Vor dem Formel-1-Heimspiel von Ferrari in Imola hat Konkurrent Red Bull Racing die Favoritenstellung der Scuderia bekräftigt. Beim Großen Preis der Emilia-Romagna am Sonntag (15 Uhr/Servus-TV) kann WM-Spitzenreiter Charles Leclerc an diesem Wochenende seine Führung auch durch die Extrapunkte des Sprintrennens weiter ausbauen. Zum ersten Mal in diesem Jahr wird es am Samstag (16.30 Uhr) dazu kommen. Der Sieger bekommt in dieser Saison acht Zähler, beim Rennen am Sonntag sind maximal 26 Punkte möglich.

Im WM-Klassement führt Leclerc nach drei Rennen bereits mit 34 Punkten Vorsprung auf Mercedes-Neuzugang George Russell. "Ferrari ist bei jeder Temperatur, auf jeder Strecke, mit jedem Reifentyp gut. Sie sind die neue Messlatte", sagte Red Bulls Motorsportdirektor Helmut Marko der "Sport Bild" (Mittwoch). Das gelte insbesondere für den 24-jährigen Leclerc, der auch noch mal auf einem anderen Level fahren würde als dessen Teamkollege Carlos Sainz.

Red-Bull-Star Max Verstappen ist nach zwei Ausfällen mit Technikdefekten in der noch jungen Saison nur Siebenter. Mit 25 Punkten dank seines Sieges in Saudi-Arabien liegt der niederländische Weltmeister deutlich hinter den 71 Zählern von Leclerc. Rekordweltmeister Lewis Hamilton kommt im Mercedes als Sechster auch nur auf 28 Punkte.

Beide Teams haben unter anderem mit Gewichtsproblemen bei ihren neuen Autos zu kämpfen, zudem macht Red Bull die Zuverlässigkeit des aktuellen Modells große Sorgen. Zuletzt in Melbourne hatte der Österreicher Marko auch noch eine schnellere Reifenabnutzung moniert.

100.000 Tifosi wollen ersten Imola-Sieg seit 16 Jahren

Fast 100.000 Tifosi werden zum Großen Preis der Emilia-Romagna erwartet - und wie Leclerc wollen sie eigentlich nur eines: einen Heimsieg im Autodromo Enzo e Dino Ferrari, also auf der Strecke, die den Namen des legendären Firmengründers und seines Sohnes trägt. "Wir kommen nach Hause, Tifosi", twitterte Ferrari. Es ist das erste Rennen in diesem Jahr auf europäischem Boden.

Für den bisher letzten Ferrari-Sieg in Imola hatte Michael Schumacher in seiner denkwürdigen Zeit beim italienischen Rennstall gesorgt. 16 Jahre ist das her, bis zur Rückkehr 2020 wurde in Imola dann nicht mehr gefahren. Nach dem Sieg von Hamilton 2020 und dem Erfolg von Verstappen startet Leclerc nun als großer Favorit.

Wie sich ein Sieg im Ferrari in Italien anfühlt, weiß Leclerc jedenfalls schon: 2019 gewann er den Grand Prix in Monza, sein zweiter Formel-1-Sieg. Bis zum dritten musste er lange warten. "Vor zwei Jahren haben wir erklärt, dass wir hart arbeiten müssen, um wieder konkurrenzfähig zu sein", sagte italienischen Medienberichten zufolge jüngst Ferrari-Aufsichtsratschef John Elkann bei der Aktionärsversammlung. Diese Arbeit scheint nun süß schmeckende Früchte zu tragen.

Konstrukteurs-WM-Champion Mercedes hofft dagegen wenigstens auf Anzeichen, dass der Abstand zu Ferrari und Red Bull verringert werden kann. "Über das Osterwochenende wurde in der Fabrik hart gearbeitet, um das Auto zu verbessern und für das nächste Rennen vorzubereiten. Das ist ein Beleg für das Engagement, das das Team an den Tag legt, um das Blatt zu wenden", erklärte Teamboss Toto Wolff. Man müsse diesbezüglich realistisch sein. "Es wird Zeit brauchen, um die gewünschten Fortschritte zu erzielen, aber wir lernen so viel wie möglich aus jedem Rennen und finden Wege, die uns weiterbringen."