Fast könnte man sagen: Es ist ein Lauf wie früher. Nachdem der Vienna City Marathon (VCM) 2020 lockdownbedingt ausgefallen ist und er 2021 wegen der Pandemie auf Herbst verschoben wurde, geht es 2022 wieder halbwegs normal ans Werk. Am Wochenende wird ohne offizielle Einschränkungen gelaufen: kein 3G, keine Maskenpflicht. Doch ganz so wie früher ist es dann eben doch noch nicht.

"Das Bewusstsein ist natürlich ein ganz anderes", erklärt Andreas Maier vom VCM-Event-Team gegenüber der "Wiener Zeitung". "Es ist völlig in Ordnung, Masken zu tragen, und wir empfehlen, sich vorher auf das Coronavirus testen zu lassen." Denn auch wenn man symptomlos ist, kann ein Lauf bei bestehender Infektion gesundheitsschädlich sein und zu einer Herzmuskelentzündung führen. Übrigens nicht nur bei Corona, sondern jeder Infektionskrankheit. Sollte eine Infektion innerhalb von drei Wochen vor dem Laufen bestanden haben, so empfehlen die Veranstalter, auf den Marathon zu verzichten.

"Pickerl" für den Körper

Das bestätigt auch der Sportwissenschafter Hans Holdhaus junior: "Unterschiedlichste Studien haben belegt, dass viele Menschen nach einer Covid-Infektion unabhängig vom Grad des Verlaufes eine Herzmuskelentzündung aufgewiesen haben. In einer aktuellen amerikanischen Studie waren das von 300 untersuchten Personen 60 Prozent - das ist relativ viel," so Holdhaus zur "Wiener Zeitung". Deswegen sei es auch ratsam, sich vor so einer körperlichen Herausforderung durchchecken zu lassen - selbst wenn man symptomlos war oder nur einen Husten hatte.

"Ich vergleiche das immer gerne mit dem Pickerl, das man fürs Auto macht: Wenn man sich wieder mit sportlichen Leistungen auseinandersetzen möchte, sollte man Blutparameter bestimmen, es braucht einen Lungenfunktionstest, ein Belastungs-EKG und ein Herz-Ultraschall, damit man sehen kann, ob Verdickungen oder entzündliche Prozesse im Muskel vorhanden sind." Bei Profi-Sportlern sei das selbstverständlich, vielen ambitionierten Hobbysportlern würde dafür aber oft das Bewusstsein fehlen.

"Weg mit der Maske, bitte"

Eindeutige Warnzeichen während des Marathons sind laut Holdhaus das Auftauchen klassischer Covid-Symptome: rasche Müdigkeit und erhöhte Atemlosigkeit. "In dem Fall, nicht versuchen drüberzugehen, sondern sofort abbrechen", rät der Experte.

Zum Thema Nasen-Mund-Schutz sagt Holdhaus: "Weg mit der Maske bitte." Man bekomme damit weniger Luft, treibe schnell den Puls in die Höhe und den Stoffwechsel in eine andere Zone. "Insbesondere Hobbyläufer kommen wegen der höheren Herzfrequenz vom Fettstoffwechsel viel zu schnell in den Kohlehydratspeicher hinein, verbrennen die Kohlehydrate und sind leer - dann können sie nur noch schnell gehen", so Holdhaus. Abgesehen davon, dass eine Ansteckungsgefahr im Freien kaum gegeben sei.

Steht also dem Marathon am kommenden Wochenende nichts mehr im Wege - auch die Teilnehmerzahl beginnt sich allmählich zu normalisieren. "Es kommt vermehrt wieder internationales Publikum", sagt Maier. Die ausländischen Läufer sind aber noch primär aus Europa.

10.000 Läufer weniger

So ganz ist das Vorkrisenniveau eben noch nicht erreicht. Mehr als 31.000 Anmeldungen gibt es bereits für das Marathonwochenende. Das sind immerhin um 5.000 mehr als noch im Jahr zuvor. Allerdings fehlen noch 10.000 Läufer, damit es so viele sind, wie früher.