Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine hat die Formel 1 eine weitreichende Entscheidung getroffen. Die populärste Motorsport-Rennserie der Welt hat den Vertrag mit dem Ausrichter des russischen Grand Prix gekündigt und wird in absehbarer Zukunft nicht mehr in dem Land gastieren. Das gab die Formel 1 am Donnerstag bekannt. Der im September 2022 angesetzt gewesene Große Preis von Russland in Sotschi war schon in der vergangenen Woche abgesagt worden.

Ab 2023 sollte der russische Grand Prix in St. Petersburg, der Heimatstadt von Wladimir Putin, stattfinden. Der russische Präsident war immer eine treibende Kraft hinter dem Event, das seit 2014 ausgetragen wurde. Er hat das eine oder andere Mal auch die Trophäen bei der Siegerehrung überreicht. Nach Beendigung des Konflikts in der Ukraine beziehungsweise bei einer neuen weltpolitischen Lage könnte das Rennen wieder in den Kalender rücken.

Der Automobil-Weltverband hatte am Dienstag den Angriff russischer Streitkräfte auf die Ukraine verurteilt, aber gleichzeitig klargestellt, dass Piloten aus Russland oder Belarus unter neutraler Flagge weiter bei FIA-Veranstaltungen starten dürfen. Darunter fällt auch die Formel 1, in der mit Nikita Masepin ein Fahrer aus Russland beim US-Team Haas seine Runde dreht.

Ungewisse Zukunft

Der 23-Jährige steht allerdings vor einer ungewissen Zukunft. Wie Berichten zu entnehmen war, versucht der Rennstall, seine russischen Beziehungen zu kappen. Bei den Testfahrten in Barcelona in der Vorwoche waren bereits der Schriftzug des russischen Hauptsponsors Uralkali sowie die russischen Nationalfarben an den Haas-Boliden entfernt worden. Einer der Inhaber von Uralkali ist Dimitri Masepin, der Vater von Nikita.

Bis auf Weiteres bleibt Masepin Haas-Pilot. Am britischen Grand Prix in Silverstone am 3. Juli wird der 23-Jährige aber nicht teilnehmen können. Denn der Verband Motorsport UK erlaubt Piloten mit russischer oder belarussischer Lizenz nicht, in Großbritannien anzutreten - auch nicht unter neutraler Flagge.

Mega-Vertrag für Verstappen

Unterdessen hat Red Bull Racing Weltmeister Max Verstappen mit einem neuen Vertrag für fünf weitere Jahre an sich gebunden. Wie der österreichisch-englische Rennstall am Donnerstag mitteilte, unterschrieb der Niederländer einen Kontrakt bis zum Ende der Saison 2028. Es sei eine "einfache Entscheidung" gewesen, ließ Verstappen ausrichten. "Ich liebe dieses Team, und das letzte Jahr war einfach unglaublich." Verstappens aktueller Vertrag wäre Ende 2023 ausgelaufen.

Jene von Max Verstappen ist indessen vorerst geklärt. 
- © afp / Guiseppe Cacace

Jene von Max Verstappen ist indessen vorerst geklärt.

- © afp / Guiseppe Cacace

Laut Medienberichten soll der 24-Jährige künftig 40 bis 50 Millionen Euro pro Jahr kassieren. Er steigt also in die oberste Gehaltsklasse in seinem Sport auf und somit in die Liga von Mercedes-Star Lewis Hamilton, den er am Ende der vergangenen Saison beim viel diskutieren Finale in Abu Dhabi als Weltmeister entthront hat. "Unser Ziel, seitdem wir im Jahr 2016 begonnen haben, war es, die Weltmeisterschaft zu gewinnen, das haben wir geschafft", sagte Verstappen. "Jetzt geht es darum, die Nummer eins langfristig auf dem Auto zu behalten."

Verstappen fährt seit 2015 in der Formel 1, seit 2016 für das Einserteam von Red Bull. Gleich in seinem ersten Rennen für den Rennstall holte er den ersten Sieg, indem er 2016 als 18-Jähriger nach einem Doppelausfall bei Mercedes den Grand Prix von Spanien in Barcelona gewann. Das im Kartsport groß gewordene "Wunderkind" ist bis heute der jüngste Grand-Prix-Sieger in der Geschichte. Alle seine 20 Siege und 60 Podestplätze fuhr der Sohn von Ex-Rennfahrer Jos Verstappen für Red Bull heraus.

Eine "echte Absichtserklärung" nannte Christian Horner, der CEO und Teamchef von Oracle Red Bull Racing, die Finalisierung des neuen Deals. "Unser unmittelbarer Fokus ist, den WM-Titel von Max zu behalten, aber der Vertrag zeigt auch, dass er Teil der langfristigen Planung dieses Teams ist. Angesichts der neuen Abteilung Red Bull Powertrains, die auf die neuen Motor-Regeln 2026 hinarbeitet, wollten wir sicherstellen, dass wir den besten Fahrer im Feld haben", erklärte der Brite.

Gerüchte ranken sich seit einiger Zeit auch um eine mögliche zukünftige Partnerschaft von Red Bull mit einer Marke der Volkswagen-Gruppe, am häufigsten wird diesbezüglich Porsche genannt. Derzeit arbeitet der Rennstall noch mit Honda zusammen.
"Wir haben jetzt schon so viel gemeinsam erreicht, aber wir sind definitiv noch nicht am Ende", schrieb Verstappen auf Twitter.

Am Ende seiner Vertragslaufzeit wird er 13 Formel-1-Saisonen ununterbrochen bei einem Rennstall verbracht haben - das wäre aus jetziger Sicht ein Rekord. Hamilton würde das aber verhindern, sollte er zumindest bis Ende 2025 bei Mercedes bleiben. Der aktuelle Vertrag des 37-jährigen Briten deckt noch die Saison 2023 ab.

Red Bull geht neben Verstappen erneut mit dem Mexikaner Sergio Perez in die neue Saison. Der erste Grand Prix 2022 findet am 20. März in Sakhir in Bahrain statt. Nach der Absage des Großen Preises von Russland in Sotschi stehen 22 Rennen im Kalender.