Hafnarfjördur ist mit knapp 30.000 Einwohnern nicht bloß die drittgrößte Stadt Islands, sondern beherbergt auch neben dem gleichnamigen Sportklub eines der modernsten Handballstadien des Inselstaates. Hier, in der erst 2008 sanierten Arena von Kaplakriki südlich der Hauptstadt Reykjavik, trifft also Österreichs Handball-Nationalteam der Herren am Samstagabend (18 Uhr /MESZ/ORF Sport+) auf die isländische Auswahl. Und die rot-weiß- roten Gäste sind - drei Tage nach der 30:34-Niederlage im Hinspiel in Bregenz - mehr als bloß gefordert. Das endgültige Ringen ums Ticket für die WM 2023 wird für die Österreicher zur Herkulesaufgabe, immerhin machte die durchaus solide Leistung im jüngsten Aufeinandertreffen in Vorarlberg Hoffnung.

"Wir haben ein super Spiel gemacht, daran müssen wir jetzt anknüpfen", meinte Team-Routinier Robert Weber, mit 35 Lenzen der mit Abstand Älteste im aktuellen Kader, nach dem Spiel in Bregenz. Zwar zog Island nach gutem österreichischem Beginn auf bis zu sechs Tore davon, doch Nikola Bilyk und Co. boten dem EM-Sechsten gerade in der zweiten Hälfte viel Paroli, in der 52. Minute war man sogar auf 27:28 herangekommen. "Wir hatten die Chance, aber in den entscheidenden Phasen zu viele Fehler gemacht", sagte Bilyk selbstkritisch. Und Weber meinte mit Blick auf das Team aus Island: "Eine Weltklassetruppe, die mussten ein bisschen an ihre Grenzen gehen."

Nach der Pleite ist vor der EM

Der Klassenunterschied war allerdings dann doch nicht zu verhehlen, dabei wird die Aufgabe in Hafnarfjördur ohne die Unterstützung der eigenen Fans nicht gerade einfacher. "Es wäre natürlich nett gewesen, wenn die Niederlage mit nur ein, zwei Toren Unterschied ausgefallen wäre oder wir auch Unentschieden gespielt hätten", meinte Bilyk, der mit seinen Kollegen am Gründonnerstag via München nach Reykjavik abgehoben war. Den Klassenunterschied bemerkt hat freilich auch Trainer Ales Pajovic, der sich aus diesem Grund keinen Träumereien hingeben wollte. "Im Handball ist alles möglich, aber realistisch gesehen wird es sehr schwer, in Island mit vier oder fünf Toren Vorsprung zu gewinnen", erklärte der slowenische Coach, fügte aber gleichzeitig bestimmt hinzu: "Wir werden alles geben."

Sollte aber Österreich an dieser "schwierigsten Quali-Aufgabe in den letzten Jahren" (Bilyk) scheitern, also erstmals seit 2017 wieder eine WM- oder EM-Endrunde verpassen, wäre das freilich kein Beinbruch. Nach den mühsamen Siegen über Estland im März, erspielt mit einer stark verjüngten Mannschaft, kann Pajovic immerhin schon mit etwas Zuversicht auf die kommende EM-Qualifikation schauen. Dort bekommt man es ab Mitte Oktober 2022 mit der Ukraine, Rumänien und den Färöern zu tun. Die Top zwei der acht Gruppen sind ebenso bei der EM 2024 vertreten wie die vier besten Dritten.

Die 16. Handball-EM wird zwischen 10. und 28. Jänner 2024 in Deutschland ausgetragen. Österreichs Nachbar ist erstmals Austragungsort einer Europameisterschaft der Männer.(apa/rel)