Beim heurigen Vienna City Marathon am kommenden Sonntag werden wohl viele Augen nicht nur auf die Favoriten für den Sieg, sondern insbesondere auf deren Schuhwerk gerichtet sein. Einen Eklat wie jenem vom Vorjahr, als dem Äthiopier Derara Hurisa der vermeintliche Sieg wegen reglementwidrig erhöhter Absätze aberkannt worden war, will man sich diesmal nicht mehr leisten. Dabei war die Zeit, die Hurisa 2021 in Wien hingelegt hatte, gar nicht einmal so außergewöhnlich, lag sie doch mit 2:09,22 Stunden immer noch knapp vier Minuten hinter dem Streckenrekord seines Landsmanns Getu Felecke (2014).

Allein Feleckes Rekord ist nicht in Stein gemeißelt. Die Rekordzeit von 2:05,41 Stunden könnte nämlich am 24. April von einem Eritreer oder einem anderen Äthiopier geknackt werden - Oqbe Kibrom (2:05:53 Stunden) und Abdi Fufa (2:05:57 Stunden). Das heißt, wenn auch sie nicht wie die meisten anderen Top-Läufer im letzten Moment absagen. Aus ursprünglich fünf Läufern mit Bestzeiten unter 2:06 Stunden sind nur noch zwei geblieben. Top-Favorit Mekuant Ayenew etwa sagte schon vor Tagen ab. Der Gewinner des Sevilla-Marathons 2020 war mit einer Bestzeit von 2:04:46 Stunden die Nummer eins auf der Nennliste in Wien.

Weiters fehlen mit dem Eritreer Goitom Kifle (2:05:28 Stunden) sowie Marius Kimutai (Bahrain/2:05:47 Stunden) zwei wichtige Gesichter. Damit nicht genug, haben kurzfristig für den Vienna City Marathon auch die Hauptprotagonisten vom Vorjahr abgesagt: Wien-Sieger Leonard Langat aus Kenia und der disqualifizierte Hurisa. Die von vielen Seiten herbeigeschriebene Neuauflage des Duells von 2021 findet nicht statt.

31.000 Teilnehmer genannt

Etwas besser wiederum sieht die Nennliste bei den internationalen Klasse-Läuferinnen aus. Hier geht die kenianische Vorjahressiegerin Vibian Chepkirui (2:24:29 Stunden) fix an den Start, sie wird unter anderem gegen Caroline Kilel, Ruth Chebitok, Sheila Jerotich (alle Kenia) und Sifan Melaku (Äthiopien) um den Sieg kämpfen. Die österreichische Konkurrenz müssen die Damen, nachdem die hiesige Marathon-Elite um Eva Wutti und Julia Mayer formbedingt abgesagt hat, nicht fürchten. Bei den Frauen hält übrigens die Kenianerin Nancy Kiprop den Wiener Rekord. Ihr gelang 2019 mit 2:22:12 Stunden eine neue Bestzeit.

Um das Knacken der persönlichen Bestzeit geht es dagegen den österreichischen Herren rund um Lemawork Ketema. Der 36-Jährige mit äthiopischen Wurzeln stellte in Wien 2019 mit 2:10:44 Stunden seine persönliche Bestzeit auf und darf heuer auf einen Top-Ten-Platz hoffen. Genauso wie Ketman will auch Timon Theuer das EM-Limit von 2:14:30 Stunden knacken. Der österreichische Marathon-Rekordhalter Peter Herzog (2:10:06 Stunden) wiederum geht im Halbmarathon an den Start.

Nach der Corona-bedingten Absage 2020 und dem Comeback im September 2021 findet der Marathon wie gewohnt wieder im April statt. Insgesamt werden mehr als 31.000 Teilnehmer erwartet, rund 8.000 davon sind über die gesamte Marathondistanz gemeldet. Der ORF überträgt das Spektakel live. Beim Startschuss am Sonntag um 9 Uhr persönlich zugegen sein wird auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Allerdings ohne Laufschuhe. Und auch ohne erhöhte Absätze. (rel)