichen russischen Eishockey-Profis in der NHL teilte die Liga mit, man sorge sich um das Wohlergehen der Sportler, die "im Namen ihrer Clubs in der NHL spielen und nicht im Namen Russlands". Die Spieler und deren Familien befänden sich in einer "extrem schwierigen Position".

IOC empfiehlt eine Event-Teilnahme von Russland und Belarus

Das Internationale Olympische Komitee empfiehlt den Weltverbänden und Ausrichtern von Sportveranstaltungen, keine Sportlerinnen und Sportler sowie Funktionäre aus Russland und Belarus mehr an internationalen Wettbewerben teilnehmen zu lassen. Dazu entschloss sich die Spitze des IOC am Montag. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) will sich am Mittwoch mit der Thematik befassen, die Paralympics in Peking beginnen am Freitag.

"Bitte draußen bleiben" soll es künftig für russische Sportler heißen. - © afp / Alexander Nemenov
"Bitte draußen bleiben" soll es künftig für russische Sportler heißen. - © afp / Alexander Nemenov

Der Krieg in der Ukraine würde die Olympische Bewegung vor ein Dilemma stellen, heißt es vom IOC. Während Sportler aus Russland und Weißrussland weiterhin an Veranstaltungen teilnehmen könnten, werden viele Sportler aus der Ukraine wegen des Angriffs auf ihr Land daran gehindert. "Schweren Herzens" seien daher die Beschlüsse gefasst worden. Wo eine Ausladung/Nichtteilnahme aus organisatorischen oder rechtlichen Gründen kurzfristig nicht möglich sei, soll sichergestellt werden, dass kein Athlet oder Sportfunktionär aus Russland oder Weißrussland unter der Flagge des Landes teilnimmt, sondern nur noch als neutraler Athlet oder neutrale Mannschaft. Es dürfen keine nationalen Symbole, Farben, Flaggen oder Hymnen gezeigt werden.

Spende an ukrainischen Reitsport-Verband

Der Weltreiterverband FEI ist der Empfehlung des Internationalen Olympischen Komitees gefolgt und setzt wegen des Angriffs Russlands auf die Ukraine alle internationalen Veranstaltungen in Russland und Belarus aus. Das entschied das Exekutivkomitee, wie die FEI am Montagabend mitteilte. Das Gremium forderte zudem den FEI-Vorstand auf, "die Teilnahme aller russischen und weißrussischen Athleten und Offiziellen zu verbieten".

Der ukrainische Reitsport-Verband soll hingegen aus einem Solidaritätsfonds eine Million Schweizer Franken (972.000 Euro) erhalten. "Sport ist ein Netzwerk, das auf Teamgeist und Kameradschaft beruht und gedeiht, und durch diese wichtigen Freundschaften können wir den Menschen in der Ukraine in diesen schwierigen Zeiten Unterstützung bieten und etwas bewirken", sagte FEI-Präsident Ingmar De Vos aus Belgien.

Schachverband auf Distanz

Athleten aus der Ukraine hatten nach der Invasion Russlands in ihr Land das IOC und IPC in einem offenen Brief dazu aufgefordert, die nationalen Komitees von Russland und Belarus zu suspendieren und die Athletinnen und Athleten für Wettkämpfe zu sperren. "Russlands Einmarsch in die Ukraine, unterstützt von Belarus, ist ein klarer Verstoß gegen die Olympische und Paralympische Charta - ein Verstoß, den man mit strengen Sanktionen begegnen muss", schrieben die Athleten in dem von "Global Athlet" veröffentlichten Brief an die Präsidenten Thomas Bach (IOC) und Andrew Parsons (IPC).

Schon davor hatten zahlreiche Sportvereine und -verbände sich geweigert, gegen russische Mannschaften anzutreten, durch die Sanktionen wird dies auch logistisch immer weniger möglich. Auch die Zusammenarbeit mit russischen Sponsoren wurde bei vielen auf Eis gelegt, selbst der Schach-Weltverband Fide, der traditionell stark in Russland verankert ist, geht auf Distanz und hat seine Sponsorenverträge mit regierungsnahen russischen Unternehmen wie Gazprom und Rosatom beendet. Die Entscheidung betreffe alle existierenden Verträge mit sanktionierten oder staatlich-kontrollierten Firmen aus Russland und Belarus, teilte der Bund mit. Auch würden keine neuen Sponsorenverträge mit solchen Unternehmen abgeschlossen. Zugleich verurteilte der Weltverband den russischen Einmarsch in die Ukraine scharf. "Die Fide drückt ihre große Besorgnis über die von Russland begonnene Militäraktion in der Ukraine aus. Die Fide steht geschlossen gegen Kriege und verurteilt jeden Einsatz militärischer Mittel zur Lösung politischer Konflikte", hieß es nach einer Tagung des Verbandsrates.

Als Konsequenz wurden alle internationalen Wettbewerbe in Russland und Belarus abgesagt. Die Schacholympiade, die am 26. Juli in Moskau beginnen sollte, will nun der indische Schachverband ausrichten.