Das kleine Land Slowenien mit seinen knapp zwei Millionen Einwohnern verfügt aktuell über die zwei besten Radfahrer: Primoz Roglic und Tadej Pogacar. In einigen Monaten werden sie bei der Tour de France um das Gelbe Trikot kämpfen, bis dahin liefern sie sich nur Fernkämpfe. Während sich Roglic bei der Fernfahrt Paris-Nizza auf die Tour vorbereitet, fährt Pogacar in Italien das Etappenrennen Tirreno–Adriatico. Am Samstag standen in beiden Rennen die Königsetappen auf dem Programm, die Roglic und Pogacar jeweils gewannen. Die beiden Slowenen stehen mit ihren Tageserfolgen vor den Schlussetappen auch vor dem Gesamtsieg.

Der Sieg Pogacars (UAE Team Emirates) war besonders souverän. Der zweifache Tour-de-France-Sieger attackierte auf dem letzten Anstieg rund 15 Kilometer vor dem Ziel, und niemand konnte diesem Antritt folgen. Im Ziel hatte Pogacar dann mehr als eine Minute Vorsprung auf Jonas Vingegaard (Jumbo-Visma) und Mikel Landa (Bahrain). Remco Evenepoel, der vor der Etappe nur wenige Sekunden hinter dem Slowenen Zweiter in der Gesamtwertung war, musste schon früh abreißen lassen und verlor vier Minuten.

Primoz Roglic steht vor dem Gesamtsieg bei Paris-Nizza. 
- © apa / afp / Franck Fife

Primoz Roglic steht vor dem Gesamtsieg bei Paris-Nizza.

- © apa / afp / Franck Fife

Evenepoel verliert viel Boden


Es ist eine weitere Enttäuschung für den jungen Belgier, dem zwar der Ruf eines künftigen Grand-Tours-Siegers vorauseilte, doch vor allem seit einem schweren Sturz 2020, bei dem er einen Beckenbruch erlitt, hat Evenepoel diese Hoffnungen nicht ganz erfüllen können. Allerdings ist Evenepoel mit 22 Jahren sogar noch ein Jahr jünger als Pogacar. In dem Alter war Primoz Roglic noch Skispringer und zu Trainingszwecken auf dem Rad unterwegs.

Roglic (Jumbo-Visma) hatte nach einem schweren Sturz 2011 das Fach gewechselt und im Jahr 2016 seine erste große Rundfahrt bestritten. Zwei Jahre später, mit 28 Jahren, fuhr er bereits bei der Tour de France auf den vierten Gesamtrang. Im Jahr 2020 sah Roglic bereits wie der sichere Sieger aus, doch im Zeitfahren auf der vorletzten Etappe machte sein Landsmann Pogacar die knappe Minute Rückstand in der Gesamtwertung wett. Mehr noch, er nahm Roglic fast zwei Minuten ab. Im Vorjahr war die Tour für Roglic nach Stürzen vorzeitig vorbei.

Außergewöhnliche Dominanz


Der Olympiasieger im Einzelzeitfahren fährt nun seinem großen Traum vom Tour-Erfolg entgegen. Zumindest bei Paris-Nizza hat der 32-Jährige die Konkurrenz in Griff, etliche Fahrer wie Adam und Simon Yates, Nairo Quintana und Guillaume Martin haben auch das Gesamtklassement der Tour im Auge. Am Samstag reichte Roglic bei der Bergankunft am Col de Turini ein kurzer Antritt vor dem Ziel zum Tagessieg, und er baute seine Führung vor dem Schlussstück im bergigen Hinterland von Nizza auf Simon Yates (Bike Exchange) auf 47 Sekunden aus.

Der Fernvergleich ist schwierig zu ziehen, aber die Dominanz, die Pogacar derzeit ausstrahlt, noch dazu in einem vielleicht sogar etwas stärkeren Fahrerfeld mit Vingegaard, Landa, Enric Mas und Damiano Caruso, ist schon sehr außergewöhnlich. Die Tour beginnt allerdings erst am 1. Juli. Es ist noch reichlich Zeit für Roglic. Und natürlich den Rest des Feldes.