Ferrari gegen Red Bull - das ist nicht Brutalität, sondern vor allem neu. Jahrelang dominierten die Boliden von Mercedes die Formel 1, um nun von der Konkurrenz ausgestochen zu werden. So wie beim Auftakt in Bahrain (Doppelsieg) und danach in Jeddah (Platz 2) scheint es auch in Melbourne weiterzugehen, wo Ferrari-Fahrer Charles Leclerc sich die Pole Position für das Rennen am Sonntag (7 Uhr/live ORF 1 und Sky) sicherte. In einem Qualifying mit mehreren Unfällen setzte sich der WM-Führende am Samstag im Albert Park an die Spitze, dahinter folgte das Red-Bull-Tandem Max Verstappen und Sergio Perez. Nach Bahrain, wo er zum Auftakt der Sieger war, ist es die zweite Pole für Leclerc in der noch jungen Saison und seine elfte insgesamt.

Bei der Rückkehr nach Australien nach zwei Jahren Absenz wegen der Covid-19-Pandemie drehte das Weltmeister-Team von Mercedes indes im Mittelfeld seine Runden. George Russell (GB) war hier in der zweiten Session am Freitag der bessere der beiden Piloten, kam allerdings nur auf Platz elf - mit 1,2 Sekunden Rückstand. Teamkollege und Landsmann Lewis Hamilton erreichte nur den 13. Rang nach einem siebenten in der ersten Trainingssitzung. "Nichts, das wir verändern, macht einen Unterschied im Moment, das ist die Schwierigkeit. Du gehst sehr optimistisch rein, du veränderst Dinge, aber es sieht nicht so aus, als ob sich was verändern würde", erklärte Hamilton am Freitag. Es gebe nicht viel, das er noch tun könne, um die derzeitige Lage zu verbessern. "Wir sind nicht in der Position, wo wir sein wollen. Es sind viele Mittelfeld-Autos vor uns und freilich fehlt uns viel Speed nach vorne", fügte Russell hinzu. Das Auto habe sich dabei aber nicht so übel angefühlt, merkte er an.

Während Mercedes weiter über die Gründe für die eigene schlechte Performance rätselt, ist man im Red-Bull-Rennstall zuversichtlich, Ferrari in die Schranken weisen zu können. "Auf Ferrari verlieren wir weiterhin Zeit, die sind erneut sehr schnell", meinte Verstappen am Freitag. "Aber wir haben heute Fortschritte erzielt, und wenn wir für morgen einige Anpassungen vornehmen, dann sollte das passen."

Ein Kurs mit Tücken

Das große Fragezeichen ist natürlich das Wetter: Für das Qualifying am Samstag waren wärmere Temperaturen als am Freitag prognostiziert, für Sonntag schließen die Meteorologen Regen nicht aus. Dabei birgt nicht nur das Wetter, sondern auch die umgebaute Strecke gewisse Tücken. Um zu erreichen, dass mehr und besser überholt werden kann, wurden mehrere Kurven verbreitert und zudem leichter fahrbar gemacht. Das soll bewirken, dass die Rundenzeiten um rund fünf Sekunden schneller werden können.

Zudem wurden vier Abschnitte entlang Strecke als DRS-Zonen deklariert. Der Geschwindigkeits-Durchschnitt soll dort um die 250 Stundenkilometer liegen. Auch ein komplett neuer Asphalt wurde auf die Strecke mit 14 Kurven auf einer Länge von 5,279 Kilometern aufgetragen. Für Verstappen sind die Adaptierungen am Kurs okay. "Die Bahn ist nicht mehr so wellig und baut ordentlich Haftung auf. Die Änderungen haben dazu beigetragen, dass der Kurs flüssiger geworden ist und ein Pilot besser angreifen kann", sagte er.

Pechvogel Sebastian Vettel

Noch keine Gelegenheit anzugreifen hatte bis dato Pechvogel Sebastian Vettel (D). Der Rückkehrer, der die beiden ersten Rennen in Bahrain und Jeddah wegen einer Coronavirus-Infektion verpasst hatte, musste in Melbourne im zweiten Training zuschauen. In der ersten Session hatte er seinen Aston Martin mit Motorproblemen vorzeitig abstellen müssen. Es gelang nicht, das Auto rechtzeitig fahrtüchtig zu machen. Vettel griff dann selbst zum Feuerlöscher, da es an seinem Wagen Rauchentwicklung gab. Die Idee, mit einem Motorroller zurück in die Box zu düsen, war hingegen nicht gut. Der verbotene Ausflug kostete ihn 5.000 Euro. Immerhin hat der Roller funktioniert.